Kunstlied

Der coole Bariton

Mit virilem Bariton coolt Martin Häßler Carl Loewe auf

Foto: Inna Kustukovsky

Im Bereich des Kunstliedes gibt es kaum einen schlagkräftigeren Beweis der Uncoolness als Carl Loewe. Seine Balladen, etwa „Die Glocken von Speyer“ oder „Tom, der Reimer“, gehörten zum Lieblings-Intenvar in den Salons der Romane von Theodor Fontane. Mindestens im Vorfeld des Fontane-Jahres (2019 steht der 200. Geburtstag an) ist auch ein leichtes Loewe-Revival durchaus zu begrüßen.

Uns fehlt heute zumindest der lange Atem, welchen man braucht, um Loewes wendungsreichen Lang-Liedern mußevoll zu folgen. Der aus Plauen stammende, in Leipzig ausgebildete und gegenwärtig an der Guildhall School of Music seine Studien abschließende Martin Häßler mag der Richtige sein, uns vom Gegenteil zu überzeugen. Er geht vom Text aus, so wie jeder Lieder-Sänger es tun sollte. Sein nicht zu üppiger, sehr viriler Bariton fiel zuerst 2011 beim (damals noch Berliner) ­Lied-Wettbewerb von Thomas Quasthoff auf. Seither häufen sich die Preise. Mit Begleitern wie Graham Johnson oder Phillip Moll hat Häßler demonstriert, dass er nur mit den besten Pianisten zusammenarbeiten will.

Um die Zuhörer unter der Wucht von zu viel Loewe nicht zusammenbrechen zu lassen, folgt nach der Pause rasch noch Schumanns ­Liederkreis op. 39 (mit der berühmten „Mondnacht“). Es begleitet ­Sholto Kynoch, der Gründer des Oxford Lieder Festival, wo auch ­Häßler teilweise beheimatet ist. Eine einsame Gelegenheit. Denn zumindest ­für Loewe herrscht in allen größeren Konzertsälen Berlins nahezu ­Aufführungsverbot.

PIANO SALON CHRISTOPHORI, Uferstr. 8–11, Wedding, Mi 8.8., 20 Uhr, Eintritt 25 € (incl. Getränke)

Mehr über Cookies erfahren