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EURE WORTE – TEIL 6: Shuar

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THX & keep rockin‘,bastards 😉

„Nico! Lauf weg! Lauf!“ schrie Jбnos, als der Wagen in den Graben rutschte und sich überschlug. Nein. Würde ich nie tun.
Der Jeep blieb seitlich auf dem Dach liegen. Meine Knie bebten, ich konnte sie nicht mehr kontrollieren. Jбnos. Er war unverletzt, aber bewusstlos. Zitternd löste ich meinen Gurt, sprach, schüttelte Jбnos sanft, bis er wieder langsam zu sich kam.
Unser Auto war völlig verbeult, die Windschutzscheibe teilweise zerbrochen, meine Seitenscheibe zur Hälfte – seine total im Jenseits.
Endlich öffnete er wieder die Augen und sah mich an. Wir umarmten uns.
Ich weiß nicht, wie viele Liter Flüssigkeit wir im Schock verloren hatten, Sitz und Kleidung waren nass geschwitzt. Ich hielt ihn fest in den Armen. „Nichts passiert. Nichts passiert. Alles ok. Bei Dir auch?“ Ja. Erleichterung. Aber wir waren noch immer eingeklemmt. Draußen zirpten Grillen, als wäre nichts geschehen. Ich versuchte meine Tür zu öffnen. Plötzlich riss mich Jбnos nieder. „Sei still. Sie kommen. Schnall dich an.“
Wir verfielen in die gleiche Haltung, wie zuvor. Ich versuchte, mein Gesicht zu verstecken. Mein Herz schlug so laut, dass man es bis nach Berlin hörte und es würde mich verraten, das Luder. Jetzt hörte ich die Schritte auch. Es mussten mehrere Männer sein. Ich kämpfte damit, meine Augen nicht zu öffnen, die Neugier war riesengroß. Sie sprachen Shuar, was auf Shuar „Menschen“ bedeutet. Mein Kopf lag verdreht zwischen Jбnos’s Schulter und der Nackenstütze, so, dass ich gerade noch hinaus blinzeln konnte. Sie zogen ihre Masken und Anzüge aus und darunter waren sie – wer hätte es gedacht – Menschen, genauer: Männer. Sie versuchten aufgeregt unsere Türen aufzukriegen. Wir spielten weiterhin bewusstlos. Dann drehten sie das Auto gerade. Nach einer Weile ließen sie alle Bemühungen uns zu retten, oder als Geiseln zu nehmen, sein und setzten sich in den Schatten neben dem Jeep. Einer zog seine Wasserflasche heraus und reichte sie weiter. Ich konnte fünf Stimmen unterscheiden, davon klang eine sehr weiblich.
Mein Shuar ist ziemlich schlecht, aber ein wenig verstehe ich doch:
„Blöd gelaufen.“
„Ja.“
„Ziemlich blöd.“
„Saublöd.“
„Ja.“
„Gib mir die Knarre.“ (oder: „Tüdelkrams“, was auf Shuar dasselbe bedeutet)
„Es tut mir leid, ich hab mich so erschrocken, als die da plötzlich..“
„Her damit.“ grummelte die alte, respekteinflößende Stimme wieder.
Etwas später:
„Blöd gelaufen.“
„Ja, ja.“
Schweigen.
Ich fragte mich, ob wir nicht ein wenig überreagiert hatten, als wir der Sperre so rasant ausgewichen waren, aber da erst vor ein paar Tagen zwischen Shuar und einigen der Regierung verpflichteten Kleinbauern, die ihr Land und somit das der Shuar an ein multinationales Unternehmen verkauft hatten, Unruhen ausgebrochen waren, war die Reaktion gerechtfertigt. Wir stellten uns weiterhin tot.
„Blöd gelaufen“, setzte einer wieder an.
„Backwahnwitz.“ (oder auch: „Wink des Schicksals“, was auf Shuar dasselbe bedeutet.)
„Ja, ja.“
Zwei von den Männern betapsten wieder das Auto, bestierten uns darin, schubsten ein wenig die Karosserie und versuchten noch einmal die Türen zu öffnen. Sie gaben es recht rasch wieder auf und setzten sich.
