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Das Filmfestival „Achtung Berlin“ hat Weltstadtniveau

Ungarische und andere Probleme: Bis 22. April zeigt das 22. Festival „Achtung Berlin“ wieder einen faszinierenden, vielfältigen Überblick über die Produktion in Berlin und Umgebung
Text: Bert Rebhandl
Veröffentlicht am: 14.04.2026
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Orsolya Török-Illyés in „Mambo Maternica“, dem Eröffnungsfilm von „Achtung Berlin“ 2026.  © Lupa Pictures, Foto: Moritz Friese

Am vergangenen Wochenende war Budapest für einen Moment die Hauptstadt von Europa. Ungarn kann sich nach der Parlamentswahl wieder ein Stück demokratischer fühlen, und weniger entfremdet von den Nachbarländern, in die viele Menschen unter der nun abgelösten Regierung Orbán übrigens weggegangen sind.

Ungarischer Film eröffnet das „Achtung Berlin“-Festival

Vielleicht hat es auch mit der großen Aufmerksamkeit für die Wahl zu tun, dass das Festival „Achtung Berlin“ am Mittwoch mit „Mambo Maternica“eröffnet, einem Film von Borbála Nagy, die an der DFFB studiert. Die ungarische Regisseurin erzählt von drei Frauen in drei Städten: Adél in Paris, Rebeka in Berlin, Nóra in Budapest. Alle sind auf unterschiedliche Weisen mit Schwangerschaft oder Kinderwunsch konfrontiert, die eine denkt über eine Abtreibung nach, die andere muss ihren Eltern zu ihrem Geburtstag begreiflich machen, dass sie allein und mit Hilfe künstlicher Befruchtung ein Kind bekommen möchte, während im dritten Fall ein Gespräch bei einer Adoptionsstelle ansteht, ein wichtiger Termin, zu dem es sich nicht empfiehlt, zu spät zu kommen. Allerdings ist da auch noch ein inkontinenter Hund, der nicht allein gelassen werden kann. Borbála Nagy erzählt mit einer guten Hand für Figuren vom Leben moderner Frauen, und macht schließlich deutlich, dass sie wirklich das ganze Geschlecht meint – „Mambo Maternica“ endet mit einer emphatischen Kollektivszene.

„A Jewish Problem“ ist einer der Filme im Programm von „Achtung Berlin“ 2026.  © Ron Rothschild

„Achtung Berlin“ geht in die 22. Ausgabe, und kann wie schon in den Vorjahren aus dem Vollen schöpfen. Denn in und um Berlin entsteht jede Menge, worin sich der Weltbezug der Hauptstadt zeigt – Berlin ist international, anders wäre es keine Metropole. Auch Ron Rothschild kommt von der DFFB, er ist aus Israel, hat sich aber bewusst für Deutschland entschieden, denn er macht sehr deutlich, dass er in seiner Heimat nicht in der Armee dienen möchte. Sein Dokumentarfilm „A Jewish Problem“ macht deutlich, wie nahe sich Berlin und Jerusalem, Israel und Deutschland historisch waren, und nun mehr denn je sind. Ruth Rothschild, die Großmutter von Ron, erzählt für den Enkel ihre Lebensgeschichte, die nach sieben Jahren einer deutschen Kindheit in Palästina weiterging, wohin sie glücklicherweise vor dan Nazis gelangte. Sie heiratete einen Mann aus Berlin, und blickt nun mit Ron auf die Geschichte des Staates Israels zurück. Das alles wird in „A Jewish Problem“ auf einen Alltag in Neukölln bezogen, wo die Palästina-Solidarität stark ist. Ron Rotschild macht kein Geheimnis daraus, dass er sich dieser Solidarität verbunden fühlt. Sein Film, der hier stellvertretend für die Dokumentarfilme bei „Achtung Berlin“ empfohlen werden soll, ist ein wichtiges Zeugnis davon, wie in Berlin im Alltag der Konflikt in Israel/Palästina allgegenwärtig ist.

„Unsere Kinder“ (1989) von Roland Steiner. © DEFA-Stiftung

Neben den beiden Hauptsektionen Spielfilm und Dokumentarfilm gibt es weitere Spezialreihen, in denen Serien, mittellange und kurze Filme zu sehen sind. Und eine sehr interessante und wichtige Retrospektive: „Nachhall der Baseballschlägerjahre“ versammelt Filme aus den Jahren gleich nach der Wende, als der Nationalismus sich vielfach ins Extremistische und in Gewaltausübung steigerte. Hier gibt es Arbeiten von Aysum Bademsoy oder Thomas Heise zu sehen. Und auch hier sei einer herausgegriffen: „Unsere Kinder“ von Roland Steiner aus dem Jahr 1989, ein Versuch, noch in der DDR zu verstehen, warum ein angeblich sozialistischer Staat junge Leute an den Neonazismus verliert.

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