Abgeschiedene Insel: „Der Heimatlose“ sucht nach Zugehörigkeit

Ein junger Mann kommt in eine kleine Inselgemeinde. Er behauptet, es sei sein Heimatort, den er 14 Jahre zuvor verlassen hatte. Doch die Dorfbewohner erkennen ihn nicht wieder. Wie dem Landvermesser K. in Kafkas rätselhaftem Roman „Das Schloss“ begegnen sie ihm mit Argwohn und Misstrauen, eine grotesk anmutende Gerichtsverhandlung soll über sein Bleiben entscheiden.
„Der Heimatlose“ spielt mit Verfremdungseffekten
Der im Sauerland aufgewachsene Wahlberliner Kai Stänicke verarbeitet in seinem Spielfilmdebüt über Identitätsfragen, Konformitätsdruck und Vergangenheitsbewältigung eigene Erfahrungen. Für die schauspielerisch solide, theaterhafte Inszenierung eines historischen Dramas wurde auf Norderney eine Freilichtbühne errichtet mit rudimentären Holzhauswänden und spärlichem Mobiliar, ein Verfremdungseffekt frei nach Brecht. Diese Technik (geschuldet auch dem geringen Budget) sorgt für Desillusionierung und Distanz zum Geschehen, das wiederholt von fern aus der Vogelperspektive gefilmt ist.
Paul Boche, ein Fotomodell aus Eisenach mit einer an Klaus Kinski erinnernden Mundpartie, verkörpert mit nuancierter Mimik eine innerlich zerrissene Persönlichkeit mit dem Wunsch nach Geborgenheit und Nähe bei gleichzeitiger Sehnsucht nach Freiheit. Als einziger Mann ohne Bart wirkt er schon äußerlich wie ein Fremdkörper. Sympathie bringt ihm nur seine vermeintliche Schwester entgegen, sein einstiger Busenfreund verhält sich ablehnend, den Grund dafür erfährt man am nicht wirklich überraschenden Schluss.