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Apple-Produkte liegen auch bei Dieben hoch im Trend

Mac„Mein ganzes Leben war plötzlich weg“, sagt Tamara J.* Die Fotos vom letzten Urlaub, die Dateien für das Projekt, an dem sie seit Wochen arbeitete, und all die Musik, die sie schon längst auf ihren iPod schieben wollte. Während eines Wochenendausflugs hat sie erfahren, dass nach dem Verlassen der Wohnung bei ihr eingebrochen wurde. Computer, Handys, Festplatten – nach wertvollem Schmuck sucht der moderne Einbrecher schon lange nicht mehr. Vor allem die Produkte des Computerherstellers Apple scheinen beliebt, denn Käufer finden sich dafür schnell. Wer die richtigen Leute kennt, kann seinen Wunschrechner fast mit allen Ausstattungsdetails „bestellen“. Das neueste, größte Apple-Notebook gibt es etwa 1200 Euro billiger als beim offiziellen Händler und das sogar „sauber“, das heißt aus einem Laden gestohlen, ohne darauf enthaltener Dateien vom eigentlichen Besitzer und angeblich nicht zu überführen – außer über die Seriennummer, wenn sie denn als gestohlen gemeldet wurde. Manchmal bekommt man den Rechner zwar ohne Ladekabel, manchmal aber sogar im Originalkarton. Da ist es schwer zu widerstehen, auch wenn man sich damit strafbar macht.


Fast täglich bekommt H. eine SMS mit den neuesten Hehlerangeboten, die er dann an seine Freunde weitergibt. Er arbeitet Vollzeit in einem normalen Beruf und ist selbst das letzte Glied in der Kette. Er kennt die „Jungs“, wie er sagt, von früher. Mittlerweile hat er eine Warteliste: Ein iPod soll es sein oder das MacbookPro, aber bitte nicht mit dem großen Bildschirm. Auf Bestellung klauen seine Jungs nicht mehr. Das lohne sich nicht sonderlich, da das Risiko zu hoch sei. Genauso wenig wie MP3-Player, da sei die Gewinnspanne einfach zu niedrig. Sie bevorzugen Büros, Filmstudios oder Messen wie die IFA, wo gleich größere Mengen an Geräten warten. Skrupel hat H. nicht. Auch nicht, wenn man ihm die Geschichte von dem verlorenen Leben und den verlorenen Daten erzählt. „Man muss halt einen Back-up auf einer externen Festplatte machen“, das raten die meisten.

Das hat sich auch Antje W.* gedacht, als in ihr Auto eingebrochen wurde. Sie glaubt, man habe sie beobachtet, als sie ihre Tasche, in der der Mac steckte, im Kofferraum verstaute. Ein paar Monate nach dem Vorfall bekam sie einen Anruf von der Polizei, ihr Notebook sei bei Gravis, einem Apple-Fachhändler, aufgetaucht. Der ahnungslose Familienvater, der den Computer bei Ebay ersteigerte, wollte ihn reparieren lassen. Dass dabei die Seriennummer gecheckt wird, ist aber eher unüblich, erzählt eine Sprecherin von Gravis. Bei jeder Reparatur werde zwar die Nummer notiert, aber es gebe keine Möglichkeit, diese mit der Datenbank der Polizei abzugleichen. Es sei denn, man hat sich vorher mit Name und Nummer bei Apple registrieren lassen. Antje W. hatte Glück und bekam ihren Laptop zurück – natürlich ohne Daten – und erfuhr von einem Polizeibeamten, dass die Diebe manchmal so ausgefuchst seien, dass sie als Praktikanten getarnte Auskundschafter in die Agenturen schicken würden, um bei einem fingierten Vorstellungsgespräch Details zur Beschaffenheit des Büros auszuspionieren. Die Pressestelle der Berliner Polizei will das nicht bestätigen. Weder wisse man von spezialisierten Banden noch gebe es in der Kriminalitätsstatistik gesonderte Zahlen über Computerhehlerei oder Diebstähle. 7146 Fälle von Diebstahl in oder aus Büroräumen gab es 2007, die Zahl ist rückläufig im Gegensatz zu Diebstählen in oder aus Wohnungen, wo im letzten Jahr 6933 Fälle gezählt wurden. Was dabei gestohlen wurde, taucht aber nicht in der Statistik auf.


MacFast jeder hat in seinem Bekanntenkreis ein Opfer von Hardware-Diebstahl. „Vielleicht ist das die moderne Umverteilung“, sagt Tamara J. etwas ironisch, „die ausgebeuteten Praktikanten können sich so die schicken Macs aus den Agenturen leisten.“ Obwohl die Polizei sich auch bei ihr meldete, hat sie ihr Notebook noch nicht zurück. Man habe es zusammen mit einem anderen Macintosh-Rechner in der Tasche eines Passanten gefunden. Bei ihm zu Hause fanden die Beamten dann noch mehr. Die Polizei gab zwar den Namen des mutmaßlichen Diebes an sie heraus, ihr Computer aber liegt seit über drei Wochen beim Landeskriminalamt. Natürlich hat sie schon längst einen neuen. Wieder geleast. Obwohl sie auch bei H. hätte kaufen können. Ganz bequem, am morgen abholen, den Tag über ausprobieren und bei Gefallen am Abend bezahlen. „Nein, das bring ich nicht übers Herz“, sagt sie, „ich weiß ja, wie sich das anfühlt.“

Text: Laura Ewert

* Name von der Redaktion geändert

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