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Kommentar

„Drohkulisse“ von Erik Heier

Eine Berliner Bundesverdienstkreuzträgerin bekommt übelste Morddrohungen, ihre neue Reform-Moschee wird von der türkischen Religionsbehörde mit der angeblich faschistischen Gülen-Bewegung gleichgesetzt, die oberste ägyptische Fatwa-Behörde verurteilt sie mit scharfen Worten

Erik Heier

Und der Senat sagt dazu – tagelang nichts. Keinerlei Reaktion zur Hetzjagd auf eine Frau, deren Ansichten man nicht mögen muss, um sie gegen dieses Wüten derer zu verteidigen, die jegliche Islamreform mit Islamhass oder gar Faschismus gleichsetzen. Es ist zwar schwer vorstellbar, dass Seyran Ateş, die der tip in der vergangenen Ausgabe kurz vor der Eröffnung der Ibn-Rushd-Goethe-Moschee zum Interview traf, tatsächlich geglaubt hatte, sie könne mit ihrem kleinen Moscheeprojekt quasi unter dem Radar der konservativen islamischen Organisationen loslegen und Frauen und Männer gemeinsam beten lassen. Aber mit dieser Heftigkeit hatte sie doch nicht gerechnet. Die Nerven liegen blank. Ein Gesellschafter der Moschee zog sich bereits mit der bizarren Erklärung zurück, er habe unter Ateş’ Mitstreitern nur Beweise für den „neuen antimuslimischen Faschismus“ sammeln wollen. Am vergangenen Freitag dann gab der Senat doch eine Erklärung des Regierenden Bürgermeisters heraus. Michael Müller unterstütze das Vorhaben von Seyran Ateş ausdrücklich. Das war gut drei Stunden, nachdem der tip in der Senatskanzlei nachgefragt hatte, weshalb es bislang keine offizielle Äußerung zu der Drohkulisse gegen Ateş gegeben habe. Vielleicht war es ein zeitlicher Zufall. Auf jeden Fall: höchste Zeit.

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