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Design-Partnerschaften

Design-Partnerschaften

Als die Modekette Hennes & Mauritz vor über zehn Jahren eine Kollektion mit Karl Lagerfeld in die Läden brachte, sorgte der Coup für großes Aufsehen. Es trafen die Preiswürdigkeit des Discounters auf den kreativen Ruf des deutschen Modedesigners mit Lebensmittelpunkt in Paris. Die folgenden Kooperationen des schwedischen Textilgiganten waren weniger spektakulär, die nächste soll nun wieder Schwung ins Thema bringen. Wenn dieser tip am Kiosk liegt, kommt das Ergebnis der Balmain-H&M-Kooperation in die Läden. Nie war bei einer der bisherigen elf H&M-Designerkollektionen der Preisunterschied zwischen „Original“ und Kooperation so groß. Das klassische Couture-Label mit dem jungen Esmod-Absolventen Olivier Rousteing an der Spitze, das erst vor neun Jahren wiederbelebt wurde, ist bei manchem Modekenner nicht hoch angesehen, hat aber mit Fans, Trägern und Instagrammern wie den Kardashian-Schwestern reichweitenstarke Publicity.
Die Stärken von Designer-Kooperationen liegen jedoch nicht allein beim Marketingeffekt. Vielmehr finden bei solch einer Zusammenarbeit unterschiedliche Images oder kreative Entwürfe zueinander. Manchmal kommen die Partner aus so verschiedenen Welten wie beim innerschweizerischen Zusammenspiel des Wäschehersteller Zimmerli mit Designer Julian Zigerli. Außer, dass man aus der Alpenrepublik kommt und im Alphabet von Online-Shops beieinander steht, gibt es eher Unterschiede: Hier das Unternehmen aus dem Tessin, 1871 gegründet, und dort der junge Modedesigner aus Zürich, der 2010 seinen Abschluss an der Berliner UdK gemacht hat. Klassisches Handwerk hier, wilde ­Sexyness da. Und doch, sie haben zu einander gefunden.
Auch bei der schwedisch-britisch-kreuzberger Kooperation zwischen dem Uhrenhersteller Larsson & Jennings und dem Voo Store in der Oranienstraße treffen unterschiedliche Partner aufeinander, wenn auch nicht so kontrastreich. Während die Briten klassischen Stil und die Schweden typisch nordischen Minimalismus einbringen, sorgen die Kreuzberger für Berliner Coolness. Das Ergebnis: Spannend! Wie die Uhr „Läder Kolmеrden“ mit Schweizer Laufwerk, poliertem Gold, minimalistisch schwarzem Ziffernblatt und dem Lederarmband in Camouflage.
Die japanische Textilkette Uniqlo hat sich bei einer Kollektion von der ehemaligen Chefin der französischen Vogue, Carine Roitfeld, beraten lassen. Roitfeld gilt weltweit als Stilikone und kommt eher aus der High-Fashion. Nun hat sie für Uniqlo eine bezahlbare cool-elegante Kollektion entwickelt, die auch in den Berliner Uniqlo-Läden hängt.
Am besten sind Designer-Collaborations, wenn verschiedene Ideen aufeinanderstoßen. Wenn nur das Preisargument ausschlaggebend ist, stellen sich schnell ethische Fragen, wie: Wo wurde das Stück unter welchen Bedingungen hergestellt damit es billiger ist? Das wird die Balmain-Fans, die die Discounterfilialen stürmen, sicher wenig kümmern. Bei unserer Zusammenstellung geht es um interessante und nachhaltigere Kooperationen – die dennoch Spaß machen.

Text: Stefan Sauerbrey

Fotos: Voo Store

Zimmerli x Zigerli:?
Wäschefabrikant aus dem Tessin trifft auf jungen Wilden aus Zürich mit UdK-?Abschluss ergibt ­traditionelles Handwerk im sexy Look, made in Switzerland?
Ab wann: 2016
Wie viel: ab 99 Euro
Wo: KaDeWe, ­Tauentzienstr. 21-24, Schöneberg

Mühle x Herr von Eden:
Manufaktur aus dem Erzgebirge trifft auf Gentleman-Punk ­ergibt Rasierzeug, das im ?Badezimmer cool ­aussehen
Wie viel: das Set? 149 Euro
Wo: Rosenthaler Str. 40/41 und ?Alte Schönhauser Str. 14, Mitte

Royal Republiq x ­Gestalten:
??Schuh­fabrikant mit Sitz in Amsterdam und ­Kopenhagen trifft auf Berliner Designverlag ergibt minimalistisch-urbanen ­Lederrucksack
Wie viel: 219 Euro
Wo: Gestalten Pavilion im Bikini Berlin, ­Budapester Str. 38–50, Charlottenburg

Carine x Uniqlo:?
Französische ­Stilikone trifft auf ­japanische ­Textilkette ­ergibt ­bezahlbare Eleganz ?
Wie viel: 7,90 bis
179,90 ­Euro
Wo: Tauentzienstr. 7b/c, Charlottenburg, Leipziger Platz 16, Mitte

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