Drecksarbeit und prekäres Leben im Niedriglohnsektor

Heike Kamp legt Wert auf einen Unterschied: „Wir putzen nicht, wir reinigen.“ Sie ist Objektleiterin in einem großen Unternehmen, das überall dort den Dreck beseitigt, wo tagsüber Kunden verkehren oder Menschen vorsprechen und alles picobello sein muss. Fünf Jahre soll das für Heike in „Ich verstehe Ihren Unmut“ noch so weitergehen, dann hätte sie zumindest Grundrente. Doch die Arbeit wird immer schwieriger. Die Margen sind knapp im Niedriglohnsektor, das Personal ebenso, dort streckt jemand die chemischen Mittel, dort arbeitet jemand nachlässig.
„Ich verstehe Ihren Unmut“ basiert auf umfangreichen Recherchen
Kilian Armando Friedrich erzählt in „Ich verstehe Ihren Unmut“ vom prekären Leben in einem Bereich, in dem Menschen mit geringer formaler Bildung und häufig migrantischen Hintergründen auf ein knallhartes System von Auftragsweitergaben und Subunternehmerschaft treffen. Heike ist in diesem System ein nicht ganz kleines Rad, aber ihre Schwungkraft ist beschränkt. Gespielt wird sie von der beeindruckenden Sabina Thalau, die für den Regisseur auch so etwas wie eine erste Auskunftsperson war: Denn „Ich verstehe Ihren Unmut“ beruht auf umfangreicher Recherche.
Für einen Dokumentarfilm wären aber wohl die rechtlichen Hürden zu groß gewesen, und so geht Friedrich nun, immer mit Heike im Bild, mit einem dokumentarischen Spielfilm an einen wunden Punkt: Er macht unsichtbare Arbeit sichtbar. Eine Pflichtvorführung im Bundestag wäre dem Film mindestens zu wünschen, der bei aller Schonungslosigkeit in der Darstellung auch nach positiven Perspektiven sucht.
Ich verstehe Ihren Unmut D 2026; 93 Min.; R: Kilian Armando Friedrich; D: Sabine Thalau, Nada Kosturin, Werner Posselt, Kinostart: 4.6.
Steven Spielberg glaubt an Aliens und unser Kritiker ist begeistert. Hier lest ihr unsere Kritik zu „Disclosure Day“. Die Feelgood-Schnulze soll progressiv wirken: Unsere Kritik zu Sommer auf Asphalt mit Mala Emde und Christoph Maria Herbst lest ihr hier. Die Post-Barbie-Offensive geht weiter: Wie sich He-Man in „Masters of the Universe“ schlägt, erfahrt ihr in unserer Kritik. Fader Start in die Blockbuster-Saison: Hier geht es zu unserer Kritik zu „The Mandalorian and Grogu“. Ein Epos, das der Welt eine Vision geben könnte: unsere Rezension zu „Palästina 36“ lest ihr hier. Hugh Jackmann liest Schafen Krimis vor: „Glennkill“ ist ein etwas klamaukiger, aber charmanter Krimi. Viel deutsche Präsenz bei den Filmfestspielen in Cannes: Volker Schlöndorffs Romanverfilmung „Heimsuchung“ mit Lars Eidinger und Martina Gedeck. Kontroverses Märchen um den King of Pop: Hier lest ihr unsere Kritik zum Michael-Jackson-Biopic „Michael“ von Antoine Fuqua. Sandra Hüller schickt Ryan Gosling ins All: „Der Astronaut – Project Hail Mary“ ist Sci-Fi-Mittelmaß. Das satirische Drama „Once Upon a Time in Gaza“ sucht nach einem Kino gegen die Hamas. Der Letzte seiner Art in Berlin: Götz Valien malt Kinoplakate. Keine Lust mehr auf die Streaming-Riesen? Berliner Alternativen zu Netflix, Amazon Prime Video, Disney+ und Co. Blick zurück aufs Kinojahr 2025: Die Lieblingsfilme der tipBerlin-Redaktion. Was läuft sonst? Hier ist das aktuelle Kinoprogramm für Berlin. Mehr aus der Filmwelt lest ihr in unserer Kino-Rubrik.