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Der politische Aschermittwoch in der Arena Berlin

Arnulf Ratingtip SPD und CDU denken angesichts der Finanzkrise über die Verstaatlichung von Banken nach, das hätten vor einem Jahr nicht mal die Helden von der PDS gewagt. Ist das der erste Schritt zum Sieg des Sozialismus?
Arnulf Rating Was sollen sie denn machen, offenbar hat keiner in dieser Regierung ein wirtschaftspolitisches Konzept. Der zurückgetretene Wirtschaftsminister Glos war die personifizierte Wirtschaftskrise. Vor seinem Rücktritt ist er ausgiebig auf der Stelle getreten, damit kann man höchstens Sauerkraut produzieren. Sein Nachfolger ist jetzt Herr zu Guttenberg. Und plötzlich kommen lauter Honecker-Modelle auf den Tisch und brave Hinterbänkler reden davon, Banken zu verstaatlichen. Die Pirouetten der Politiker sind schon erstaunlich. Die Riesensummen, die sie jetzt den bankrotten Banken hin­ter­herwerfen, hätten sie früher nicht mal in die marode DDR gepumpt.

tip
Vergeht Ihnen als Kabarettist das Lachen über die Wirtschaftskrise?
Rating Im Gegenteil. In unserer Branche sind Krisen immer etwas Erfreuliches – uns geht es gut, wenn es sonst schon nichts zu lachen gibt. Die Eintrittskarte zu einem Kabarett-Abend ist eine erstklassige Wertanlage, sehr viel besser als jede Lehman-Aktie. Beim Kabarett wird die Rendite in Form von guten Nummern sofort fällig.

tip Was erwartet den Besucher bei Ihrem Politischen Aschermittwoch?
Rating Wiglaf Droste ist dabei mit seinen Glossen, die aus seinen Beobachtungen während seiner Reisen entstehen, Matthias Deutschmann tritt auf, der Mann, der von sich sagt, sein Name sei gleichzeitig „Auftrag und Fluch – Deutschmann“. Dieter Hildebrandt kommt …

tip … der Richard von Weiz­säcker des in die Jahre gekommenen öffentlich-rechtlichen Rechthaber-Kabaretts …
Rating Wir freuen uns sehr auf diesen Altmeister der Kunst. Ich finde ihn gar nicht rechthaberisch, das ist ein scharfer Beobachter und flotter Kritiker der Verhältnisse. Und die Verhältnisse sind ja derzeit wirklich ideal für Kabarett. Alle sagten nach der Obama-Wahl: Jetzt kommt in den USA und im Rest der Welt der große Wechsel. Leider weiß keiner, ob der Wechsel gedeckt ist. Obama hat gesagt, wie groß der Wechsel in den USA ist, könne man daran sehen, dass er Präsident wurde, während sein Vater vor 30 Jahren in viele Restaurants in Washington nicht reingekommen wäre. Wir haben ja auch eine Schwarze im Kanzleramt. Frau Merkel hätte vor dreißig Jahren auch Schwierigkeiten gehabt, in ein gutes Restaurant oder eine anständige Drogen-Disco in Westberlin reinzukommen.

tip Wer liefert am Politischen Aschermittwoch die besseren Sprüche zum Bier: Ihre Leute in der Arena Treptow oder die CSU? Immerhin gehört das Sprüchemachen bei beiden zur Kernkompetenz.
Rating Die CSU in ihrer Verzweiflung überlegt ja schon, Stoiber aus Brüssel einzufliegen, damit er am Aschermittwoch den Demagogen macht, weil das Seehofer nicht hinkriegt. Dieser Niedergang der CSU ist erschreckend. Vor allem, weil man ja immer dachte, ein Job bei der EU sei ein sicheres Endlager für ausgebrannte Politiker. Aber das Endlager ist nicht ganz dicht, die kommen immer wieder zurück.

Interview: Peter Laudenbach

Foto: Udo Hesse

Politischer Aschermittwoch
Arena Treptow, Mi 25.2., 20 Uhr

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