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Elternsprecher: Kita-Arithmetik

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„Durchbruch für Berliner Kita-Kinder“, so lautete Ende Oktober die euphorische Überschrift der Pressemitteilung des Berliner Kitabündnisses. Der Berliner Senat hat in seiner Sitzung am 27. Oktober die Forderungen des Landeselternausschusses Berliner Kindertagesstätten (LEAK) weitgehend umgesetzt. Ein Erfolg nach einer strapaziösen Verhandlungsphase. Vor allem in dem entscheidenden Punkt der Absenkung des Personalschlüssels ist der Senat dem LEAK gefolgt. Dieser soll bis 2011 um den Faktor eins gesenkt werden.
Also durchschnittlich ein Kind weniger auf eine Erzieherstelle. Zum Beispiel bei den Drei- bis Sechsjährigen seien dann neun statt zehn Kinder pro Erzieher/Erzieherin vorgesehen. Da reibt man sich mit Blick auf die Realität die Augen: In der Kindergartengruppe meines vierjährigen Sohnes sind 18 Kinder und eine Erzieherin. Wie kommt es zu dieser Differenz? Das Stichwort in der vom Senat präsentierten Rechnung ist „Ganztagsförderung“. Die Personalausstattung eines Kindergartens berechnet sich nach dem Alter der zu betreuenden Kinder und nach dem bewilligten Betreuungsumfang für die einzelnen Kinder. Die oben genannten Zahlen gelten bei einer bewilligten Ganztagsförderung für alle Kinder einer Gruppe mit einer Erzieherin.
Ganztagsförderung ist im Kindergarten meines Sohnes die Ausnahme. Bei Teilzeitbetreuung und Halbtagsbetreuung rutschen die Zahlen nach oben. Hinzu kommt, dass die Stundenzahl der Erzieher monatlich neu für die ganze Einrichtung berechnet wird. Das heißt, kleine Kinder werden größer. Und für die Personalberechnung heißt das: Je größer die Kinder werden, desto geringer die monatlich bewilligte Stundenzahl für das Personal. Da aber nicht mit jedem dritten Geburtstag eines Kindes die gegebenen Gruppenstrukturen in einer Einrichtung aufgebrochen werden können, kommt es manchmal zu der Zahl 18.
Das Ende der Bemühungen um eine Verbesserung der Betreuungssituation in Berliner Kitas ist noch lange nicht in Sicht.

Text: Constanze Groß / Foto: Gebhart Gruber

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