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Die Serie „Etty“ verlegt die Vergangenheit in die Gegenwart

Basierend auf wahren Begebenheiten erzählt die sechsteilige Serie von zwei Verfolgten des NS-Regimes
Text: Katharina Dockhorn
Veröffentlicht am: 02.06.2026
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Julia Windischbauer als Titelfigur Esther „Etty“ Hillesum. © Reiner Bajo

Die Welt, in der sich Esther „Etty“ Hillesum und der von ihr verehrte Professor Julius Spier bewegen können, wird immer kleiner. Vor wenigen Jahren ist der Psychoanalytiker vor den Nazis aus Deutschland nach Amsterdam geflüchtet. Nun haben ihn die Häscher eingeholt und bedrohen auch das Leben von Etty und ihrer Familie.

Das Schicksal der beiden Intellektuellen während des Holocaust ist dank des Tagebuchs von Etty Hillesum und ihrer Briefe bekannt, die 1981 erstmals veröffentlicht wurden. In den Niederlanden wurde Anfang des Jahrtausends ihr Gesamtwerk veröffentlicht. In Deutschland wurde es erst 2023 publiziert.

Die Serie „Etty“ geht sparsam mit Symbolen der faschistischen Schreckensherrschaft um

Doch die Serie, die bei den Filmfestspielen von Venedig 2025 ihre Premiere feierte, lässt sich nicht so einfach als Vergangenes wegschieben. Sie berührt und verstört nachhaltig, da der israelische Regisseur Hagai Levi das Geschehen ins Amsterdam von Heute verlegt. Wobei er sparsam mit den bekannten Symbolen der faschistischen Schreckensherrschaft umgeht. Keine großen Fahnen, keine Paraden. Etty Hillesum und Julius Spier leben mitten unter uns, was ein beklemmendes Gefühl auslöst.

Im März 1941 begann die zu Depressionen neigende Holländerin, deren Mutter vor den Pogromen aus Russland geflüchtet war, eine Therapie bei Spier. Er soll ihr auch geraten haben, ihre Gedanken einem Tagebuch anzuvertrauen. Mit großer Klarheit seziert sie ihre schleichende Entrechtung im Kontext mit ihrer Spiritualität. Sie setzt auf Gott, der dem Spuk ein Ende und den Menschen helfen müsse. Vergeblich. Sie engagiert sich im Lager Westerbork, wo die Nazis die niederländischen Menschen jüdischen Glaubens vor der Deportation zusammenpferchten.

Diese Erfahrungen prägen das wechselvolle Auf und Ab in ihrem Verhältnis zu Spier, das in eine intime Beziehung gemündet war. Als Spier bei den deutschen Besatzern seine Aufenthaltgenehmigung verlängern muss, folgt eine der stärksten Szenen. Er analysiert die Motive seines jungen Gegenübers als Mitläufer, der nur widerwillig seinen Dienst versieht. Levi taucht tief in die Psyche der verfolgten Menschen und ihrer Häscher ein, und gerade dies macht die Verlegung in eine Gegenwart so plausibel, in der rassistisches und antisemitisches Gedankengut wieder hoffähig geworden ist.

Etty Arte Mediathek, seit 13. Mai, 6 Episoden, 42-75 Min


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