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Eine Amerikanerin beim deutsch-amerikanischen Volksfest

Deutsch-amerikanisches Volksfest

Einem süßduftendem Wagen, auf den ein Mann in Lederhosen gemalt ist, steht als Kontrast eine Hamburgerbude mit Uncle Sam, sowie eine regennasse Statue von Marilyn Monroe, gegenüber. Am Eingang ein nur teilweise beleuchtetes Schild mit der Aufschrift „Deutsch-Amerikanisches Volksfest“, überall sind amerikanische Fahnen.  
Als Amerikanerin wollte ich das 51. Deutsch-Amerikanische Volksfest natürlich besuchen, das zum ersten Mal in Mitte und nicht im früheren amerikanischen Sektor Zehlendorf stattfindet. Ich wollte sehen, wie eine Kleinstadt meines Landes dargestellt wird.
Der Tacostand, der wie ein Saloon aufgebaut ist, überzeugt nicht. Auf einer amerikanischen Main Street würde man ihn jedenfalls vergeblich suchen. Die Stehtische davor, eine deutsche Erfindung, sind genauso unpassend wie die niedlichen Papier-Papageien, und auch die bunten Sombreros würde man in einem echten Old-West Saloon so nie finden.
Ein gerade angekommener Amerikaner würde glauben, dass die Deutschen uns als Donut-und-Muffin-fressende Cowboys sehen, weil das „amerikanische Essen“ hier auch nicht anders ist, als das, was man bei Aldi kaufen kann. Dabei hatte ich richtig Hunger auf einen Corn-Dog, ein Hotdog in Maisteig gewickelt und frittiert. Besonders im Süden der USA, wo ich herkomme, ist das Essen wie ein Wettbewerb zwischen den Verkäufern um das ungesundeste Gericht.
Letztes Jahr war dies ein Krispy-Kreme-Burger, bei dem zwei Donuthälften die Hamburgerbrötchen rund um die Beilagen und das Fleisch ersetzen. Als Konkurrenz waren auch frittierte Snickers, frittierter Käsekuchen oder frittierte Oreos zu kriegen.
Andere typische Angebote wären bei amerikanischen Festen die selben: Autoscooter, Zuckerwatte, Live Bands, verschiedene Spiele.
Überrascht und doch noch ein kleines bisschen Zuhause fühle ich mich, als ich das amerikanische Bier sehe. Das Fest hat eine Reihe amerikanische Biere im Angebot, inklusive Milwaukee’s Best und Coors Light. Die sind normalerweise in Deutschland nicht zu finden, weil sie so furchtbar schmecken. In Amerika trinkt man diese Biere nur, wenn man sich nichts anderes leisten kann. Der Preis von 2,50 Euro für eine Dose ist deshalb für mich mehr als erstaunlich.
Ich habe den Eindruck, auf diesem Fest liegt der Reiz für die Deutschen am Land der unbegrenzten Möglichkeiten eher in dem, was sie von Amerika schon kennen als in dem, was sie noch nicht kennen. Selbst auf den Bühnen fehlt jede Überraschung in Form von moderner Musik.
Am Ende wurde mir klar, dass dieses Fest nicht für Amerikaner ist, sondern für die, die den Begriff „Amerika“ lieben und mit dieser eingedeutschen amerikanischen Kultur zufrieden sind. „Ich mag Amerika – ich weiss nicht warum“, sagte Frank Meier, der seit 20 Jahren Stammbesucher des Fests ist und selbst schon zwei Mal in Amerika war. „Das Bier schmeckt mir aber nicht“, so Meier weiter.
Aber wahrscheinlich laufen deutsch-amerikanische Volksfeste in Amerika auch nicht anders. Und wenn ich wieder zu Hause bin, werde ich bestimmt die billigen Lederhosen problemlos dulden, weil auch ich keinen Grund benennen könnte, warum ich Deutschland mag und ich wäre froh, einfach die Scheinkultur in meinem Land zu genießen.

Text: Miranda Murray

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