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Sandra Hüller schickt einen Mann ins All: „Der Astronaut – Project Hail Mary“

Ryan Gosling muss die Welt retten: Der Science-Fiction-Film „Der Astronaut – Project Hail Mary“ erzählt von Sternen weit hinter dem Horizont
Text: Bert Rebhandl
Veröffentlicht am: 18.03.2026
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Vom Physiklehrer zur letzten Hoffnung der Menschheit: Ryan Gosling spielt einen Weltenretter wider Willen in „Der Astronaut – Project Hail Mary“. Foto: 2026 Amazon Content Services LLC. All Rights Reserved. 

Der Dreifachstern 40 Eridani, auch genannt Eierschale, hat in der Science Fiction einen wichtigen Stellenwert, denn er beleuchtet die Heimat eines Mannes vom Planeten Vulkan: Mister Spock kommt von dort. Als wäre das nicht schon genug, hat der Autor Andy Weir, bekannt geworden mit „Der Marsianer“, vor fünf Jahren einen weiteren Eridianer erfunden, der es auch zu einiger Beliebtheit bringen dürfte: Er heißt Rocky, und sieht aus wie eine steinerne Spinne. Oder ein Krebs aus dem Meer, in jedem Fall ein Krabbeltier, nur halt irgendwie felsig. Rocky ist nicht sein richtiger Name, er bekommt ihn von einem Mann, den er in den Tiefen des Kosmos trifft, von dem Astronauten Ryland Grace. Der wurde von der Erde auf eine dringende Mission geschickt. Denn in dem Sonnensystem, in dem Venus, Erde, Mars und Kollegen ihre Runden drehen, droht es kalt zu werden. Ein kosmischer Parasit ist aufgetaucht und macht dem Fixstern zu schaffen, von dem auf der Erde alles abhängt. Es geht also wieder einmal um die letzten Dinge, wie eigentlich immer in dem Genre, das den Menschen ihren Platz im Kosmos zu erklären versucht.

Ryland Grace ist in dem Film „Der Astronaut – Project Hail Mary“ vermutlich der einsamste Mensch aller Zeiten. Wenn er mit der Erde in Kontakt treten will, braucht die Nachricht elf Jahre. Trotzdem ist es irgendwie gelungen, ihn mit einem Schiff in das System Tau Ceti zu bringen, wo er die Parasiten (Astrophagen, also Sternenfresser) studieren soll. Und wie es sich trifft, ist in diese Gegend auch ein Schiff gekommen, das einen Eridianer enthält. Schon das Design lässt erkennen, dass nicht alle im Weltall die gleichen Ideen haben können: Rockys Schiff sieht aus wie ein Riesen-Mikado.

Sandra Hüller bleibt in ihrer bisher größten Mainstream-Rolle relativ abstrakt

Die Verfilmung von Andy Weirs im Kern seriösem Roman durch Phil Lord und Chris Miller kann sich nicht so richtig entscheiden, ob sie es eher mit Stanley Kubrick („2001 – Odysee im Weltraum“) oder mit Steven Spielberg („E.T. – Der Außerirdische“) halten soll. Eigentlich geht es ja um lauter erhabene Sachen: das potentielle Ende der Welt, eine gefräßige Superspezies an der Grenze zwischen Chemie und Physik, so Sachen halt. Doch als Ryland Grace als einziger Überlebender einer von vornherein kleinen Besatzung auf seinem Schiff erwacht, und sich als nerdiger Mittelschullehrer entpuppt, stehen die Zeichen schon deutlich auf Kinderkram. Ryan Gosling holt alles aus sich heraus, was er für seinen jugendlichen Charme hält. Auf der Erde (in Rückblenden) treibt ihn die Wissenschafts- und Krisenmanagerin Eva Stratt vor sich her – Sandra Hüller bleibt in ihrer bisher größten Mainstream-Rolle relativ abstrakt.

Der Knüller des Films aber ist Rocky, der deutlich auf ein sehr junges Zielpublikum hin modelliert ist. Wobei das gar nicht so leicht ist, denn anders als E.T. hat er kein Gesicht, aber die entsprechenden Kuscheltier-Reflexe löst er trotzdem alle aus. Mit oft pompöser Musik und den obligaten Katastrophen-Momenten setzt „Der Astronaut – Project Hail Mary“ die entsprechenden Häkchen in der Aufgabenliste eines großen Science-Fiction-Films. Vor allem zum Ende hin wird es dann aber echt umständlich, und alles wird mehrfach auserzählt. Das Genre hatte im 21. Jahrhundert schon viele echte Höhepunkte (von „Gravity“ bis „Arrival“). „Der Astronaut – Project Hail Mary“ zählt da sicher nicht dazu.

Der Astronaut – Project Hail Mary USA 2026; 157 Min.; R: Phil Lord, Chris Miller; D: Ryan Gosling, Sandra Hüller, Lionel Boyce, Ken Leung; Kinostart: 19.3.


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