„Wie geht’s deiner Frau?“
„Ach…“
„Vielleicht sollten wir die Inszenierung (oder: „Wahrheit“, was auf Shuar dasselbe bedeutet) lassen.“
„Die kommen nicht mehr heute.“
„Doch, sie kommen bestimmt!“, entgegnete die weibliche Stimme, bestimmt.
„Intensivstation.“
„Noch immer?“
Das Nicken des traurigen Mannes wog so schwer, dass Jбnos’s Hand zuckte, um den Jeep festzuhalten, der durch das Nicken mit der Erde darunter ins Wanken geraten war.
Aber er hielt sich zurück und wir wankten mit dem Nicken mit. 
Der traurige Mann atmete schwer, versuchte Tränen zu unterdrücken. 
Schweigen.
„Scheiße.“, zischte leise Jбnos zwischen geschlossenen Lippen. „Ich muss schon so dringend…“
Ich vertraute auf seine Blase, die sicher in ihrem Leben schon einiges ertragen hatte, denn so, wie ich die Situation einschätzte, könnte das hier noch Stunden dauern.
Nun begann einer zu singen:

Wenn die Sonne sich verflüchtigt (oder: „rot wird“) singst (oder: „flüsterst“) du das Lied von Nunkui. Wenn ein Blatt sich in deinem Haar (oder: „Taten“) verfängt, nimm es sanft und leg es auf die Erde, sein Grab (oder: „zu Hause“). Schön sind blaue Augen, aber schwarze Augen sind noch viel schöner. Vergiß den Vollschlankheitswahn und „hol di fuchtig“

(„Hol die fuchtig“ kann man nicht übersetzen, heißt aber auf steirisch etwas sehr ähnliches, wie auf Shuar, etwas in der Art wie: „in blaue Gänseblümchen verliebt sein, verachselt im Bösen“.)

Ein bezauberndes, ruhiges Lied. Sehr leise und monoton vorgetragen. Die Shuar werden schlimmer Weise noch immer von Einigen hier als „Jivaros“ bezeichnet, dem ein unangenehmer Beigeschmack von „wild“ beiwohnt, der diesen sehr eleganten Nachkommen der Inkas mit ihrem Glauben an Wiedergeburt und Alleinheit der weltlichen Erscheinungen völlig widerspricht
Ich bemerkte, wie Jбnos’s Haltung immer krampfhafter wurde.
Nun stiegen mehrere Stimmen leise in den Gesang ein.
Von der Rührseligkeit des Gesangs berührt, sagte die weibliche Stimme bedeutungsvoll:
„Auf Datenautobahnen reisen die Herzen in Lichtgeschwindigkeit, kommen sie irgendwo an?“
Ein recht junger Krieger antwortete respektvoll:
„Sie rasseln durch’s Netz, als Abklatsch vom Abklatsch.“
„Hol di fuchtig!“
Die anderen nickten.
„Blöd gelaufen.“, mischte sich der Dritte wieder ein.
„Ja, ja.“
„Und, seit wann steht deine Homepage schon?“
„Ach, seit cirka einer Woche (oder: „einem Jahr“, was auf Shuar dasselbe bedeutet).“
„Und, hast du schon die Zugriffe auf deinen Webspace gecheckt?“
„Die Anzahl der Sessions ist entscheidend.“
„Ja, ja.“
„Und?“
„Nein.“
Der älteste der Krieger nickte bedeutungsvoll.
Auch Shuar sind User. Wie gerne wollte ich nur meine Beine wieder usen können, denn sie steckten schmerzhaft verhakt ineinander gekrallt zwischen dem verbogenen Blech meiner Seitentür.
Ich fragte mich, wie lange es mittlerweile schon her gewesen war, dass wir in diesem Graben gelandet sind, nicht einmal dreißig Kilometer weit entfernt von meinem Haus. Kein einziges Auto war bis jetzt hier vorbeigekommen. Es ist ja auch eine Abkürzung die nur Einheimische kennen. Nun entbrannte gerade eine heiße Diskussion über Linux unter den Kriegern.
Jбnos’s Kopf verfärbte sich langsam rot. Die Männer hatten sich nun darauf geeinigt, dass Linux trotz allem noch immer eines das sichersten Betriebssysteme darstellt für den „normalen“ (oder auch: „verrückten“, was auf Shuar dasselbe bedeutet) Internet User.
