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Die Spree – Ein Berliner Fluss

Die Spree - Ein Berliner Fluss

In der Spree baden? Das kann man auch. Im Müggelsee fließt Spreewasser. Aber es soll natürlich Flussbaden vorm Pergamon­museum sein. Berlin will gern alles.  Der Fluss bietet viel. Auch Visionen. Er ist nützlich für die ­Binnenschiffe und schön im Sonnenuntergang, Clubland in der Rummelsburger Bucht und Erholungsgebiet in Köpenick.
„Die Spree“, sagt Bootsführer Kirk Schoormann vom M.S. Schiffs­kontor, „ist ja eigentlich ein ­Geschenk für Berlin.“  Allerdings eines, um das mit immer wachsender Intensität gerangelt wird – es geht um Nutzungsrechte, Uferflächen, Ökologie, Behördenzuständigkeiten, Gedenkstätten, Bauprojekte und die letzten alternativen Freiflächen – also eigentlich um alles, was Berlin an Auseinandersetzungspotenzial zu bieten hat.
Dabei ist die Spree von Schoormanns Hausbootbüro auf der Halbinsel Stralau aus gesehen sogar ein ziemlich großzügig ausgefallenes Geschenk, das mehr nach Entspannung und Platz für alle als nach Stress und Streit aussieht. Hier an der Rummelsburger Bucht bekommt die in Mitte zusammengezurrte und extensiv befahrene Spree nämlich auf einmal Weite, Horizont und grüne Uferflächen, an denen entlang Ausflugsboote wie die historischen Schiffe von Schoormanns Kontor ganz friedlich entlangtuckern. Wegen ihrer sanften Natur ist die Spree aber nicht nur schiffbar, sie wäre, rein theoretisch, auch beschwimmbar. Dass sie das in Berlin, bis auf den Müggelsee (und den Wannsee, in dem das verdünnte Spreewasser als Havel ankommt), nicht ist, liegt daran, dass das Wasser teilweise eine „Qualität hat wie in Kanälen in Kambodscha„, wie Ingenieur und Landschaftsarchitekt Ralf Steeg sagt. In manchen Sommern rauscht bei starkem Regen bis zu 30 Mal Abwasser aus der überlasteten Berliner Kanalisation in den Fluss. Ingenieur Steeg hat mit der TU einen Ponton-Prototyp entwickelt und 2012 am Osthafen installiert, indem dieses Dreckwasser direkt an der Austrittsstelle aufgenommen, zwischengespeichert und später in die Kanalisation zurückgeführt wird.
400 Tanklasterladungen Dreckwasser würden der Spree so jährlich erspart, sagt Steeg, dem es selbst allerdings nicht erspart blieb, sich mit den Institutionen entlang der Spree in einem permanenten Kleinkrieg wiederzufinden –  mit der landeseigenen Hafengesellschaft BEHALA ebenso wie mit Bezirken und Wasserbetrieben, mit denen er sich „zuletzt um jeden Gullydeckel“ stritt. Dennoch versucht Steeg zurzeit eine zweite Anlage im Osthafen zu realisieren, „obwohl mir mehrfach bestätigt wurde, dass sauberes Spreewasser keine Priorität hat in der Berliner Politik“.    
Die Spree ist eben auch  Projektionsfläche für Visionen, für Steegs Pontons ebenso wie für die Idee einer Flussbadeanstalt vor dem Pergamonmuseum. Die Brachen an ihrem Ufer  sind Ideenland, das hat der erbitterte Streit um Mediaspree gezeigt. Die Clubs sind in die Rummelsburger Bucht gezogen oder weiter den Fluss rauf, nach Oberschöneweide. Dort, wo die Künstler aus alten Industriehallen Ateliers machen. Und wo auch schon wieder die Ersten verdrängt werden. Weiter nach Osten geht es kaum, denn dann kommt der Müggelsee. Danach der Spreewald.
Warum, so fragt man sich, hat es eigentlich so lange gedauert, bis Berlin sich wieder auf seinen Fluss besonnen hat. Wo im Mittelalter bei der Gründung von Berlin und Cölln alles begann. Vielleicht lag es daran, dass die Spree so lange West und Ost trennte, eine unüberwindbare Grenze war, Menschen auf der Flucht ertranken. Das ist jetzt Geschichte. Wir besteigen ein Schlauchboot und fühlen uns frei auf dem Fluss – nur reinfallen sollte man nicht zu oft.

Text: Iris Braun

Foto: Kai von Kotze

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