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Kultur

Die Lieblings-Blogs der tip-Redaktion – Teil 2

Any_Given_Weekend
Jedes verdammte Wochenende
Fußballfans denken das Jahr nicht in Jahres-, sondern in Spielzeiten. Der in Waiblingen bei Stuttgart geborene Berliner Nick Triantafillou kann seiner Leidenschaft Borrussia Dortmund nur aus der Ferne folgen und schreibt darüber seit 2007 mehrmals die Woche in seinem Blog Any Given Weekend, dem täglich zwischen 100 und 200 User folgen. Er fieberte als Kind mit den Bremern, gesellte sich aber dann zu den Gelbschwarzen – aus sehr niedrigen Gründen: dem Hass gegenüber dem ewigen Top-Favoriten Bayern München. Mit den Dort­mundern indes durfte er Höhepunkte wie den Champions-League-Sieg 1997 gegen Juventus Turin feiern, obendrein in München. Allerdings musste Triantafillou nebst Followern auch die Beinahe-Pleite vor einigen Jahren überstehen. Im Blog schreibt er nicht nur über „sein“ Team, sondern auch über aktuelles Fußball­geschehen, wie den Spielfeld-Sturm der Herthaner oder über Themen wie Rassismus und Gewalt.
http://anygivenweekend.wordpress.com

dummyblog
Possierliche Pamphlete
Das „Dummy“ Magazin verehren allerhand Menschen als publizistisches und Mediendesign-Wunder. Wunder gibt es zwar immer wieder, aber „Dummy“ eben nur einmal im Quartal. Als kurzweiliges Inter­mezzo empfiehlt sich der Blick auf den hauseigenen Dummy-Blog. Dort lässt in erster Linie „Dummy“-Herausgeber Oliver Gehrs, auch bekannt als Verfasser der tip-Kolumne Crash-Test, seinen Gedanken freien Lauf. So seziert er in seinem Internet-Tagebuch, was der Kiosk zu bieten hat. Zum erhellenden Lesespaß wird die Teilhabe an diesen possierlichen Pamphleten, indem sich Gehrs gerne an den großen Nummern abarbeitet und nicht nur Magazine wie „Beef!“ oder „Landlust“ ihr Fett wegbekommen, sondern auch die Speerspitzen des deutschen Qualitätsjournalismus von „SZ“-Magazin über „Zeit“-Magazin bis
zum „Spiegel“ zittern müssen.
http://blog.dummy-magazin.de

stilinberlin
Modische Menschen
Durch die Kameralinse sehen Mary Scherpe und Dario Natale, wer durch seine optische Erscheinung zum abwechslungsreichen Bild Berlins beiträgt. Ihre ungewöhnlichen, gesammelten Fashion-Fotos zeigen sie auf ihrem Blog Stil in Berlin, auf dem man aber auch Stil in Stockholm oder Menschen auf der Fashion Week bestaunen kann. Zwar ist Streetstyle das Thema des Blogs, dennoch werden auch modeaffine Menschen in ihren Wohnungen abgelichtet. Letzten Dezember brachten Mary und Dario außerdem ihr ers­tes „Stil in Berlin“ Magazin als Printversion heraus – mit exklusiven Street­-style-Fotos sowie Tipps zu Berliner Vintageläden. Die modische Vielfalt, die auf „Stil in Berlin“ festgehalten wird, und die wechselnden Orte des Geschehens zeichnen den Blog aus, welcher fast ausschließlich von seinen Bildern lebt und mit der internationalen A-Liste der Mode­blogs, etwa mit The Sartorialist und Facehunter mithalten kann.
http://stilinberlin.blogspot.com

newfilmkritik
Rückwärtslaufende Trailer
„Berliner Schule“ auch im Netz: Auf newfilmkritik.de, einer Hommage an die legendäre Zeitschrift „filmkritik“, präsentieren Publizisten, Filme­macher und Kinoforscher wie Volker Pantenburg, Peter Nau oder Rainer Knepperges Fund­stücke, bewerben Kleinode, denken über das Kino nach. Aktuell findet man hier einen Hinweis auf Kracauers „Straßen in Berlin und anderswo“ oder Links auf den hochbeschleunigten, rück­wärtslaufenden Trailer von Godards kommendem Film „Socialisme“. Im Archiv kann man sich unter anderem von Michael Bautes Fotogramm zu Henry Kings „Love Is a Many– Splendored Thing“ betören lassen.
http://newfilmkritik.de

nerdcore
Höchst hauptstadtrelevant
„Nerdcore“ ist ungefähr so viel Berlin, wie Internet (noch) Amerika ist. Zwar trägt der Betreiber und Wahlberliner Renй Walter nicht ausschließlich Berliner Themen zusammen. Dennoch versammelt sein angeblich drittgrößter deutscher Blog viele hauptstadtrele­vante Aspekte, vom „Carrotmob“ in Kreuzberg bis zur Street-Art-Perfor­mance. Der Designer und Program­mierer sammelt und aktualisiert mehrmals täglich einen bunten Strauß an Themen. Wer über die Star Wars-, Zombie- und Comic-Schrullen hinwegsieht, findet interessante Beiträge zu Kunst, Musik und (Internet-)Politik.
www.nerdcore.de

ichwerdeeinberliner
Ethnologische Studien
Dazugehören ist bekanntlich alles. Doch wer sich in Berlins Hipster-Szene einreihen möchte, hat es schwer. Ungeschriebene, dafür
aber umso gnadenlosere Gesetze, so hat es ein englischsprechender Hauptstädter mit dem Pseudonym Wash Echte [sic.] herausgefunden, erweisen sich als hohe Hürde. Welche Frisuren man tragen, welche Softdrinks trinken, Fernseh­sendungen gucken oder in welchen Lebens­mittelläden man einkaufen darf, wenn man zu den Insidern zählen möchte, erläutert er mit schöner Ironie und geradezu
ethnologischer Beobachtungsgabe in seinem Blog www.ichwerde­einberliner.com.
www.ichwerdeeinberliner.com

iheartberlin
Berlin in unserer Mitte
Die „I Love Berlin“-Blogger sind ganz offensichtlich viel unterwegs und scheinen einen guten Riecher für Partys, Filme und Ausstellungen zu haben, die auch routinierten Großstädtern durch die Lappen gehen könnten. Einen besonderen Service dürften die Zugezogenen schätzen: Die Website ist auf Deutsch wie auf englisch abrufbar. Zwar lässt einen manchmal das Gefühl nicht los, dass die Autoren mit den neugierigen Augen eines Neu-Berliners, Bald-Berliners oder auch Im-Herzen-Berliners unterwegs sind und sich ganz Mitte-like gerne auch mal selber feiern. Immerhin aber geben sie mit ihrem Geschmack klar die Richtung vor.
http://www.iheartberlin.de

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