„Wenn nur mein Skype wieder funktionieren würde.“, hörte ich die weibliche Stimme, mehr zu sich selbst als an die anderen gerichtet, seufzen.
„Was quatschen die da?“, fragte Jбnos. „Ach.. Linux versus Microsoft versus und so weiter.“
„Wichser.“, zischte er zwischen zusammengepressten Zähnen.
„Ach, vergiss ihn, das war doch nur ein blöder Touri. Der kommt nie wieder.“
Eine Gestalt stand entrüstet auf und setzte sich ein paar Meter weiter alleine hin, es war die vermeintliche Frau.
„Das war wieder nötig, oder? Musstest du das sagen?“
Der junge Krieger grunzte aufgebracht:
„Aber es stimmt! Er war nichts anderes als ein beschlipster Bauchpinselstreicher!“
„Jetzt reiß dich mal zusammen, Rubensmann!“
(Aha, Kriegerboy war also in Kriegerschnitte verknallt. Sehr interessant. Ich wollte Jбnos die verzwickten Love Stories der Shuar gerade übersetzen, aber seit Linux wollte er nichts mehr wissen und konzentrierte sich nur noch auf seine Eingeweide.)
„Seid still, ihr Raufläuse.“, zischelte der Älteste unter ihnen. („Rauflaus“ ist eines der dreckigsten Schimpfwörter, die die Shuar kennen.)
Alle schwiegen nun betroffen. Jбnos ächzte neben mir und nestelte nervös an seiner Türschnalle rum. Ich herrschte ihn an, das zu lassen. Es war besser, unerkannt zu bleiben.
Nun hörte ich einen der Männer leise schnarchen, während der, der seine Frau an die Intensivstation verloren hatte, noch immer leise vor sich her sang. „Hol di fuchtig…“
Ein anderer kaute an einem Blatt. Die vermeintliche Frauenstimme konnte ich aus den Augenwinkeln blinzelnd nicht erkennen.
„Wie lange wollen die noch so tun, als wären sie bewusstlos?“, sagte einer grinsend und deutete auf unseren Jeep. Die hatten uns durchschaut! Die ganze Zeit schon.
Einer winkte uns nun auch noch lachend zu, als ich meinen Kopf nach vorne streckte und auf die Tarnung pfiff. Mist. Schlammwanne.
Plötzlich ertönte ein lautes Grollen. Von der Weite hörten wir ein dumpfes Geräusch, das sich uns näherte. Die Krieger sprangen auf und liefen zurück zur Barrikade. Eine große Kolonne riesiger LKWs rollte die sandige Straße heran. Ich tastete nach meinem Handy und fand es in tausend Teile zersplittert zwischen meinen Füßen und der verbeulten Beifahrertür. Nach den ersten drei LKWs war der erste Bagger zu erkennen. Bewaffnete Beamte auf Motorrädern flankierten den Treck. Polizeischutz, ein Widerspruch in sich selbst. Ich hörte Schreie. Das Poltern der schweren Kolosse, die neben unserem Wrack unaufhaltsam auf die Blockade zufuhren, erschütterte den Wagen und ich griff Jбnos’s Hand, drückte sie fest –
ich erkannte, wie einer der Polizisten sich kurz nach unserem Jeep umdrehte, aber ausschließlich konzentriert blieb auf das, was vor ihm lag. Das, was jeden Moment ausbrechen würde. Schüsse. Knackendes Holz. Die Polizisten sprangen von den Motorrädern. Nun wurde gekämpft.
Die massiven Baumstämme der Straßensperre zerbrachen wie Streichhölzer unter dem ersten Laster. Die Mülldeponie! Jetzt erst wurde mir bewusst, worum es sich hier eigentlich drehte: mitten im angrenzenden Grüngürtel, der subtropische Naturschönheiten in sich birgt, unter anderem an dem heiligen See Nunkui einen Wasserfall, an dem seit Jahrhunderten Initiationsriten der Shuar abgehalten werden, sollte eine Mülldeponie errichtet werden. In den Zeitungen stand, dass das Bauvorhaben aufgrund massiver Proteste gestoppt worden war. 
