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Falk Richter und Anouk van Dijk zeigen „Trust“ an der Schaubühne

Trust
Das Wort „Trust“ wird in der neuen gleichnamigen Produktion des Autors und Regisseurs Falk Richter mit der Tänzerin und Choreografin Anouk van Dijk an der Schaubühne im doppelten Sinne gebraucht: Sowohl für „Vertrauen“ als auch, in direkter Reaktion auf die Finanzmarktkrise, für „Großkonzern“. Es geht um Desillusionierung in Bezug auf die eigene Biografie, um Resignation und das Älterwerden, um die Hinfälligkeit vieler sozialer, ideologischer, wirt­schaft­licher Konstrukte. Liebe? Ein Missverständnis. Facebook? Eine Zeitverschwendung. Identi­tät? Ein Konsumartikel.
Die weite, dunkle Bühne von Katrin Hoffmann lässt den fünf Schauspielern und vier Tänzern genug Platz für ihre Beziehungskatastrophen. Die Szenen zwischen Eruption und Stagnation, Offenheit und Panik wechseln abrupt wie die Erzählfragmente, die vor allem aus zum Teil sehr schwungvoll-witzigen Monologen bestehen: Von ihren Eltern einfach im Hotel vergessene Kinder melden sich zu Wort, kommerziell ausgebaute Landschaften warten auf ihre Wertsteigerung, Paare bekunden einander ausgiebige Verachtung („Ich habe dich nie richtig wahrgenommen“). Al­lerdings wirken die Texte bisweilen ein wenig, als hätte Richter Stücke von Renй Pollesch überflogen und dann losgelegt.
Der Zerfall der vertrauten Strukturen hat in der Regie von Falk Richter und Anouk van Dijk auf Malte Becken­bachs unspezifischem Musikteppich durchaus seine komischen Seiten. Auch äußert er sich in mitunter eindrucksvollen Bildern, zum Beispiel immer, wenn wieder jemand ans Mikrofon will und von den anderen daran gehindert wird, indem sie ihn einfach wegschleppen. Oder wenn Judith Rosmair in einer glanzvoll ver­rückten Suada von ihrem Ehemann unbedingtes Vertrauen verlangt, ohne je einen Funken davon zu geben, während zwei Tänzer sie wie einen hungrigen Raubvogel durch die Luft schweben lassen. Am Schluss rennen alle stumm im Kreis.

Text: Irene Bazinger / Foto: Heiko Schäfer

tip-Bewertung: Annehmbar

Termine: Trust
an der Schaubühne am Lehniner Platz,
20.-22., 24.+25.11., 20 Uhr,
Tickets unter www.tip-berlin.de/tickets

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