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„Isabel“ von Feridun Zaimoglu

Bei jedem Buch nimmt Feridun Zaimoglu zwischen fünf und acht Kilo ab. Wer ihn sieht, weiß sofort: Der Mann schreibt zu viel. Das merkt man auch seinen letzten Büchern an. Geschichten, die wirken, als habe sie sich ein Zehnjähriger ausgedacht und drauflos geschrieben. Da macht der neue Roman „Isabel“ keine Ausnahme. Nach dem Ruhrgebiet in „Ruß“ hat sich der „deutscheste“ aller deutschen Schriftsteller, wie er sich selbst gerne nennt, jetzt Berlin vorgenommen. Und er lässt kein Klischee aus. In der Hauptstadt wimmelt es nur so von Freaks und Zombies.

Isabel hat sich von ihrem Freund getrennt. Mit Hündin Ruby, die sie sich als Ersatz zugelegt hat, tingelt sie durchs nächtliche Berlin. Begegnet im Monbijoupark einer verwirrten „Flaschenpflückerin“ und hört bei der Armenhilfe in der Parochialkirche, dass ihre Freundin Juliette tot ist. Mord? Selbstmord? Ist es wahr, dass sie schwanger war? Bald wird auch noch die Mutter der Toten ermordet in einem Abbruchhaus gefunden. Hat der Bruder von Juliette was damit zu tun? Oder ihr Freund Marcus, ein ehemaliger Soldat, der im Kosovo ein Mädchen überfahren hat und den Dienst quittierte? Marcus und Isabel kommen sich näher. Finden sie zueinander? Oder nimmt sie sich doch einen anderen Mann? Ihre Eltern zu Hause in einem südlichen Land, das sich unschwer als Türkei erkennen lässt, hätten da schon ein paar Bewerber im Wartestand.

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Genauso planlos wie seine Protagonistin irrt Zaimoglu durch den Roman. Schaut mal eben in den Schwulenbars am Nollendorfplatz rein. Tanzt bei einer Party auf dem Teufelsberg. Setzt sich ins Riesenrad im Spreepark. Selbst die Schwarzlichtblitzer im Britzer Tunnel werden erwähnt. Aber was einfallsreich sein soll, wirkt gewollt, was absurd sein soll, abstrus. Als „Beisitzerin beim Beischlaf“ sitzt Isabel mit ledernem Keuschheitsgürtel am Bett eines Ehepaars. Und beim Putzen sagt ein gichtkranker Alter zu ihr: „Schnäuz mir den Kaspar“ oder besorg mir für 30 Euro eine „Schüttlerin“. Wer denkt sich so was aus? Wer will so was lesen? Selbst als Trash geht das nicht mehr durch.

Text: Welf Grombacher

tip-Bewertung: Ärgerlich

Feridun Zaimoglu: „Isabel“,?Kiepenheuer & Witsch, 240 Seiten, 18,99 Ђ

 

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