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Ein Interview mit Daniel Barenboim

Daniel Barenboim

tip Sie sind, neben Claus Peymann und Frank Castorf, der wohl dienstälteste Künstler in Berlin …
Daniel Barenboim Ich bin länger da! (lacht)

tip Haben Sie einen ausgeprägten Wunsch zur Sesshaftigkeit?
Daniel Barenboim Ja! Auf diese Weise kann ich nämlich langfristiger denken. Ich bin im dritten Jahrzehnt hier und habe die ersten zehn Jahre hauptsächlich an der Klang-Homogenität der Staatskapelle gearbeitet. Im zweiten Jahrzehnt ging es um Schumann, Bruckner, Mahler, die italienische Oper, aber auch um zeitgenössische Oper von Komponisten wie Carter und Birtwistle. Man mag unseren „Macbeth“ mögen oder nicht, aber die Staatskapelle klingt bei Verdi inzwischen so, wie das beste italienische Orchester sich das nur wünschen kann. Jetzt, im dritten Jahrzehnt, widme ich mich Neuer Musik – mit Jörg Widmann als Anker.

tip Auf Ihrem Digital-Label „Peral Music“ veröffentlichen Sie mittlerweile Ihre Aufnahmen im Internet. Das ist schön und fortschrittlich. Bringt es auch was?
Daniel Barenboim Ich rufe Sie an, wenn es anfängt sich zu rentieren! (lacht) Aber ich glaube durchaus: Das ist die Zukunft. Es gibt Projekte, die ich nur hier realisieren kann. Jetzt mache ich eine Aufnahme von Kinderstücken, also von Übungsstücken für Klavieranfänger, etwa von Burgmüller und Czerny: Stücke, die Kinder meist nur schlecht gespielt kennenlernen.

tip An der Fassade der Staatsoper im Schiller Theater hängt ein Transparent gegen Pegida. Auf Ihre Initiative?
Daniel Barenboim Es ist eine Initiative des ganzen Hauses. Auch ich finde, dass es sich bei Pegida um eine Sache handelt, für die man sich nur schämen kann. Als Jude habe ich mich vor vielen Jahren dafür entschieden, in Berlin zu leben, und zwar ganz bewusst. Denn ich war voller Bewunderung dafür, wie in Deutschland sowohl die Politik wie auch die Bevölkerung sich mit ihrer Vergangenheit auseinandergesetzt hatten. Schauen Sie sich andere Länder wie Japan, Spanien oder Italien an, wo fast nichts in dieser Hinsicht unternommen wurde. In der jetzigen Situation finde ich das Phänomen Pegida – und alle seine Ableger – traurig.

tip Hat Pegida Ihr Bild von Deutschland verändert?
Daniel Barenboim So weit würde ich nicht gehen. Zumal ich den Eindruck habe, dass es sich schon wieder aufzulösen beginnt. Vielleicht irre ich mich. Da es in Dresden nur einen geringen Ausländeranteil gibt, ist Pegida für mich eine Sache ähnlich wie der Antisemitismus in Spanien – einem Land, in dem es praktisch fast keine Juden gibt.

Interview: Kai Luehrs-Kaiser

Foto: Reto Klar

Parsifal, Staatsoper im Schiller Theater.
Sa 28.3., 16 Uhr, Di 31.3., 17 Uhr, Fr 3.4., 16 Uhr, Mo 6.4., 16 Uhr, So 12.4., 16 Uhr, Sa 18.4., 16 Uhr, Karten-Tel. 20 35 45 55

Alban-Berg-Zyklus, Staatsoper im Schiller Theater.
Fr 6.3., Sa 7.3., So 8.3., Fr 13.3., Sa 14.3., So 15.3., unterschiedliche Anfangszeiten, Karten-Tel. 20 35 45 55

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