• Kultur
  • „Der Mann, der Liberty Valance erschoss“ am Maxim Gorki Theater

Western

„Der Mann, der Liberty Valance erschoss“ am Maxim Gorki Theater

Wenn jetzt Amerika wieder great werden soll, kann es nicht schaden, sich anzusehen, wie es einmal wirklich groß  geworden ist – hat sich der Regisseur Hakan Savas Mikan gedacht

Foto: Ute Langkafel MAIFOTO

Also hat er am Gorki Theater seine Version von John Fords Spätwestern „Der Mann, der Liberty Valance erschoss“ inszeniert. Die ­Mythen, die die Western von der Frühzeit des Landes erzählen, benutzt Mican, um die Gegenwart mit dem amerikanischen Selbstbild abzugleichen. Das ist im Fall von John Fords Film von 1962 so ergiebig, weil er die Durchsetzung der Herrschaft des Rechts, einige Prinzipien der Demokratie und Kleinigkeiten wie die Pressefreiheit verhandelt.

Einen etwas naiv idealistischen Jungen, den Jura-Studenten Ransom, verschlägt es in ein gottverlassenes Kaff irgendwo in der Prärie. Hier sorgt der Gangster Liberty Valance im Auftrag der Großgrundbesitzer dafür, dass das Recht der Stärkeren und der Handfeuerwaffen klare Verhältnisse schafft. Der idealistische Junge trifft auf das lokale Raubein Bert Barricune und besiegt mit seinem Vertrauen in die US-Verfassung nicht nur den Revolverhelden Liberty Valance, sondern führt auch noch den Rechtsstaat, die Alphabetisierung und die gelebte Demokratie ein.

Leider verfällt Mican, sonst ein kraftvoll direkter und warmherziger Erzähler, auf den Dramaturgen-Taschenspielertrick der ironischen Brechung auf der Metaebene. Die Kulissen des Westernkaffs entpuppen sich als Filmstudio-Deko, deren Rückseiten auch gerne mal neckisch gezeigt werden. Auch sonst gibt sich die Bühnenbildnerin Sylvia Rieger alle Mühe, sich mit den Neonschriften, dem altmodischen Cola-Automaten und all dem falschen Flitter als die plumpeste, ungeschickteste und aufdringlichste Bert-Neumann-Imitatorin der Spielzeit zu blamieren.

Dafür spielen die Darsteller umso lässiger und großartiger mit den echten Gefühlen und den großen, höchstens halbechten und genau darum gelungenen Kino-Posen. Taner Sahintürk als stoischer Westerner Barricune, ein Mann, der lieber und besser schießt als viele Worte zu machen, weiß mit einer nur im Western glaubhaften Klarheit gut und böse zu unterscheiden. Sahintürk hat sich die unbewegte Miene, den breitbeinigen Habitus und die durch nichts zu erschütternde Gelassenheit eines John Wayne (der die Rolle im Film spielt) antrainiert, als hätte er sein Schauspielerleben lang nichts anderes gemacht.

Ohne diesem erfreulichen Schauspieler zunahe treten zu wollen – der Mann ist der beste John Wayne, der derzeit nördlich von Texas zu haben ist. Lea Draeger, die dem einsamen Cowboy das Herz bricht, als sie sich für den Jura-Knaben (Mehmet Ateşçi) entscheidet, macht als Southern Bell jedem Saloon westlich und östlich des Missisippi alle Ehre. Der Shootout geht aus, wie es sich gehört: Der Gangster Liberty Valance (Yousef Sweid), der Verächter der Gewaltenteilung, sozusagen der bewaffnete Arm der Oberschicht, wird im Duell niedergestreckt. Hey, es gibt noch gute Nachrichten aus dem Wilden Westen.

Maxim Gorki Theater Sa 28.1., 19.30 Uhr, Eintritt 10-34 €

Bewertungspunkte3

Mehr über Cookies erfahren