• Kultur
  • DMY – International ­Design Festival und die Berlin Design Night

Kultur

DMY – International ­Design Festival und die Berlin Design Night

DMY – International ­Design Festival und die Berlin Design Night

Auf so eine Idee muss man erst mal kommen: eine Verpackung aus menschlichen Hautzellen, die durch Altersflecken anzeigt, dass das Produkt darin schlecht geworden ist. Der Berliner Valerian Blos entwickelt solche Prototypen für den Einsatz synthetischer Haut als Verpackungsmaterial. Das ist Design der Zukunft von einem Designer der Zukunft. Auf dem diesjährigen DMY – International Design Festival präsentieren nämlich neben etablierten nationalen und internationalen Produkt- und Industrie­designern vor allem junge Talente ihre Arbeiten und Ideen. Ein großes gemeinsames Brainstorming also. Treffpunkt dieser Werkschau ist in diesem Jahr das Kraftwerk Mitte. Neben wild-­experimentellen Gedankenspielen zeigen die Beiträge aber auch ganz klassisches Produkt­design – etwa die schwarze Keramik der Portugiesin Sara de Campos, die sie mit einer jahrhunderte­alten Brenntechnik herstellt.
„Back to the Future“ heißt das Motto der 13. Ausgabe. „Für uns bedeutet das: zurück zu den Wurzeln der Nachwuchs­förderung“, sagt Fabian Burns von about:design, die die die Schau ausrichten. Das Festival hat vor zwölf Jahren als Nachwuchs­veranstaltung begonnen – DMY stand für „DesignMaiYoungsters“. „Darauf wollen wir uns in diesem Jahr wieder besinnen.“ Unter 186 Nachwuchsdesignern wurden 25 kostenfreie Ausstellungsplätze vergeben.
Überhaupt, an Ideen mangelt es der Berliner Design-Szene nicht. Fabian Burns hält die wachsende Internationalisierung für einen der Hauptmotoren. „Spanische Studenten, junge italienische Designer – sie kommen alle nach Berlin, bringen neue Impulse und verändern das Design der Stadt.“ Den Eindruck, dass das Tempo in den letzten Jahren abgenommen hat, habe er nicht. Vielmehr sieht er in der Unaufgeregtheit ein Indiz für eine fortschreitende Professionalisierung der Branche. Dass es mittlerweile Firmen wie minimum gebe, die Berliner Designer professionell vertreten, spreche dafür, dass es gut läuft.

DMY – International ­Design Festival und die Berlin Design Night

Und doch: Der Reiz Berlins liegt noch immer in seiner Rolle als buntes Experimentierfeld. Die vergleichsweise niedrigen Lebenshaltungskosten senken die Einstiegshürden und das Risiko für Berufsanfänger und Unternehmensgründungen. Man kann sich lange ausprobieren und in künstlerischen Nischen verharren, ohne ökonomischen Druck. In dieser Stärke des Standorts Berlin sieht Moritz Grund, Mitorganisator der Nachtschicht – Berlin Design Night aber auch eine Gefahr. Berlin sei ein experimentierfreudiger Möglichkeitsraum, wirtschaftlich aber nicht so attraktiv. „Auf den Design-Messen findet man so gut wie keine Einkäufer großer Marken“, sagt er.
Die von Create Berlin organisierte Nachtschicht – Berlin Design Night gehe daher bewusst den entgegen­gesetzten Weg. Statt der Produkte stehen hier die Macher im Mittelpunkt. Einen Abend lang können die Besucher bei Designstudios, Agenturen, Architekturbüros, Verlagen, Showrooms und Werkstätten hinter die Kulissen gucken. 94 kleine und große Berliner Unternehmen nehmen in diesem Jahr teil. „Die Macher laden zu sich „nach Hause“ ein und zeigen, was das Arbeiten in Berlin so attraktiv und den Standort so einzig­artig macht“, sagt Grund. Betrachtet man die Vielfalt der sich präsentierenden Firmen, wird klar, dass sich auch der Design-Begriff gewandelt hat. „Es geht längst nicht nur um Stühle, Taschen und Lampen“, sagt er. Beim Start-up-Boom der vergangenen Jahre sind vor allem digitale Bereiche wie App-Entwicklung, E-Commerce und Grafikdesign aufgeblüht.

Text: Andrea Hahn

Fotos: Thomas Saelzle, formfreu.de/ Steve Bergmann

DMY – International Design Festival  Über 500 nationale und internationale Designer und rund 15 Universitäten stellen ihre Produkte und Prototypen vor. 11.–14. Juni, 11. Juni 11–18 Uhr für Fachbesucher, ab 18 Uhr Grand Opening Night (öffentlich) Kraftwerk Berlin, Köpenicker Straße 70, Mitte.

Weitere Informationen und Adressen unter www.dmy2015.com

Nachtschicht – Berlin Design Night
Fr 12. Juni, 19–24 Uhr, diverse Orte im ganzen Stadtgebiet, Eröffnungsveranstaltung: 19 Uhr im Bikini Berlin Rund 94 Akteure der Berliner Kreativ­wirtschaft laden in ihre Studios, Ateliers, Showrooms und Werkstätten. Es steht ein Shuttleservice zur Verfügung www.create-berlin.de

Auch wir machen eine Nachtschicht: Wer immer schon wissen wollte, wie der tip entsteht, sollte am 12. Juni zwischen 19 und 24 Uhr in unsere Kreuzberger Redaktionsräume kommen. Die Besucher können gemeinsam mit Musikredakteur Hagen Liebing die Heftplanung durchspielen und der Redaktion und dem Layout über die Schulter schauen.

Raufeld Medien
Paul-Lincke-Ufer 42/43, Kreuzberg, 2. Hinterhof, 1. Stock

Mehr über Cookies erfahren