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Die Bildgießerei Noack zieht um

Die Bildgiesserei Noack zieht umDie „Landung des Total-Adlers“ ziert ihre Website und die schrulligen „Gören“ von Jonathan Meese. Er lässt in der Bildgießerei Noack ebenso fertigen wie Pawel Althamer, Stella Hamberg und Anselm Reyle. Monströse Plastiken aus Bronze und Aluminium wachen vor der Tür der Kunstgießerei in Friedenau. Seit über 100 Jahren ist Deutschlands bedeutendste Bronzegießerei dort ansässig. Doch nur noch bis zum Frühjahr. Dann geht’s nach Charlottenburg. Am Spreebord entsteht ein Zentrum für Bildhauerei und Skulptur.
Seit dem Kunstboom prosperiert die Druckerei. „Darum geht es uns so gut, weil wir mit so vielen Galerien zusammenarbeiten“, meint Hermann Noack IV., Jahrgang 1965, der zusammen mit seinem Vater das 112 Jahre alte Familienunternehmen führt. Hier ließen einst Käthe Kollwitz und Ernst Barlach ihre Bronzen gießen, schuf Henry Moore nach dem Kriege seine Großplastiken, zählten Joseph Beuys, Bernhard Heiliger und Heinz Mack ebenso zur Kundschaft wie heute Georg Baselitz und Tony Cragg. Alle pilgerten in die urige Ecke mitten im Wohngebiet in Berlin-Friedenau, wo die Kunstgießerei, in der nicht nur Bronzen entstehen, seit 1899 ansässig ist.
Vor zehn Jahren beschäftigte man noch 27 Mitarbeiter, im Jahr der Krise sind es 35, 50 könnten es am neuen Standort werden. „Das hängt ganz vom Auftrags­volumen ab“, weiß der Seniorchef. Zu Stoßzeiten pa­cken freie Mitarbeiter mit an. Nun also steht die Vergrößerung bevor, denn die Aufträge in den vergangenen Jahren sprengten die Kapazitäten der Werkstatt.
Die Bildgiesserei Noack zieht um13 Meter hoch wird die neue Montagehalle. Groß genug, um den größten Einzel­auftrag der Firmengeschichte zu bewältigen, an dem zurzeit gearbeitet wird. Es ist eine Bullengruppe aus zwölf rundlichen Stieren für die neue Red-Bull-Firmenzentrale in Fuschl am See. Das Opus Magnum des Osttiroler Bildhauers Jos Pirkner hat ein Gewicht von 18 Tonnen und eine Dimension von 20 x 10 x 4,5 Metern. Im Sommer soll das Monstrum fertig sein – die erste Bewährungsprobe in der neuen Heimat unweit vom Charlottenburger Schloss. Die Gießerei wird dann rund 5000 Quadratmeter einnehmen – 100 Jahre lang reichten 1500 Quadratmeter. „Es wird sehr aufwendig gebaut für eine Industrieproduktion“, berichtet Noack jr. Auf insgesamt 10.000 Quadratmetern am Ufer der Spree entsteht der Gebäudekomplex, den Reiner Maria Löneke entworfen hat. Ende November war Richtfest für Teil eins der anspruchsvollen Industriearchitektur. Neben der riesigen Montagehalle kommen bis 2012 Ateliers hinzu, Galerien, Cafй, Skulpturenpark und das Gießereimuseum. 2013 soll das „Skulpturenzentrum Am Spreebord“ komplett sein.
„Es wächst täglich“, erzählt Hermann III. In diesem Frühjahr wird die Produktion beginnen. Am 1. April ist die Eröffnung des neuen Arbeitsquartiers geplant. Wenn später der zweite Bauabschnitt abgeschlossen ist, könnten andere an Bord kommen, Sammler und Galeristen etwa. Hermann Noack IV. denkt speziell an die einschlägigen Galerien, obwohl er gerne betont, dass man nicht nur für den Kunstmarkt tätig sei, sondern auch für Künstler, die anderes im Sinn haben als Kommerz. 50 Prozent der Kunden sind Galerien, 48 Prozent Künstler privat.
„Die Überlegung ist, ob die Galerien, mit denen wir zusammenarbeiten, dort Schauräume einrichten“, berichtet Noack. In der Vergangenheit kamen die Käufer von Meese und Co. aus New York direkt in die Gießerei gestürmt. Künftig könnten sie gleich nach nebenan. Diese Idee befinde sich allerdings noch „in der Entwick­lung“. Erst einmal muss das heiße Gewerbe am neuen Ort seine Arbeit aufnehmen. Den ersten Bau­abschnitt lassen sich die Noacks acht Millionen Euro kosten. Insgesamt wollen sie zwölf Millionen Euro investieren. Das Gewerbegelände, das sie vom Energiedienstleister Vattenfall kauften, befindet sich auf dem früheren Kohlelagerplatz des Kraftwerks Charlottenburg-Nord. Technik in Verbindung mit Kunst lautet nun die Devise.

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