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Die Berliner Breakdance-Gruppe Lunatix

Lunatix

Ein Spaziergang mit Serdar Bogatekin durch das Herz von Kreuzberg, die Adalbert- und Oranienstraße, kann lange dauern. „Bruder!“ ruft es hier und da. Es folgen Umarmungen, Küsse links und rechts und ein kurzes Palaver auf Deutsch und Türkisch. Der 21-jährige Kreuzberger scheint in seinem Kiez jeden zweiten Passanten zu kennen. Und in der türkischen Großgastronomie Hasir wird Serdar mit Handschlag begrüßt. Keine Frage: Serdar Bogatekin ist in seinem Bezirk eine Berühmtheit.
Bekannt wurde Serdar vor allem durch das Tanzen. „Ich tanze seit meinem 14. Lebensjahr“, erzählt er und meint natürlich Breakdance, den Tanzstil, der bei den Einwanderer­jugendlichen Berlins an erster Stelle zu stehen scheint. Dass der drahtige junge Mann für diese mitunter artistische Tanzform Talent hatte, merkte er schnell. Nachdem er unter diversen Trainern in verschiedenen Formationen mitwirkte, gründete er 2007 die Tanzgruppe Lunatix. „Mir gefiel der Name, obwohl ich erst keine Ahnung hatte, was er bedeutet. Eine Mittänzerin fand dann heraus, dass ‚lunatic‘ aus dem Englischen kommt und ‚irre‘ oder ‚verrückt‘ heißt. Ich finde, das passt irgendwie„, erzählt der Tänzer.
Wenn ‚verrückt‘ auch unkonventionell bedeutet, dann stimmt der Name. Denn wer bei den Lunatix eine Abfolge altbackener „Head Spins“ erwartet, dem zwar sehr schwierigen, aber irgendwann auch langweiligen Rotieren auf dem Kopf, der wird enttäuscht. Stattdessen haben sich die derzeit siebenköpfigen Lunatix auf die Breakdance-Form HipHop New Style spezialisiert, einen Stil, der größtmögliche Freiheit erlaubt und Unterformen wie das Popping (mechanisch erscheinende Bewegungen) oder Locking (wildes Gestikulieren) in sich vereint.
LunatixWie das auf der Bühne aussieht, konnte man zuletzt Mitte Dezember bei der Aufführung von „Faust in Da City“ im Hebbel-Theater bestaunen, wo die Lunatix nebst Untergruppen mitwirkten: Eine Horde junger Menschen wirbelte da etwa erst scheinbar planlos über die Bühne, hielt für Sekundenbruchteile inne, um sich dann synchron zu Boden zu werfen – und in einer rhythmischen Wellenbewegung eine Art „Auferstehung“ zu feiern.
Weil die exakten Bewegungsabfolgen und Übergänge stimmen und die Zuschauer stets eine überraschende Choreografie bestaunen können, sahnen die 17- bis 21-jährigen Lunatix bei Battles – das sind Breakdance-Wettbewerbe – in ganz Deutschland regelmäßig ab. Außerdem haben sie schon in Videos mitgewirkt, beim „Deutschland-sucht-den-Superstar“-Sieger Thomas Godoj etwa, bei DJ Westbam oder beim türkischen Pop-Star Muhabbet. Auch die Berliner Ausscheidung der Funkin‘ Stylez konnten die Lunatix Mitte November 2010 für sich entscheiden.
Doch Serdar Lunatix Bogatekin, wie er sich offiziell nennt, will mehr. „Wir starten jetzt erst richtig durch“, sagt er. Denn während seine Tanz-Crew-Mitglieder alle kurz vor dem Abitur stehen, hat er seine berufliche Zukunft ganz auf das Tanzen ausgerichtet. „Bewerb‘ dich doch mal bei Dieter Bohlens ‚Das Supertalent'“, hatten ihm Freunde, die Serdars Ehrgeiz kennen, geraten. Doch Serdar fand diese Idee stets abwegig. „Dieser ganze Stil gefällt mir nicht. Wie die Leute da gezielt runtergeputzt und beleidigt werden – an so einer Sendung will ich mich nicht beteiligen“, reagierte er stets stur.

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