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Du bist Berlin: Hagen Bogdanski – Der Profi

BogdanskiEin Cafй in Friedenau, an einem der ersten sonnigen Frühlingstage in diesem Jahr, so einem, wo ganz Berlin gute Laune zu haben scheint. In Los Angeles scheine natürlich immer die Sonne, und auch sonst gebe es für Filmschaffende viele Gründe dahin zu gehen, Amerika sei nun mal das Traumland des Films. Sagt Hagen Bogdanski, der so aussieht, als sei er überall und in allen Wetter-lagen zu guter Laune fähig. Er wirkt unkompliziert, zuvorkommend, höflich und voller Energie — alles Eigenschafen, die ihm in der knallharten, oberflächlichen Welt Hollywoods sicher zugute kommen. In der Tat ist der Berliner der erste deutsche Kameramann seit Jahren, der in Hollywood Fuß fasst. Er hat für Paramount „Case 39“ mit dem deutschen Regisseur Christian Alvart gedreht und vor kurzem in New York unter der Regie von Jodie Foster die Dreharbeiten zu „The Beaver“ abgeschlossen.
Dazwischen arbeitete er in England an der internationalen Großproduktion „The Young Victoria“, ein überaus ästhetischer Kostümfilm, der in Deutschland jetzt in die Kinos kommt. Für Kameramänner ein Film mit lauter „tollen und schwierigen Motiven“. Kostümfilme seien sozusagen die Königsdisziplin in seinem Fach: „Natürlich ist es das, was man sich als Kind vorstellt. Da wollte ich Filme machen, wo Kutschen und Pferde, am besten Indianer mitspielen. Jetzt war’s halt nichts mit ?Indianern, aber immerhin gab es eine englische Königin.“
Bogdanski ist 1965 in Berlin-Tempelhof geboren, er hat an der Berliner Hochschule für Fotografie studiert, arbeitete danach zunächst als Kameraassistent, bald auch als Kameramann. Berlin ist weiterhin seine Heimat, auch wenn man „als Kameramann überall dreht.“ Seine Familie hat ihn immer begleitet, aber eigentlich sei der Beruf extrem familienfeindlich: „Du gehst sozusagen auf Tournee — und dann musst du froh sein, wenn du zwischen zwei Touren ein bisschen frei hast.“ Inzwischen stehen seine Kinder kurz vor der Einschulung, da wird das Nomadenleben komplizierter. Bogdanski überlegt, nach Los Angeles zu ziehen — die amerikanische Filmszene ist trotz Finanzkrise reizvoll. Andererseits ist er dem deutschen Film sehr verbunden, mit Filmen wie Oskar Roehlers „Der alte Affe Angst“ (2003) ist er bekannt geworden — und mit dem erfolgreichen „Das Leben der Anderen“ (2006). Zwischen seinen internationalen Projekten arbeitet er weiter in Deutschland. Mit Kai Wessel hat er zuletzt „Hilde“ gedreht, für den er dieses Jahr für den Deutschen Filmpreis, die „Lola“, nominiert ist. BogdanskiBogdanski strahlt die Entspanntheit von jemandem aus, dem alles leichtfällt, was er anfasst, und dem das meiste gelingt. Eine Mischung vielleicht aus einem glücklichen Temperament, der Erfahrung des Erfolgs — und der eingefleischten Gewohnheit des Freischaffenden, der jederzeit seine Auftraggeber überzeugen muss, dass er das hinkriegt. Seine Möglichkeiten, in Amerika arbeiten zu können, findet er erst auf Nachfrage bemerkenswert: „Für mich war es nie ein Problem. Ich mag Amerika und ich komme mit den Leuten sehr gut hin, ich sehe, dass mit großer Hingabe und Liebe an den Filmprojekten gearbeitet wird.“ Man müsse halt genügend Englisch können.
Und ein bisschen Glück haben. Es klingt alles sehr leicht. Ganz so war es nicht immer: Bogdanski gibt zu, dass es in seiner Karriere Phasen gab, die schwierig waren, vor allem zu Beginn. Da brauchte es Geduld, wenn man auf Aufträge wartete — „aber die hast du natürlich nicht, mit fünfundzwanzig.“ In letzter Zeit aber liefe wirklich alles hervorragend. Die Unsicherheit des Freischaffenden allerdings, der nach dem letzten Auftrag nicht weiß, was als nächstes kommt, die bleibt. „Das ist das Schwierige an diesem Beruf, das muss man können. Wer das nicht aushält, der muss was anderes machen.“

Text: Catherine Newmark

Fotos: Davis von Becker

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