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Die Deutsche Guggenheim zeigt Künstlerkollektive

Utopia_MattersAlle Menschen werden Brüder. Dass ausgerechnet in einem Bankgebäude dieser Traum einer utopischen, besseren Gesellschaft gefeiert wird, macht einen stutzig. Seit 1800 malten sich verschiedene Künstlergruppen diese Sehnsucht aus – zumeist in scharfer Abgrenzung von akademischen Konventionen. Was sich politisch nicht realisieren ließ, da das Pro­krus­tesbett der Gesetze oder schlicht die menschliche Rohnatur die zarten Blütenträume im Keim erstickten, gedieh umso heftiger in Ateliers und römischen Schankstuben. Letztlich erhofften sich die Künstler gar von der ästhetischen Erziehung ihrer Mitmenschen eine moralische Wendung. Das Phänomen reicht von den französischen „Primitifs“ und „Barbus“ (Bärtigen) über die deutschen Nazarener und englischen Präraffaeliten bis zu den Avantgarden des De Stijl oder des Bauhauses. Ein reizvolles Thema hat sich die Deutsche Guggenheim ausgesucht für ihre 50. Ausstellung im Sandstein-Palazzo Unter den Linden. Nur hat sie es leider verschenkt, denn ein roter Faden lässt sich partout nicht ent­decken. So hängt dann Franz Pforrs bieder blickender „Graf von Habsburg“ (1809) aus dem Tuschkasten der Nazarener neben einer Pflaumenbaum-Tapete der englischen Arts & Craft-Bewegung (1919). Allzu unverbunden werden die höchst un­terschiedlichen Artefakte präsentiert. Bedarf es zwingend einer Gemeinschaft im Geiste, um umwälzende Kunstprojekte im geschützten Raum auszubrüten? Oder widerspricht nicht der kreative Ausbruchsversuch fundamental dem Corps-Denken? Leider erfährt der Besucher nichts über die Auswahlkriterien der Künstlergemeinschaften.“Bruderschaften“ sind eine diffuse Kategorie. Im Jahre 2010 drängt sich zudem die Frage auf, wie es um weibliche Künstlergruppen bestellt war. Die notorisch gezeigte Teekanne von Marianne Brandt reicht hier als Antwort kaum aus.

Text: Martina Jammers

Foto: Mathias Schormann, Deutsche Guggenheim

tip-Bewertung: Zwiespältig 


Utopia Matters – von Bruderschaften zum Bauhaus. Deutsche Guggenheim, Unter den Linden 13-15, Mitte, Do 10-22 Uhr, Fr-Mi 10-20 Uhr, bis 11.4.

 

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