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„Doppel-?Sex-Lilien“ von Stefan Hochgesand

Bei all dem Tumult um Roland Emmerichs „Stonewall“-Film ?könnte man sich fragen: Wäre es nicht besser gewesen, der Spezialist für teures Effekt-Kino mit Außerirdischen hätte sich nicht des amerikanischen Gay Rights Movements angenommen (dessen Farbigkeit er weißwäscht), sondern eines sowieso weißen europäischen Jungen, der sich für Schwulenrechte starkmachte? Man würde auch schnell fündig: Magnus Hirschfeld, Begründer der ersten Homosexuellenrechtsbewegung der Welt – die aus Berlin kommt, nicht aus New York.
Ein bisschen Berlin Queer Pride können wir ab nächstem Jahr am Magnus-Hirschfeld-Ufer feiern, wo ein Denkmal gebaut wird. Im HKW waren die fünf Entwürfe ausgestellt, die im Umfeld der UdK erarbeitet wurden. Die Jury entschied sich für ein Skulpturen-Ensemble aus übermenschlich großen Calla-Lilien in sechs Regenbogenfarben. Da diese Blüten auf einem Pflanzenpaar zugleich männlich und weiblich sind, stehen sie für komplexere sexuelle Identität. Ein durchaus schöner Gedanke. Leider hat sich die Jury damit gegen vier Entwürfe entschieden, die Passanten zur körperlichen Aktion bewegt hätten: eine Zwischenstufen-Treppe (zum Besteigen), ein Schilder-Gerüst (zum Anheften), eine Spektral-Laterne (zum Anleuchtenlassen) und Metallstreifen (zum Abkratzen schwarzer Farbe). Aber sei es drum: Die Lilien werden ein echter Hingucker. Und darum geht es doch auch: Sichtbarkeit.

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