Actionsatire „Normal“ mit Bob Odenkirk: Ganz und gar durchgeknallt

Nach einem Knick in der Karriere und dem Ende seiner Ehe sucht Ulysses als Aushilfs-Sheriff in einer kleinen Stadt im Mittleren Westen der USA Ruhe und Frieden. Doch normal ist in dem Ort Normal eigentlich nichts. Das Waffenarsenal der Polizeistation kann sich mit dem einer Militärbasis messen. Der Fuhrpark lässt gleichfalls keine Wünsche offen. In der Eisenwarenhandlung kann man Dynamit kaufen, das Restaurant ist flächendeckend mit Langwaffen dekoriert, und die reizende Lady vom Handarbeitsladen hört den Polizeifunk ab. Richtig ernst wird es allerdings als die Bank von Normal von zwei Habenichtsen überfallen wird und daraufhin im japanischen Osaka ein Beeper losgeht. Kurz danach liegt kein Stein mehr auf dem anderen. Irgendwie hatte Ulysses sich das alles doch etwas anders vorgestellt.
Kriminell ist das neue „Normal“
Ulysses wird von Bob Odenkirk gespielt, der sich mit den beiden „Nobody“-Filmen (2021 und 2025, geschrieben von Derek Kolstad) einen sehr guten Ruf als Actionman erarbeitet hat. Gemeinsam mit Kolstad – der außerdem die Bücher der „John Wick“-Reihe verantwortet – hat Odenkirk auch das Drehbuch zu „Normal“ geschrieben. Regie führt der Engländer Ben Wheatley, dessen Filmografie mit „schillernd“ nur unzureichend beschrieben ist und unter anderem die mörderische Independent-Bosheit „Sightseers“ (2012), den semi-experimentellen, von Halluzinogenen induzierten Historienfilm „A Field in England“ (2013) sowie mit „Free Fire“ (2016) einen beachtenswerten Eintrag ins Krach- und Krawallgenre umfasst.
In Sachen Hemmungslosigkeit und Einfallsreichtum ist auf Wheatley auch diesmal Verlass. Und auch diesmal ist der Erkenntnisgewinn beträchtlich, wohnt der Story von der Kleinstadt, die sich von den Yakuza zum Zwecke der Geldwäsche hat kaufen lassen, doch überzeugendes allegorisches Potenzial inne. Anders gesagt: Kriminell ist das neue Normal. Die Kartelle haben die Konzerne abgelöst, und wer ein Stück vom Kuchen abhaben will, tut gut daran, Skrupel und Moral fahren zu lassen. Daran, dass diese niederschmetternde Einschätzung direkt auf die mit MAGA-Stolz hochgehaltenen, US-amerikanischen Werte zielt, lässt „Normal“, der die Normalität zu Beginn mit nur leicht ironischem Unterton als Klischee in Szene setzt, keinen Zweifel. Am Ende mag einem von all dem Geballer der Schädel brummen, noch lauter aber dröhnt es, sowie einem klar wird, dass eben nicht mehr „nur“ die Superreichen gierig und korrupt sind, sondern alle.