Filmreihen und Werkschauen im Juli

Revolutionäres Stoffe aus Spanien, wichtige Figuren der deutschen Filmgeschichte und die Zukunft des Kinos als sozialer Raum: Auch neben dem regulären Programm hat die Berliner Kinolandschaft im Juli viel zu bieten. Unser Filmredakteur stellt die wichtigsten Retrospektiven und Reihen vor.
3.-5.7. Cinema of Commoning
Das Sínema Transtopia macht sich in Form eines dreitätigen Kongresses Gedanken über die Zukunft von Kinoräumen.
Sínema Transtopia Lindower Str. 20/22/Haus C, Mitte, Infos online
4.7.-6.9. In weiter Ferne, so nah! Tschechische und slowakische Kinolandschaften
Das Kino der damals noch kommunistischen Tschechoslowakei war in den Jahren um den tragischen Prager Frühling 1968 herum für eine Weile weltberühmt: Miloš Forman (der später mit „Einer flog über das Kuckucksnest“ in Hollywood ein Star wurde) oder Věra Chytilová gehören heute zum Kanon der Weltkinos. Die von Ralph Eue gemeinsam mit dem Wiener Verein Synema kuratierte Schau präsentiert dazu nun Vor- und Nachgeschichten: eine äußerst interessante Filmgeschichte zweier Nachbarländer, zurück bis in die Jahre vor dem Zweiten Weltkrieg und bis über das des real existierenden Sozialismus hinaus. Das Zeughauskino, das Kino des Deutschen Historischen Museums, wird seiner wichtigen kulturpolitischen Rolle einmal mehr souverän gerecht.
Zeughauskino Hinter dem Gießhaus 3, Mitte, Infos online
9.-31.7. A las barricadas! Bürgerkrieg und Revolution in Spanien
90 Jahre nach dem faschistischen Putsch gegen die Republik in Spanien zeigt das Kino in der Brotfabrik eine Reihe von Filmen zum Thema aus unterschiedlichsten Kontexten. So steht zum Beispiel der DEFA-Klassiker „Fünf Patronenhülsen“ neben dem oder gegen den skandalösen Fliegerfilm „Solange du lebst“ von Harald Reinl. Dokumentarfilme sowie Filme aus der Produktion der CNT (der anarchosyndikalistischen Gewerkschaften) komplettieren das großartige Programm.
Kino in der Brotfabrik Caligariplatz 1, Pankow, Infos online
16.-30.7. Laura Tonke
Das Arsenal präsentiert eine längst fällige Schau zu einer wichtigen Schauspielerin im heutigen Deutschland: Laura Tonke, bekannt geworden 1991 mit „Ostkreuz“ von Michael Klier, kann Mainstream und Autor:innenkino. Die Auswahl bietet auch eine kleine Subgeschichte des neueren Kinos in und aus Berlin.
Arsenal silent green Kulturquartier, Plantagenstr. 30, Wedding, Infos online
22.-24.7. Alf Bold
Alf Bold (1946-1993) wäre in diesem Jahr am 23. Juli 80 Jahre alt geworden. Er kam 1970 zum Arsenal, als der Verein in der Welserstraße sein eigenes Kino eröffnete, und wurde bald zu einer wichtigen Figur vor allem für die Sammlung und Vermittlung von Experimentalfilm. Zur Erinnerung an Alf Bold gibt es drei Tage hintereinander zuerst die Kafka-Adaption „Klassenverhältnisse“ von Straub/Huillet und danach Programme mit wichtigen Werken des experimentellen Kinos, alle analog, alle aus der Sammlung.
Arsenal silent green Kulturquartier, Plantagenstr. 30, Wedding, Infos online
Der Rächer der Enterbten ist zurück im Kino, und das ungewohnt brutal: In „The Death of Robin Hood“ zeigt Hugh Jackman das Handwerk des Tötens. Vom YouTube-Video zum starbesetzten Kinofilm: Unsere Kritik zum richtig gruseligen „Backrooms“ findet ihr hier. Der Tag der Wahrheit ist hier: In „Disclosure Day“ bekennt sich Steven Spielberg zu Aliens. Ein Epos, das der Welt eine Vision geben könnte: unsere Rezension zu „Palästina 36“ lest ihr hier. Hugh Jackmann liest Schafen Krimis vor: „Glennkill“ ist ein etwas klamaukiger, aber charmanter Krimi. Der Letzte seiner Art in Berlin: Götz Valien malt Kinoplakate. Keine Lust mehr auf die Streaming-Riesen? Berliner Alternativen zu Netflix, Amazon Prime Video, Disney+ und Co. Blick zurück aufs Kinojahr 2025: Die Lieblingsfilme der tipBerlin-Redaktion. Was läuft sonst? Hier ist das aktuelle Kinoprogramm für Berlin. Mehr aus der Filmwelt lest ihr in unserer Kino-Rubrik.