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Die Spree: Ein Erholungsparadies

Erholungsspree

Dort, wo schon Gerhart Hauptmann Zuflucht vor der tobenden Weltstadt Berlin suchte und Inspiration für seinen „Hauptmann“ fand, in Köpenick, erstreckt sich heute ein  Naherholungsgebiet, in dem sich fast jeder als Freizeit-Kapitän versuchen kann. Hier, zwischen Alt-Köpenick und dem „Künstlerdorf“ Friedrichshagen, fließt die Müggelspree in den Müggelsee und führt zu den Kanälen von Neu Venedig.
Im Gegensatz zum Wannsee braucht man hier bis hin zur westlichen Begrenzung der Oberbaumbrücke für ein Boot mit einer Länge von weniger als 15 Metern und einer Motorleistung bis 15 PS keinen Sportboot-Führerschein. Ein florierendes Geschäft für Bootsverleihe. Aber neben Kajaks, Segel-, Ruder- und Motorbooten ist damit die Fahrt auch frei für alternative Fahrzeugarten, wie selbst gebaute Floße – solange sie die Kriterien des Fahrzeugstatus (genügend Umsicht, Steuer- und Manövrierfähigkeit, Motorenleistung von mehr als 3 PS) erfüllen und damit bei der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung Berlin zugelassen sind. Diese allerdings sieht die zunehmende alternative Freizeit-Schifffahrt eher skeptisch, denn letztlich ist ein Floß im strengen Sinne mehr Schwimmkörper als Fahrzeug.
Die Beschränkung der Freitzeitschifffahrt zeigt sich da­rin, dass selbst Freizeitskipper mit Sportbootführerschein in der Innenspree zwischen Bundeskanzleramt und Oberbaumbrücke nicht mehr fahren dürfen, obwohl es eigentlich erlaubt wäre – doch hier gilt eine Sonderregelung aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens. Wer hier durchwill, braucht mittlerweile einen Funkschein.
Generell ist die Frage, wer wann und wo auf dem Wasser fahren darf, in Berlin höchst umstritten. Auch gewerbliche Charterunternehmen von Solarbooten oder historischen Schiffen sind immer wieder von Einschränkungen wie der neuen Sportbootverordnung bedroht, die ihnen faktisch die Existenzgrundlage entzieht. Denn statt dass die Betreiber den benötigten Bootsführer stellen dürfen, sollen die Kunden ihren eigenen Kapitän mitbringen. Zusammengeschlossen als „Bunte Flotte“ konnten die Vercharterer um Kirk Schoormann vom MS Schiffskontor immerhin erreichen, dass die Verordnung bis 2015 vorerst ausgesetzt wird: „Die großen Reedereien mit ihren schwimmenden Autobahnraststätten brauchen halt viel Platz, aber es ist nicht einzusehen, warum ausgerechnet wir mit unseren liebevoll restaurierten Booten vertrieben werden sollen.“

Text: Lea-Maria Brinkschulte

Foto: Arto/Fotolia.com

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