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„Babylon Berlin“: Es ist vorbei – endlich!

Gute Kritiken, weltweiter Verkauf: Nach zehn Jahren geht „Babylon Berlin“ mit der fünften Staffel jetzt in die letzte Runde. Aber nicht alle fanden die Serie so überragend
Text: Lutz Göllner
Veröffentlicht am: 09.09.2026
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Mit der fünften Staffel geht „Babylon Berlin“ zu Ende. Im Bild: Hermann Göring (Devid Striesow, l.), Blank (Sascha Nathan, Mitte) und Döbrich (Maximilian Jaenisch, r.) © Frédéric Batier/X Filme Creative Pool/ARD Degeto Film/WDR/SWR/HR/Radio Bremen/Beta Film
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Es beginnt schon mal mit der Kooperation zwischen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten und dem privaten Sender Sky/Wow (heute HBO/Max), die man eher skeptisch sehen kann. Nicht nur, weil die Ergebnisse in Form von Serien wie „Das Boot“ (der Zweite Weltkrieg als Abenteuerspielplatz für echte Jungs) höchst medioker waren. „Der Pass“ etwa, eine zunächst recht gute Variation des skandinavischen Krimis „Die Brücke“, brach mit der zweiten Staffel vollständig in sich zusammen. Auch die Praxis, dass man Inhalte, die mit unser aller Rundfunkbeitrag bezahlt wurden, erstmal exklusiv einem kleinen Kreis von Abonnenten zugänglich machte und erst Monate später den Leuten zeigte, die den Bumms bezahlt hatten, ist doch fragwürdig. Hätte es nicht fairerweise andersrum laufen müssen?

Eine Episode „Babylon Berlin“ ist ungefähr viermal so teuer wie ein „Tatort“

Und dann kam im Jahr 2017 die Serie „Babylon Berlin“, nach den vielgeliebten Romanen von Volker Kutscher (der wiederum eindeutig vom Schotten Philip Kerr und seinen großartigen „Berlin Noir“-Romanen inspiriert war), inszeniert von Tom Tykwer. Mit einem Budget von 38 Millionen Euro alleine für Staffel 1 die „teuerste deutsche Serie aller Zeiten“, die Kritik überschlug sich: „effizient“, „stimmig“, „akkurat“ und „subtil“ sei das geworden, eine Serie der „Superlative“, so der Deutschlandfunk; zum Vergleich: Eine Episode „Babylon Berlin“ ist ungefähr viermal so teuer wie ein „Tatort“.

Dieser TV-Kritiker hier jedoch rieb sich angesichts der flachen Bilder, der Avanti-Dilletanti-Computertricks aus der Zeit der Jahrtausendwende und des Soundtracks, der klang wie ein Helene-Fischer­-Technoschlager auf Tranquilizer, Augen und Ohren. Und dann erst der inhaltliche Dummfug: Da tauchten Grenzstädte auf, die nie auch nur in der Nähe einer Grenze lagen. Wie schmuggelt man einen Zug voller Goldbarren unauffällig von Moskau nach Berlin, wenn an der polnischen Grenze alle Waggons mit einem Kran von russischer Breitspur auf europäische Normalspur umgeladen werden müssen? Sicher kann eine TV-Serie nicht die Subtilität einer literarischen Vorlage erreichen, aber konnte man in den 20er Jahren wirklich alle Kommunisten an ihren doofen Lenin-Mützen erkennen? Und dann die Figuren – von der Nebenfigur eines Polizeifotografen bis hin zur Hauptperson Charlotte Ritter – die sich immer seltsam eklektisch benahmen: Wie schafft die arme Charlotte die harte Vierfach-Belastung als Polizei-Sekretärin, Jura-Studentin, Familienernährerin und Teilzeit-Prostituierte?

Volker Kutscher, der Autor der Romanvorlagen, hat etwas sehr Kluges getan: Er schweigt zur TV-Serie. Dabei könnte er durchaus Kritikpunkte äußern, etwa, dass seine exakt recherchierten Romane sehr frei adaptiert wurden. Oder dass die ständig versuchte Gleichsetzung der Roaring Twenties mit unserer Jetztzeit dann eben doch etwas ahistorisch ist. Politische Strukturen, Parteien, die Gesichertheit des demokratischen Systems, das alles war vor 100 Jahren eben doch ganz anders als heute.

„Babylon Berlin“ hat wirre Dramaturgie zwischen Actionkino-Klischees und komplett verballerten Verschwörungstheorien

Letztlich verwirrt sich „Babylon Berlin“ auch noch in einer wirren Dramaturgie irgendwo zwischen Actionkino-Klischees und komplett verballerten Verschwörungstheorien. Das ist eben nicht, wie in der US-Polizeiserie „The Wire“, ein Porträt einer Gesellschaft im Wandel, das ist weder Sjöwall/Wahlöö, noch Balzac. Das ist reine Kolportage à la Karl May oder Heinz G. Konsalik.

Gut, dass es jetzt vorbei ist.

P.S.: 2027 startet bei Apple+ die Serie „Berlin Noir“ nach den Romanen von Philipp Kerr, mit Jack Lowden („Slow Horses“) in der Hauptrolle. Wird bestimmt SUPER!

ARD Mediathek 8 Folgen à 45 Minuten, ab 10.9.2026


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