Filmförderung: Lauer Applaus für Weimer

Andrew Garfield und Jude Law stehen für den Achtteiler „Wild Things“ als Siegfried & Roy vor der Kamera. Gedreht wird in Babelsberg, möglich macht es der German Motion Picture Fund (GMPF), der den Dreh der Serie für Apple mit 20 Millionen Euro unterstützt.
Die Entwicklung ist angesichts der verwässerten Reform der Filmförderung wenig überraschend. Das im Februar 2024 von Kulturstaatsministerin Claudia Roth angekündigte Projekt sollte das Filmland Deutschland ins 21. Jahrhundert hieven. Ihr Ansatz bestand aus drei Säulen: Der Überarbeitung des Filmfördergesetzes (FFG), das zum Jahresende 2024 beschlossen wurde. Der Einführung einer Investitionsverpflichtung für Streamer und Fernsehsender, die 20 Prozent ihres deutschen Umsatzes in heimische Produkte investieren sollten. Das modifizierte Gesetz mit einer Quote von nur noch 8 Prozent soll nun Ende des Jahres vom Bundestag verabschiedet werden.
Vor allem sollte Deutschland ein Steueranreizmodell bekommen, wie es sich weltweit bewährt hat. Die Staaten unterstützen heimische Produktionsfirmen, in dem sie bis zu 40 Prozent des Budgets eines Projekts übernehmen. Klingt verrückt. Lohnt sich trotzdem, wie Malta, Tschechien oder Ungarn beweisen. Insbesondere Drehs aus Hollywood spülen ein Vielfaches an Steuern und Sozialabgaben in die Staatskasse. Zudem befeuern sie den Tourismus.
Streamingdienste profitieren von den Filmförderfonds
Die Bundesregierung kann das Modell nur mit Zustimmung der Länder einführen, doch die sagten nein zu dem Vorschlag. So bleibt es beim Sonderweg mit dem Deutschen Filmförderfonds (DFFF1) fürs Kino, dem Deutschen Filmförderfonds 2 (DFFF2) für die technischen Dienstleister, und dem GMPF für Serien, die den Nachteil haben, dass die Etats jährlich neu ausgehandelt werden. Nach dem ersten Halbjahr 2026 zeichnen sich massive Verschiebungen zwischen den Töpfen ab – vom Kinofilm zu Serien, weg vom Löwenanteil für Produktionen deutscher Fernsehsender zu den Streamingdiensten. Knapp 55 Millionen Euro erhielten deutsche Firmen von Serien für die Streamer, an Produzenten für ARD und ZDF gingen nur 15.

Größter Profiteur ist Apple. Für „The Alex“ des Studio Babelsberg sowie die zweite Staffel von „Krank“ wurden 14 Millionen Euro vom Steuerzahler automatisch bewilligt. Netflix profitiert von 22 Millionen für „Alphamännchen 2“, „Himmel und Hölle“ sowie den Nazi-Spionagethriller „The Boys from Brazil“ mit Jeremy Strong, Daniel Brühl und August Diehl. Amazon setzt auf „Legacy of Spies“ nach John Le Carre mit Daniel Brühl, Matthew Macfadyen und Charlie Hunnam. Disney gab grünes Licht für „Monster“. Während die ARD bei „The Death of Sherlock Holmes“ mit Rafe Spall und Deleila Piasko in den Hauptrollen die Kooperation mit Sky Schweiz fortsetzt.
Sprache und kulturelle Prägung
Von der Politik wird das Engagement der Streamer gerne gesehen –und gefördert. Ende Mai beschloss die Bundesregierung, die Aufstockung des Gesamtetats von DFFF und GMPF auf 250 Millionen Euro. Zugleich kündigte sie ein Medieninvestitionsgesesetz an, das für heiße Diskussionen in der Branche sorgt.
Die deutsche Sprache oder eine kulturelle deutsche Prägung soll für 70 Prozent der Projekte verpflichtend sein, was nicht auf die Liebe der Auftraggeber stößt. Eine Kinoquote wie in Frankreich und von Claudia Roth vorgesehen, wurde jedoch nach Einwänden der Streamingdienste gestrichen. Die deutsche Produzentenschaft moniert die geringe Höhe der Verpflichtung, obwohl der europäische Durchschnitt unter 6 Prozent liegt. Sie hätte sich 20 Prozent wie in Frankreich gewünscht. Ein alarmierendes Zeichen ist, dass die durchschnittlichen Budgets von Kinofilmen seit zwei Jahren fallen. Die Firmen können wahrscheinlich die Finanzierung nicht stemmen, bei der sie mit 50 Prozent aus unterschiedlichen Förderquellen planen. Die regionalen Fördertöpfe wurden jedoch nur in Berlin und Hamburg aufgestockt.
Fillmförderung: Wohin zieht es das Publikum?
Doch nicht genug der schlechten Nachrichten. Im Entwurf des Bundeshaushalts 2027 sind 204 Millionen Euro plus 60 Millionen Verpflichtungen für die wirtschaftliche Produktionsförderung vorgesehen. Damit das Geld reicht, will das BKM die geforderten Mindestbudgets verdoppeln. Viele kostengünstige Dokumentar- und Arthousefilme sowie Fernsehdokus fallen durchs Raster. Zudem haben die amerikanischen Streamingdienste in Frankreich gegen die Investitionsverpflichtung geklagt, nachdem Netflix im Vorjahr in Wallonien die Gerichte angerufen hatte. In Deutschland hat Amazon ein Gutachten des ehemaligen Verfassungsrichters Udo Di Fabio vorgelegt, der die Rechtmäßigkeit des Entwurfs in Frage gestellt. Seine Argumentation können auch die deutschen Fernsender unterschreiben.
Doch nicht nur, wenn das Gesetz in einigen Jahren vom europäischen Gerichtshof beanstandet wird, wird sich die deutsche Filmwirtschaft die von Wolfram Weimer favorisierten freiwilligen Verpflichtungen von Sendern und Streamern zurückwünschen. Sie garantierten die Schaffung von Arbeitsplätzen in Deutschland, während das Gesetz nur einen Dreh in Europa vorschreiben darf. Der Minister und die Branche werden wohl nicht mehr beste Freunde. Monika Grütters und Bernd Neumann wurden für jede Million mehr für DFFF oder GMPF frenetisch gefeiert. Für Wolfram Weimer gab es bei der Lola-Verleihung ein laues Appläuschen für eine Verdoppelung des Etats.
Last but not least stellt keiner die Frage, wohin es das Publikum zieht, wenn gut ausgestattete Serien mit schlecht budgetierten Kinoproduktionen konkurrieren. Ganz abgesehen davon, dass die Attraktivität des Angebots der etablierten Fernsehsender gegenüber der Konkurrenz weiter leidet.