Meine Hand verkrallte sich in Jбnos’s Hand,- vor uns ein virtuelles Gemetzel, denn wir sahen ja nichts – nur aufgewirbelter Staub vor den Scheiben. Ein Schuss. Der gellende Schrei der Frau, der darauf folgte, ging mir durch Mark und Bein. Das war zuviel für Jбnos’s Blase. Wäre ich nicht seit Stunden völlig dehydriert von der morgendlichen, exzessiven Kaffeetrinkerei und dem bitteren Rest meiner dekadenten Existenz, wäre mir garantiert dasselbe passiert. Ein Shuar rannte auf unser Auto zu und versuchte sich zu retten. Gerade als er den Abhang hinab lief, erwischte ihn ein Schuss im Rücken und der getroffene Körper rollte vor die Schnauze unseres Wagens. Nun preschten alle restlichen LKWs in Schrittempo an uns vorbei, ich zählte eins, zwei drei, vier, sechs, acht,– Jahre meines Lebens strichen an mir vorbei bis der letzte LKW an uns vorübergebrettert war. Es wurde still. Die Polizisten schrieen einander Anweisungen zu – zwei sollten hier bleiben, um die Stelle zu sichern, die anderen sollten die Jivaros einpacken und wegbringen. Keine Shuar Stimme mehr zu hören.
Ich versuchte mit aller Gewalt die vermaledeite Tür endlich aufzukriegen, damit ich dem Mann helfen konnte, aber es ging nicht, das Ding klemmte noch immer.
Jбnos hielt mich zurück und schob meinen Kopf unter das Armaturenbrett. Der Geruch von Schweiß, Urin und Blut in der Luft. Noch immer vierzig Grad.
Einer der Polizisten lief den Abhang hinab zu uns und schleifte den Shuar mit sich hinauf, stopfte ihn in den PKW, der darauf hin sofort in Richtung San Lorenzo verschwand. In der Ferne hörten wir noch Gepolter der schweren Metall Monster, die sich durch die Natur frästen. Jetzt war es Jбnos zuviel, mit einem Schrei trat er seine Tür auf und schaffte es, sich zu befreien. Er landete im Sand neben einer Schlange, die sich gerade irritiert von dem menschlichen Tumult unter das Auto flüchten wollte. Die Polizisten, die geblieben waren, um die Sperre zu sichern, brausten auf ihren Motorrädern an uns vorbei in Richtung San Lorenzo – ich wusste, sie fuhren zu einem Cafй, nicht weit von hier, das gleichzeitig Fast Food Restaurant, Gogo Bar und Schnapsbrauerei ist. Nicht einer scherte sich um unseren Jeep. Wahrscheinlich dachten sie, das sei ein älteres Wrack, weil mittlerweile eine Zentimeter dicke Staubschicht über dem Dach lag, aufgeschüttet von all dem Sand, der von der Straße auf uns gewirbelt worden war. Jбnos lag im sengend heißen Sand und fluchte. Die Schlange verschwand wütend hastig mürrisch im Gebüsch. Ich krabbelte über den Fahrersitz hinweg hinaus und atmete tief durch. Am Horizont ging gerade die Sonne unter. Jбnos zog die Hose aus und wickelte sich in einen Stofffetzen, der einmal ein schönes Hemd gewesen war. Ich versuchte die Kofferraumtür zu öffnen und holte die Schnapsflasche heraus. Wortlos reichte ich ihm Hochprozentiges, wortlos tranken wir an unseren Jeep gelehnt.
Meine Hand streifte die Schnauze des Wagens und als ich sie anhob, um zu trinken, war sie rot, wie der Sonnenuntergang, getränkt in frischem Blut.
Ich krabbelte den Straßengraben hoch und sah die verwüstete Barrikade. Totenstille. Kein Mensch mehr weit und breit. Überall Blutspuren. „Wir müssen weg.“ hörte ich Jбnos, der gerade alles, was irgendwie nach Stoff aussah, auf den Fahrersitz legte.

Während ich völlig ratlos den Sonnenuntergang und die Verwüstung betrachtete, hörte ich, wie er den Motor startete. Der Jeep funktionierte noch! Er klemmte „nur“ fest und der linke Hinterreifen war nicht mehr als solcher identifizierbar. In Windeseile sprang Jбnos aus dem Wagen, holte einen Ersatzreifen aus dem Kofferraum, schaffte es, den Reifen zu wechseln und immer wieder mit dem Auto Zentimeter weise vor und zurück zu rollen.
