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Edward Bonds Schock-Klassiker „Gerettet“ an der Schaubühne

GerettetAls Edward Bonds „Gerettet“ Mitte der 60er Jahre Premiere hatte, entsetzte sich die Lon­doner „Times“ ob der Gewaltsze­nen über die „systematische Degradierung der Spezies Mensch“. Nun hat die Spezies seither nicht viel dafür getan, ihren guten Ruf wiederherzustellen, aber die Schmerzempfindlichkeit angesichts bühnenwirksamer Verletzungen der Körper und Gefühle hat doch deutlich abgenommen.
Regisseur Benedict Andrews, der das in Ehren gealterte Schock­stück jetzt in der Schaubühne neu auflegt hat, tat gut da­ran, keinen Hardcore-Naturalismus zu inszenieren. Er vermeidet es auch, das Drama aus dem Südlondoner Proll-Milieu als brandaktuelle Prekariatsschnulze aus der Neuköllner Nachbarschaft zu aktualisieren. Stattdessen lässt er die durchaus lakonischen Dialoge Bonds in hohem Tempo und lapidarem Ton abspulen – was die Emotionalität des Geschehens bewusst überfährt und einem die grassierende Lieblosigkeit als selbstverständliches Programm neben der Glotze vorführt, mal trostlos, mal albern. „Gerettet“ erzählt vom jungen Len, den Stefan Stern mit großartigem Loser-Trotz unter fettigem Haar spielt, wie eine Figur aus einem Film der Brüder Dardenne. Len landet auf der Couch mit Pam (Marie Rosa Tietjen), aber schon einen Strumpfhosen-Strip später hat das Verhältnis der beiden jenen Gefrierpunkt restloser Verachtung erreicht, auf dem sich auch Pams Eltern (Steffi Kühnert und Thomas Bading) eingerichtet haben. Pam bekommt ein Kind von Fred (Sebastian Schwarz), der das ungewollte Balg mit seiner Bande von Nichtsnutzen im Park umbringt. Diese Kinderwagen-Steinigung – ihrerzeit der Skandal überhaupt – inszeniert Andrews als surreale Stop-Motion-Sequenz. Andere Momente, etwa der schlüpfrig eingefädelte Flirt zwischen Len und Pams Mutter Mary, driften in die Schmiere. Die Spezies, um die es geht, bleibt allerdings trotzdem erkennbar.   

Text: Patrick Wildermann

Foto: Tania Kelley

tip-Bewertung: Annehmbar

Termine: Gerettet
in der Schaubühne, z.B. am Do 11.3., Fr 12.3., 21 Uhr, So 14.3., Mi 17.3., 20 Uhr

 

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