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Verlängerung der Modestrecke: „Der Teufel trägt Prada 2“

Meryl Streep, Anne Hathaway, Emily Blunt sind zwanzig Jahre später alle wieder dabei bei der Fortsetzung des Kinohits von 2005
Text: Bert Rebhandl
Veröffentlicht am: 29.04.2026
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Meryl Streep und Anne Hathaway kehren in „Der Teufel trägt Prada 2“ zu ihren ikonischen Rollen zurück. © Macall Polay; 2025 20th Century Studios. All Rights Reserved.

Wenn der Teufel Prada trägt, dann muss es in der Hölle wohl auch Geschäfte geben. Die darf man sich wohl nicht als exklusive Shops vorstellen, sondern als schreckliche Folter-Malls. Vielleicht gibt es sogar ein KaDeHö, ein Kaufhaus der Hölle, das Marken führt, die auch all den Unterteufeln gut stehen. „Der Teufel trägt Prada“ war ein sehr prägnanter Titel damals in den frühen nuller Jahren, zuerst für den Roman von Lauren Weisberger, dann für den Film von David Frankel, mit Meryl Streep in der Hauptrolle der Chefredakteurin Miranda Priestly, der man es nicht leicht recht machen konnte. Die frisch gefangene Redakteurin Andy musste durch eine harte Schule, fand sich aber schließlich zurecht in der Welt der Haute Couture, der Models, der Fotostrecken und der exklusiven Gesellschaften. Ihre Vorstellungen von Journalismus konnte sie dann aber doch besser bei einer anderen Zeitung verwirklichen.

Und nun müssen wir uns vorstellen, dass sie auch danach nicht glücklich wurde, denn zu Beginn der Fortsetzung „Der Teufel trägt Prada 2“ arbeitet Andy für die Publikation New York Vanguard, also nicht mehr für den Mirror, zu dem sie damals gewechselt war. Sie ist gerade im Begriff, einen Preis in Empfang zu nehmen, da macht es Ping nicht nur auf ihrem Handy: Kündigung per Textnachricht. Die Sitten sind offensichtlich rau im amerikanischen Journalismus. Doch zum Glück gibt es joviale Verleger. Der Besitzer des Modemagazins Runway schenkt Andy einen Job. Und damit ist alles fast wieder so wie im Jahr 2005, nur sind alle zwanzig Jahre älter: Meryl Streep ist wieder Miranda Priestly, Ann Hathaway verleiht Andy ein wenig New Yorker Straßentauglichkeit, Emily Blunt ist erneut die Rivalin, und Stanley Tucci macht wie gehabt den Art Director, der alles auf Kurs hält.

„Der Teufel trägt Prada 2“: Der gleiche Film nochmal

Die Neuauflage versucht also nach Kräften, den gleichen Film unter neuen Umständen noch einmal zu machen. Harry Potter spielt keine Rolle mehr, dafür sind die reichen Leute heute noch reicher. Eine der Pointen von „Der Teufel trägt Prada 2“ zielt auf das Privatleben eines bestimmten Supermilliardärs: Gab es da nicht neulich eine sündteure Scheidung? Und kann sich dieser Tech-Mogul nicht jedes journalistische Produkt der Welt leisten? Wenn jemand für seine Hochzeit ganz Venedig für eine Weile zum Stillstand bringen kann, dann wird das einer Filmproduktion wie „Der Teufel trägt Prada 2“ In Mailand auch gelingen. Justin  Theroux spielt jedenfalls eine recht durchschaubare Karikatur eines heutigen Oligarchen, und Andy gelingt ein Coup mit seiner Scheidungswitwe.

Im Übrigen ist alles weitgehend wie gehabt: New York bleibt der Nabel der Welt, die Hamptons messen sich am Comer und am Gardasee, nur bei Meryl Streep fehlt es an arroganter Schärfe, sie wirkt ein ganz klein wenig gelangweilt von dem hektischen Treiben. Für Eingeweihte gibt es wieder zahlreiche Gastauftritte, von Donatella Versace bis Lady Gaga. Für Andy gibt es eine von Drehbuchautorin Aline Brosh McKenna eher vernachlässigte Liebesgeschichte, dieses Mal macht der Traummann nicht in Saucen, wie damals Nate, sondern in Häusern. Es ist eben alles ein wenig profaner in dieser Fortsetzung, die von einer echten Komödie doch einigermaßen weit entfernt ist.

Dafür hätte es gebraucht, was man auf Englisch „sharpness“ nennt, und was nicht ganz das Selbe ist wie Schärfe. Sharpness schadet auch nicht, wenn sich jemand gut anziehen will. Und Sharpness gibt es weder von der Stange noch in der teuersten Boutique, noch lässt sie sich programmieren. „Der Teufel trägt Prada 2“ wirkt tatsächlich wie ein Fingerübung für den heutigen Stand von KI: Einmal den gleichen Film zwanzig Jahre später, und dann einmal originell tun. In der Hölle der ewigen Fortsetzungen winkt dafür schon ein schönes, heißes Plätzchen.

Der Teufel trägt Prada 2 (The Devil Wears Prada 2) USA 2026; 119 Min.; R: David Frankel; D: Meryl Streep, Anne Hathaway, Emily Blunt, Stanley Tucci; Kinostart: 30.4.


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