„Dao“ ist eine Feier des Kinos

In der Gerüchteküche vor der Berlinale hieß es, dass „Dao“ nur deswegen in Berlin im Wettbewerb gezeigt werden konnte, weil Cannes den sechsten Film des französischen Regisseurs Alain Gomis abgelehnt habe. Sollte dies stimmen, würde es bestätigen, dass auch die dortige Auswahlkommission nicht immer richtig entscheidet und sich in diesem Fall einen zwar ausufernden, manchmal auch überbordenden, aber künstlerisch enorm ambitionierten, in jeder seiner über 180 Minuten Länge faszinierenden Film hat entgehen lassen.
„Dao“ spielt in Frankreich und in Guinea-Bissau
Alain Gomis wurde in Frankreich geboren, seine Eltern stammten aus dem westafrikanischen Senegal, wo etliche seiner Filme angesiedelt waren. „Dao“ nun spielt in Frankreich und in Guinea-Bissau, in Afrika und Europa, zwischen zwei Kontinenten, die auf vielfältige Weise verbunden sind, nicht zuletzt durch die Kolonialzeit und die moderne Migration, zwei Kontinenten, die viel zu trennen scheint, die aber – das zumindest ist Gomis These – sehr viel mehr verbindet, als es auf den ersten Blick den Anschein hat.
„Dao“ beginnt mit Aufnahmen des Castings für den Film selbst, lässt die Schauspielerinnen über ihre Erfahrungen berichten, bevor sie langsam in ihre Rollen wechseln. Mit diesem Kniff verwischt Gomis die Grenzen zwischen Fiktion und Realität, wodurch das Folgende noch dokumentarischer, noch authentischer wirkt. Zwei große Feiern strukturieren die lose Handlung: In Guinea-Bissau besucht Gloria (Katy Correa) die Trauerfeier ihres Vaters, begleitet wird sie von ihrer Tochter Nour (D’Johé Kouadio), die zum ersten Mal nach Afrika reist und sich so auf die Spuren ihrer Vorfahren begibt.
In „Dao“ lassen die Männer den Macho raushängen
Einige Zeit später heiratet Nour in Frankreich, in einem mondänen Gut auf dem Land findet das ausgelassene Fest statt. Hier wie da wird gefeiert, getrunken, getanzt, doch so unterschiedlich die von alten und neuen Traditionen geprägten Feierlichkeiten auf den ersten Blick auch wirken, nach und nach deutet Gomis an, dass sich am Ende wenig geändert hat.
Besonders die Männer agieren in beiden Welten ähnlich, lassen den Macho raushängen, schnell droht ein Streit gewalttätig zu werden, auch die komplizierten Verwandtschaftsverhältnisse werden deutlich, Halbgeschwister treffen aufeinander, die den selben Vater teilen, der jedoch oft durch Abwesenheit glänzt. Auch in der neuen Heimat leben die Traditionen weiter, in nicht immer erfreulichen Werten und Wertvorstellungen, in denen gerade die Rolle der Frau sich kaum verändert zu haben scheint.