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Ehrlich Brothers im Admiralspalast

Sebastian-DrüenBei einem iPad handelt es sich um einen Gebrauchsgegenstand mit einem schicken Design. Je nach Modell beträgt die Höhe gerade einmal zwei Zentimeter. Die Apps bringen Zeitungs-Apps, Fotos und Videos ins heimische Wohnzimmer oder dorthin, wo man sich gerade befindet. Eigentlich schon etwas, das vor einigen Jahrzehnten als Zauberei ausgelegt worden wäre. Doch den Ehrlich Brothers ging die Illusion noch nicht weit genug.

Keine App der Welt ist bisher imstande, einen Gegenstand oder eine Person zu materialisieren – die beiden Brüder hingegen schon. Sie lassen auf einem überdimensionalen Tablet-PC erst einen Motorradfahrer erscheinen, der schließlich aus dem Screen herausfährt und sich anschließend leibhaftig auf der Bühne befindet. „Von der Idee bis zur Realisation hat es etliche Monate gedauert“, verrät Andreas Ehrlich. Wie bei vielen anderen Show-Highlights stand am Anfang eine Idee, die die beiden Brüder packte. Bis zur Realisation auf der Bühne vergehen oftmals Monate intensiver Tüftelei: Das Prüfen der technischen Machbarkeit.

Uri Geller verblüffte mit dem Verbiegen von Löffeln, die Ehrlichs hingegen nehmen sich schwere Eisenbahnschienen vor. Ihr Einfallsreichtum führte dazu, dass große Magierkollegen wie David Copperfield anklopften, um die Lizenzen der Illusionen zu erwerben. „Das wäre ein hübsches Nebeneinkommen“, lächelt Chris Ehrlich süffisant. „Aber wir haben uns dazu entschieden, unsere Illusionen in Zukunft nicht mehr aus der Hand zu geben.“ Schließlich seien diese in monatelanger Trial-and-Error-Weise entstandenen. „Show-Elemente sind wie Kinder“, ergänzt der Bruder und fügt hinzu: „Wir arbeiten aber nicht nur mit pompösen Nummern sondern ebenso mit Klassikern Kartentricks.“

Die Ehrlich Brothers stünden für das Unerwartete, spricht der Magier und verdreht seinen Arm um unnatürliche 360 Grad. Klar, es kann sich nicht um eine echte menschliche Extremität handeln. Die Hand, die kurz zuvor zur Begrüßung eingesetzt wurde, ist ausgetauscht worden. Und dies inmitten eines spartanisch eingerichteten Raumes während des Interviews. So wird schnell klar, die Ehrlich Brothers beherrschen ihr Handwerk perfekt, schließlich haben sie dies von der Pike auf gelernt.

„Los ging es eigentlich ganz klassisch mit Kartentricks als Kind“, erinnert sich Andreas Ehrlich. „Schließlich kam irgendwann der Zauberkasten hinzu.“ Es folgten erste Auftritte auf Firmenfeiern. Weil das zu zweit viel besser geht, stieß der jüngere Bruder hinzu. Seit fast 20 Jahren perfektionieren die beiden ihr Repertoire. Das mag auch erklären, warum sie das Abheben anderen überlassen. Der oft zitierte Vergleich mit Siegfried und Roy ehre sie, aber letztlich beackern sie im Bereich der Magie ihre eigene Baustelle. Ohne Tiere und Glamour, aber mit der Umsetzung eigener Ideen.

So liegt auch die Vorstellung einer eigenen Show in einem Hotel in Las Vegas in weiter Ferne. „Das würde ja bedeuteten, dass wir beiden die ganze Zeit aufeinander hocken würden“, stöhnt Chris Ehrlich gespielt gequält. „Bei einer Tour ist die Zeitspanne überschaubar, das geht vorbei“, ergänzt Andreas Ehrlich, um klarzustellen, dass sie erst einmal die europäischen Bühnen erobern wollen, bevor etwas anderes denkbar sei. Über das Potenzial weltweit ganz oben mitzuspielen, verfügen die sympathischen Magier zweifelsohne.

Text: Ronald Klein

Foto: Sebastian Drüen

Ehrlich Brothers Admiralspalast, 12. März 16+20 Uhr

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