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2. Mai

„Die Reichen sollten für uns zahlen“ – Die Demonstration „Wir haben Zeit“

Internationaler Kampf- und Feiertag der Arbeitslosen: Am 2. Mai ist auch Demo-Tag. Motto: „Wir haben Zeit!“ Jürgen Witte, Robert Weber und Andreas ­Jeromin über die AfD als ABM-Maßnahme, sinnlose Produkte und ihre kleinste Demo Berlins

Jürgen Witte (links) und Robert Weber sind Lesebühnenautoren bei den Surfpoeten. Andreas Jeromin ist bei der Partei „Die Partei“, wollte aber trotzdem nicht aufs Foto – weil er seinen Parteianzug nicht anhatte, wie er sagt

tip Was steckt hinter dem von Ihnen organisierten Tag der Arbeitslosen?
Andreas Jeromin (Jero) Es geht um Ethik. Durch das Gedicht des Surfpoeten Michael Stein „Gebet gegen die Arbeit“ entstand die Demo. Es gibt Maschinen, die für uns arbeiten können. Warum müssen wir das machen?
Jürgen Witte Auch Frauen werden dazu gezwungen, zu arbeiten. Die meisten Frauen waren in den 50-ern zufrieden, nicht arbeiten zu müssen. Die hatten einen moralischen Vorsprung, den sie einbüßten, teilweise selbstverschuldet.

tip Aha. Und wie seid ihr organisiert?
Robert Weber Wir richten uns an alle, die gegen die bestehenden Verhältnisse sind. Leute von Pegida oder der AfD wird man aber nicht antreffen.
Andreas Jeromin (Jero) Wobei die AfD ja auch eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme ist.

tip Wird eine Gesellschaft ohne Arbeitende nicht zusammenbrechen?
Jürgen Witte Dazu ist ein kompletter Gesellschaftswandel notwendig. Das bedingungslose Grundeinkommen ist nur eine Annäherung. Deshalb unsere Forderung: Wir wollen eine Gesellschaft, in der jeder die Arbeit machen kann, die er machen will.

tip Vieleicht sollten wir Geld ganz abschaffen?
Jürgen Witte Geld als Steuerungsinstrument ist schon gut.
Robert Weber Beim Raumschiff Enterprise funktioniert’s doch ohne Geld!

tip Sie protestieren auch gegen „sinnlose Produkte“. Was ist das?
Andreas Jeromin (Jero) Die wichtigsten Produkte können vollautomatisch produziert werden. (…) Steinplatten zum Beispiel: in China wie im Gulag produziert. In sozialistischen Ländern ist Arbeit viel schlimmer als hier.

tip Was würden Sie machen, wenn es das bedingungslose Grundeinkommen gäbe?
Robert Weber Was ich jetzt tue, nur ohne Existenzängste. Ich wüsste aber nicht, wie das finanziert werden sollte. Der Bundeshaushalt hat nicht genug Geld für alle.
Andreas Jeromin (Jero) Robert, du weißt doch uns ist das egal. Die Reichen sollen uns den Lebensunterhalt bezahlen.
Jürgen Witte Dass nur die Reichen leben können, wie sie wollen, ist undemokratisch.

tip Juckt es denn zum Beispiel Zeitarbeitsfirmen, dass Sie auf die Straße gehen?
Robert Weber Ne. Diese Demo, die wird gar nichts bewirken. Sie ist für uns.
Andreas Jeromin (Jero) Wir sind die kleinste Demo in Berlin, die ist sehr beliebt.

tip Können Sie sich Berufe vorstellen, die sinnvoll sind, aber nicht existieren?
Andreas Jeromin (Jero) Es gibt viele neue Leute in der Stadt, um die sich niemand kümmert. Deswegen die ganzen Probleme. Die brauchen Anlaufpunkte.

tip Die Demo gibt es seit 2004. Was ist das Eigenartigste, was bisher dabei passierte?
Jürgen Witte Bei der ersten mussten wir auf dem Bürgersteig laufen.
Andreas Jeromin (Jero) Und einmal brauchten wir Leute zum Autoschieben. Da tat sich eine innere Gruppe gegen den „Arbeitszwang zum Autoschieben“ zusammen. Die Antifa schob dann. Die waren da, um was in den Lauti zu sagen, und schob mich als fetten Mann mit dem Auto durch Berlin. Fand ich geil. (lacht)

tip Was war sonst noch besonders dabei?
Robert Weber Eine Zeit lang konnten wir damit prahlen: „Schon wieder sind die Arbeitslosenzahlen gestiegen, weil wir ein morphisches Feld erzeugten!“

Demonstration „Wir haben Zeit“ Start: Senefelder Platz, Prenzlauer Berg, Di 2.5., 13 Uhr

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