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Elternsprecher: Die Bärchenfalle

StramplerEin Freund von mir, der im April Vater wird, wollte sich eine Wickelunterlage kaufen. „Ich dachte an was Einfarbiges“, sagt er. „Was?“, fragte die Fachverkäuferin. „Ohne Bärchen oder Luftballons“, sagte er. „Kinder lieben Bärchen und Luftballons“, sagte sie, wobei ihre Stimme bedrohlich klang.
Dass es äußerst schwierig ist, Kindersachen ohne bunte Motive zu bekommen, die Erfahrung machen alle Eltern früher oder später. Wobei bunt nicht das Problem ist. Aber die Bärchen, Hunde und Autos sind meist von so grober und aufdringlicher Machart, dass sie das Stil­empfinden eines Erwachsenen nachhaltig beleidigen. Das Stil­empfinden eines Babys, das ja noch keinerlei Geschmacks­prägung erfahren hat, könnte durch derart plumpes Design sogar dauerhaft auf die schiefe Bahn geraten.
Zum Glück können Neugeborene ausgesprochen schlecht sehen. Und nicht lesen. So werden sie nicht durch Aufschriften wie „Omas Liebling“ und „I love my dog“ belästigt. Das Schlimmste ist jedoch Kleidung, die Babys in Teddys mit kleinen Plüschohren verwandelt. Das zeugt von totaler Respektlosigkeit, auch kleine Kinder haben ein Recht auf Menschenwürde.
Es gibt nur zwei Wege, der Bärchenfalle zu entgehen. Entweder, man verbringt furchtbar viel Zeit, um zwischen all dem Plunder ein einfarbiges T-Shirt aufzuspüren. Oder man zahlt ziemlich viel Geld, denn im Baby-Hochpreissegment gibt es wundersamerweise sowohl jede Menge uni-farbene Klamotten als auch geschmack­volle Muster.

Text: Stefanie Dörre

Foto: Tomizak, pixelio.de

 

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