Filmfestivals, Reihen und Retrospektiven im April

Das Zeughauskino zeigt wenig bekannte Filme des Karl-May-Regisseurs Harald Reinl und drei Filmfestivals bieten viele neue Filme, aus entlegenen Weltregionen ebenso wie aus Berlin und Brandenburg. Unsere Filmredaktion stellt vor, was in den Berliner Kinos im April außer der Reihe läuft.
3.4. – 7.6. Unbekannteres von Harald Reinl
Harald Reinl hat im Kino der frühen Bundesrepublik einen einschlägigen Ruf durch seine Karl-May-Filme („Der Schatz im Silbersee“), einen „Nibelungen“-Zweiteiler und seine Edgar Wallace-Thriller. Er war also groß investiert in die damaligen Erfolgsrezepte. Hinter diesen Werken, die im Fernsehen lange Zeit zum Alltag gehörten, gerieten aber weitere Arbeiten aus seinem riesigen Gesamtwerk auch in Vergessenheit. Das Zeughauskino hat sich nun vorgenommen, einen umfassenderen Harald Reinl zu präsentieren, mit insgesamt 25 Filmen, zusammengestellt von Tilman Schumacher. Nun kann man den Regisseur auch mit seinen Obsessionen kennenlernen, er war wohl ein Fan der Außerirdischen-These von Erich von Däniken („Erinnerungen an die Zukunft“, 1970), und machte sich einen wahnwitzigen visuellen Reim auf Edgar Allan Poe („Die Schlangengrube und das Pendel“, 1967). Musik kam oft von Peter Thomas! Das Zeughaus trug für die Schau 35mm-Kopien aus aller Welt zusammen. Ein Jahreshöhepunkt. (BR)
Zeughauskino Website
10.–18.4. Human Rights Film Festival Berlin
Unter dem Motto „Where Stories Fight Back“ zeigt das Human Rights Film Festival 24 internationale Dokumentarfilme und rückt dadurch Stimmen in den Mittelpunkt, die in der öffentlichen Debatte oft überhört werden. Der Eröffnungsfilm „Yanuni – Die Stimme des Amazonas“ zeigt den Einsatz der indigenen Aktivistin Juma Xipaia für ihr Volk und den Schutz des Regenwalds. „2000 Meters to Andriivka“ führt an die Frontlinie des russischen Angriffskriegs. Nach seinem oscarprämierten Film „20 Days in Mariupol“ richtet Regisseur Mstyslav Chernov seinen Blick nun auf Soldaten an der ukrainischen Front und ihre persönlichen Geschichten. Der Film „Mothers of Chibok“ begleitet nigerianische Mütter, die über ein Jahrzehnt nach den Boko‑Haram‑Entführungen um Gerechtigkeit kämpfen. (PS)
Kino in der Kulturbrauerei, ACUD Kino, Zeiss Großplanetarium Website
15.–22.4. achtung berlin filmfestival
Zum 22. Mal zeigt das achtung berlin Filmfest Filme und Serien aus Berlin und Brandenburg. Dieses Jahr sind rund 80 Produktionen dabei, unter anderem der Dokumentarfilm „Auch wenn Narben bleiben“, in dem eine junge Tänzerin versucht, nach einem traumatischen Gewaltakt die Kontrolle über ihr Leben zurückzugewinnen. Und der Spielfilm „Fernlicht“, der von einer Berliner Kokain-Taxifahrerin erzählt, die an Silvester von Erinnerungen ans vergangene Jahr überwältigt wird. (PS)
Mehr über das Festival „Achtung Berlin“ 2026 lest ihr hier.
Diverse Orte Website
16.–19.4. Fantasy Film Fest
Das Schönste am Fantasy Film Fest ist die Möglichkeit, Filme zu sehen, die danach nicht wieder auftauchen, meist Arthouse-Horror aus Ländern, die auch sonst wenig in deutschen Kinos präsent sind. Zum Beispiel der ungarische „Feels Like Home“, in dem die gerade arbeitslos gewordene Schuhverkäuferin Rita auf offener Straße gekidnappt wird, um sich in einer Familie wiederzufinden, die sie gar nicht kennt, obwohl alle ihr einzureden versuchen, sie sei ein Teil von ihr. Dient das alles bloß dazu, den absolutistischen „Papa“ bei Laune zu halten, oder steckt noch mehr dahinter? Ein beklemmendes Kammerspiel, das zeigt, dass in Ungarn noch nicht alle nach Orbáns Pfeife tanzen. (FA)