Wir versuchten gemeinsam mit aller Kraft den Wagen aus der Mulde zu holen, aber es blieb uns nur eine Lösung: auf die Ebene, die sich unter dem Abhang erstreckte, zu rollen, über die wüstige Steppe und grobes Wurzelwerk hinweg und dort irgendwie zu versuchen, einen anderen Weg zu finden. Das Rot, das uns umhüllte, wurde Schwarz und Nacht brach heran. Wir versuchten es, purzelten das kleine Steilstück bergab und ich hielt die Hände vor die Augen, denn ich war mir sicher, der Wagen würde sich überschlagen. Aber wir schafften es und landeten im Schritttempo dahin tuckernd auf der Ebene.
Weit und breit kein Weg. Da wurde Jбnos wieder wütend, wendete den Wagen und stieg auf’s Gas. „Halt dich fest!“ Mit Schwung probierte er, den Hügel zurück auf die Straße zu kommen. Wir schafften es nicht. Sofort versuchte er dasselbe noch mal. Wieder nicht. Ein drittes Mal. Ich stieg aus. Er schaffte es. Nun standen wir sieben Stunden später wieder an derselben Stelle, an der wir Morgens mit einem Lächeln im Gesicht losgefahren waren  und fuhren nun wieder in Richtung San Lorenzo zurück mit einem komplett verbeulten Auto, dehydriert, schockiert. Der Fahrtwind löste die letzte Scherben und ich versuchte unsere Haut vor den Splittern und Scherben zu schützen. Eine sternklare Nacht. Nach ein paar Kilometern waren wir wieder an der Hauptstraße angelangt. Asphalt. Nie hätte ich gedacht, dass ich mich einmal so über Asphalt freuen würde. I love Asphalt. Asphalt olй – Asphalt forever, Asphalt – gut, es reicht. Jбnos hielt abrupt an und sah mir so tief in die Augen, als wollte er darin ertrinken wollen.
„In zwei Stunden könnten wir schon bei der Unterkunft sein, die ich uns besorgt hab. Ein ziemlich hübsches Apartment nicht mehr weit vom Cotopaxi.“
Wie bereits erwähnt, habe ich meiner Wirbelsäule die letzte Autorität über mein Handeln zugesprochen und weiß der Geier, der Rohrspatz oder die Kellerassel warum: mein Kinn zog sich in gerader Linie nach unten, meine Mundwinkel nach oben und mein Nacken vollendete das Nicken. Ich reichte ihm die Schnapsflasche. Da zog ein breites Grinsen über sein Gesicht und ich brach in schallendes Gelächter aus – wir lachten aus vollen Bäuchen. Tränen kullerten über unsere Wangen, wir hielten unsere sich vor Lachen krümmenden Körper wechselseitig irgendwo fest und wussten nicht, wie uns geschah. Vollmond. Mein Bauch schmerzte bereits vor lauter Lachen, kaum sah ich ihn an, ging es wieder los und umgekehrt – ein gnadenloser Lachkrampf. Irgendwann schaffte er es wieder, trotz nicht zu verhindernden Lachattacken, den Gang einzulegen und loszufahren.
So soffen wir grinsend, kudernd, piepsend, quietschend, prustend, schnaubend und gurgelnd die halbe Flasche Schnaps aus, während wir in Richtung der Panamericana weiter fuhren. Irgendwann ließ uns der Lachkrampf entspannt und völlig erschöpft allein zurück. Vollmond. Ich summte „Wenn die Sonne sich verflüchtigt..“
Oh, und da sah ich, worauf ich bereits sehnsüchtig gewartet hatte: den herrlichsten größten Süßwasser See der Welt: Nunkui, der sich nun lasziv im Mondlicht  vor uns rekelte. Von der Weite unsichtbar, hörten wir den gigantischen Wasserfall an seinem anderen Ende. Wortlos hielt der Wagen, körperlos wankten wir ins klare, kühle Wasser und tranken. Tauchten unter in einer Demut, die nur die Hitze lehren kann. Nackt. Wasser. Vollmond. Friede. Langsam. Haut. Wellen. Nacht. Langsam. Sterne. Endlich: Wasser. Endlich.Wasser.

(To be continued)

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