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Die Berliner Breakdance-Gruppe Lunatix

Lunatix

Zu Hause in der Wohnung seiner Eltern guckt der Tänzer hin und wieder türkisches Fernsehen. „Die haben da ebenfalls eine Supertalent-Show, ‚Yetenek Sizsiniz Türkiye‘ heißt die. Aber die Breakdancer, die dort bisher auftraten, sind wirklich schlecht“, findet Serdar. 2009 erfuhr er, dass Yetenek Sizsiniz auch in der türkischsten Stadt Deutschlands, in Berlin, nach Talenten fahndet und ein Casting anberaumt hatte. „Ich hatte erst überhaupt nicht daran gedacht, mich dort zu bewerben“, sagt Serdar. „Aber meine Mutter meinte, statt ständig über die anderen Tänzer zu lästern, sollte ich doch mal zeigen, dass ich es besser kann.“ Mit seinem Tanz-Kumpel Murat entwickelte Serdar innerhalb kürzester Zeit eine Bühnenshow – mit der die beiden im Frühjahr 2010 sogar bis nach Istanbul ins Halbfinale kamen.
Für 2011 will Serdar noch einen drauflegen. Diesmal hat sich die ganze Lunatix-Crew an dem Wettbewerb beteiligt, Lamin, Koko, Jojo, Erdem, Alisha und Philipp, ein bunt gemischtes Völkchen mit familiären Wurzeln in Afrika, Russland, der Türkei und Deutschland. Denn nicht nur bei Dieter Bohlens „Supertalent“, das gerne mal als „Migrantenstadl“ verspottet wird, ist eine hohe Beteilung von Einwanderern typisch. Auch in der Türkei scheint die Herkunft der Yetenek-Sizsiniz-Teilnehmer kaum ausschlaggebend dafür zu sein, ob Kandidaten mitmachen und weiterkommen können.
LunatixDie im Herbst 2010 stattgefundenen vier Vorentscheidungs-Staffeln im Reinickendorfer Fontane-Haus, einem großen, etwas abgelegenen Berliner Veranstaltungsort, dürften alteingesessenen Deutschen dennoch komplett türkisch vorgekommen sein – für den unwahrscheinlichen Fall, dass man überhaupt von diesen Parallelwelt-Events erfahren hat. Denn ob Bühnenbeschriftung oder die salbungsvollen Worte der dreiköpfigen Jury – wer kein Türkisch konnte, das wird angesichts des entsprechenden You­Tube-Videos schnell klar, verstand hier nur Bahnhof. Nur der tosende Jubel nach den abschließenden Jury-Kommentaren war eine eindeutige Sprache: Die Lunatix schafften es ins Halbfinale und reisen Ende Februar zu den Endausscheidungen nach Istanbul.
Wenn Serdar Bogatekin an die Fahrt denkt, wird er plötzlich ganz ruhig und feierlich: „Ich freue mich riesig darauf. Für die Proben werden wir eine Woche vor dem Event anreisen, wir wollen aber auch danach noch eine Woche dranhängen, um zusammen zu sein und uns Istanbul anzugucken.“ Serdar wird dann wieder eine altbekannte Erfahrung machen: Dass Leute ihn auf der Straße ansprechen und umarmen wollen. Denn Yetenek Sizsiniz, so der Tänzer, ist in der Türkei „eine ganz große Sache“.

Text: Eva Apraku

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