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Graphic Journalism

Die Comic-Reporterin: Sarah Glidden

Die US-Künstlerin Sarah Glidden reiste nach Syrien, Irak und in die Türkei und zeichnete dort Reportagen

Foto: Sarah Glidden/ Reprodukt

Ein Reporter ist der Geschichtenerzähler unserer Tage. Er reist in fremde Länder, begegnet Menschen, versucht ihre Probleme zu verstehen und die komplexen Sachverhalte, in denen sich ihr Leben abspielt. In der Regel schreibt er es auf oder dreht einen Dokumentarfilm. Doch in den letzten Jahren hat sich die Gattung des grafischen Journalismus immer weiter verselbstständigt. Auch die in Boston geborene und in Seattle lebende Künstlerin Sarah Glidden arbeitet in diesem Bereich.

Nach ersten Versuchen mit Malerei und Fotografie entdeckte sie den Comic als ihre wichtigste Ausdrucksform und die Politik wurde ihr Thema. „Ich las immer die Zeitung und mochte Zeichner wie Joe Sacco, den Meister des Graphic Journalism, und wollte herausfinden, wie ich journalistische Themen in Comics umsetzen kann“, sagt sie.

Die Begegnung mit einigen Aktivisten aus dem „Seattle Globalist“-Projekt, einem unabhängigen Journalisten-Netzwerk, prägte sie nachhaltig. Sie reiste 2010 mit einigen Kollegen in den Nahen Osten, in den Irak, nach Syrien und die Türkei. Im Zentrum ihrer Recherchen standen die sozialen Umwälzungen und die Situation der Flüchtlinge. Daraus entstand ihr Band „Im Schatten des Krieges“, der Gliddens gezeichnete Reportagen versammelt. Handgezeichnet und koloriert vermittelt sie subjektiv und mit viel Kenntnis, die Krise in der Region. Die 36-jährige erzählt von Menschen und ihren Schicksalen, aber auch von der Arbeit der Journalisten vor Ort. Damit gelingt ihr eine Mischung aus Comic, politischem Sachbuch und Reisebericht.

„Ich glaube nicht, dass Comics die Welt ändern können, aber ich glaube, Menschen  haben ein Bedürfnis nach Kunst und Geschichten, um das Chaos zu begreifen, das uns umgibt“, sagt Glidden.
Chaos herrscht zurzeit auch in ihrer Heimat und deshalb widmet sie sich in ihren neuesten Arbeiten, hastig gezeichneten und online publizierten Strips, dem neuen US-Präsidenten. „Viele Amerikaner sind von Trumps Sieg geschockt und ich suche nach einem Umgang mit der Situation. Für mich sind das eben Comics.“

Im Schatten des Krieges von Sarah Glidden, Reprodukt, 300 S., 29 €

Buchpremiere: Modern Graphics, Kastanienallee 79, Prenzlauer Berg, Sa 25.2., 18 Uhr

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