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Erste „Schwabiennale“ in Berlin: Interview mit Achim E. Ruppel

Achim_E_RuppelHerr Ruppel, Sie sind Begründer der Online-Plattform Schwaben-In-Berlin.de. Warum brauchen Ihre Landsleute denn nun auch noch ein eigenes Kulturfest?   
Achim E. Ruppel Mir kam die Idee dazu bereits vor fünf Jahren. Ich schlenderte damals durch die Kollwitzstraße und sah die ganzen „Schwaben-raus“-Graffitis. Zunächst dachte ich, das wäre ein intelligenter Schachzug eines Schwaben, PR in eigener Sache quasi. Als mir klar wurde, dass die Sprüche ernst gemeint waren, beschloss ich: Wir müssen da etwas machen. Wir müssen uns zeigen.

Mit Herrn Stumpfes Zieh & Zupfkapelle zeigen Sie die musikalischen Qualitäten des Schwaben, mit der Lesung von Felix Huby, dem Erfinder des Tatortkommissars Bienzle, die literarischen. Welche Eigenschaften machen den Schwaben sonst noch aus?  
Der Schwabe hat einen inneren Zwang. Außerdem ist er bodenständig. Gleichzeitig will er aber auch aufgeschlossen sein und Weltluft schnuppern. Wer diese Gegensätze verstehen will, sollte sich unsere Revue „Schwabenhatz“ anschauen. Sie ist das Gewinnerstück unseres Autorenwettbewerbs, den wir letztes Jahr veranstaltet haben, und feiert nun am 10. Oktober Premiere in der Vagantenbühne.

Geht es Ihnen also primär darum, den Berliner über den Schwaben aufzuklären?  
Ich würde eher von Begegnung sprechen. Unser Motto lautet: „Hassen dürft ihr uns, aber zuerst wird geveschpert.“ Wir können sogar bereits eine erste Erfolgsgeschichte melden. Als wir mit der Schwabiennale an die Presse gingen, meldete sich danach ein wütender Mann bei mir. Es stellte sich heraus, dass er einer der „Schwaben-raus!“-Sprayer war. Ich fragte ihn, was er denn jetzt von uns wolle. Er antwortete: „Kooperation.“ Jetzt gestaltet er das Bühnenbild von „Schwabenhatz“.

Was sagt die Sprayer-Community dazu?  
Seine Freunde haben ihn zunächst ausgelacht. Die hatten sogar vor, die Aufführung zu stürmen. Es hat viel Überzeugungsarbeit gekostet, ihnen klar zu machen, dass der Schwabe nicht antikulturell und geldgierig ist. Dieses Klischee haftet uns nämlich an. Jetzt wollen die Freunde bei uns sogar auch noch mitmachen.

Man sagt, die spanischen Touristen wären die neuen Schwaben. Wird es bald auch eine Spaniale geben?
Spannend, spannend. (lacht) Wer weiß. Schauen wir mal.    

Interview: Henrike Möller
Foto: Hagen Schnauss

1. Schwabiennale in Berlin
diverse Orte, 9.–15.10.,
www.schwaben-in-berlin.de

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