Filmstarts im August: Die Highlights des Kinomonats

Zugegeben, ein Kino-Epos in der Größenordnung von „Die Odyssee“ steht im August nicht an. Und doch wartet der Monat mit einer großen Zahl spannender, kleiner Filmperlen auf. Damit ihr den Überblick behaltet, stellt unsere Filmredaktion die wichtigsten neuen Filme im August vor.
„Nightborn“

Für Saga ist das einsam in den Wäldern gelegene Haus eine Rückkehr in die Kindheit. Ihr Ehemann, der eher sachlich-nüchterne Brite Jon, fremdelt zunächst mit dieser Bruchbude, gibt jedoch dann sein Bestes, um daraus ein vertrautes Heim für die Familie zu machen. Die Verbundenheit mit der Natur erscheint in „Nightborn“ als eine zweischneidige Angelegenheit. Wir mögen sie bewundern, haben aber auch die Vorahnung, dass von dort Gefahr droht. Die Geburt des Kindes ist jedenfalls keine leichte für Saga. „Warum sieht es so hässlich aus?“, fragt ein Mädchen. Aber vielleicht hat Saga ja auch nicht Jons Sohn zur Welt gebracht, sondern ein Kind des Waldes, laut der nordischen Mythologie bevölkert von Trollen. Bei allem Körperhorror, den der Film entfaltet, erzählt er nicht zuletzt von Mutterschaft, von Schuldgefühlen, von Natur und zugeschriebener weiblicher Natur. (FA)
„Nightborn (Yön Lapsi)“ lief auf der Berlinale 2026. Die Kritik lest ihr hier.
Nightborn (Yön Lapsi) Finnland 2026; 92 Min.; R: Hanna Bergholm; D: Seidi Haarla, Rupert Grint, Pirkko Saisio; Kinostart: 6.8.; 3 Punkte
„Everytime“
Ein Berliner Familiendrama: Nach dem Unfalltod der jungen Jessie müssen ihre Mutter Ella und Schwester Melli ihr Leben neu sortieren. „Everytime“ von Regisseurin Sandra Wollner reißt die Abgründe zwischen den inneren und äußeren Welten der Figuren weit auf. Unseren Artikel zum Film findet ihr hier.
Everytime D/Ö 2026; 120 Min.; R: Sandra Wollner; D: Birgit Minichmayr, Lotte Shirin Keiling, Tristán Lopez; Kinostart: Do 6.8.; 5 Punkte
„Flieg steil“
Früher war Konnie mit ihrer Rechtsrock-Band respektierter Teil der Berliner Neonazi-Szene, doch jetzt vergrault sie ihre Kameraden mit den feministischen Botschaften ihrer Songs. Gleichzeitig schleust sich der Altpunk Rudi in Konnies Kreise ein und will für Furore sorgen. Beim Aufeinandertreffen der beiden jagt ein uraltes Klischee das nächste, eingefangen in einer pseudo-rebellischen Ästhetik, die hart an der Grenze zur Selbstparodie kratzt. Auf ganzer Länge peinlich. (CK)
Flieg steil D 2024; 86 Min.; R: Martina Schöne-Radunski, Lana Cooper; D: Ceci Chuh, Alexander Merbeth, Andreas Anke; Kinostart: 6.8.; 1 Punkt
„Der Klang der Stradivari“

Was beim Sport funktionieren kann, ein Star, der eine Mannschaft dominiert, das geht nicht bei einem Streichquartett. Das müssen die vier Musiker begreifen, die persönliche Animositäten oder auch die eigene Selbstüberschätzung überwinden müssen – für ein Konzert, bei dem sie mit der eigens dafür beauftragten Komposition hadern und auch deren Komponist nach 30 Jahren plötzlich Zweifel hat. Bis auf den wirklich schönen Kippmoment leider recht vorhersehbar. (FA)
Der Klang der Stradivari (Les musiciens) F 2025; 102 Min.; R: Grégory Magne; D: Valérie Donzelli, Frédéric Pierrot, Mathieu Spinosi; Kinostart: 6.8.; 3 Punkte
„Lebensansichten eines Huhns“
Niemals mit Kindern oder Tieren drehen, denn sie sind unberechenbar. Diese goldene Regel hat der ungarische Regisseur György Pálfi für seinen erstaunlichen Film „Lebensansichten eines Huhns“ komplett ignoriert. Das Ergebnis ist ein Film, der komplett aus der Perspektive des titelgebenden Federviehs erzählt ist. Zu unserer Kritik geht es hier entlang.
Lebensansichten eines Huhns (Hen) Ungarn/Griechenland 2025; 96 Min.; R: György Pálfi; D: Ioannis Kokiasmenos, Maria Diakopanagioti, Arryris Pantazaras; Kinostart: 6.8.; 4 Punkte
„You, Me & Italy“
Alle Klischees, die US-Amerikaner über Italien im Kopf haben, sind in diesem Film präsent. Dass die Protagonistin, die nach dem frühen Tod ihrer Mutter ihre Ausbildung als Köchin abgebrochen hat, jetzt lieber als Haussitterin in die Leben anderer einsteigt, hätte ein spannendes Drama ergeben können, doch daran hat diese RomCom keinerlei Interesse; kein Wunder, dass Regé-Jean Page (der zuletzt in „Black Bag“ überzeugte) die meiste Zeit dreinblickt, als würde er sich fragen, wie zum Teufel er bloß in diesen Film geraten ist. (FA)
You, Me & Italy (You, Me & Tuscany) USA 2026; 105 Min.; R: Kat Coiro; D: Halle Bailey, Regé-Jean Page, Marco Calvani; Start: 6.8.; 2 Punkte
„Exit 8“
Auf dem Weg aus der U-Bahn gerät ein Mann in eine Art Zeitschleife und muss denselben Korridor immer und immer wieder durchlaufen. Ein Hauch von „Backrooms“ durchweht diese verspielte und paranoide Videospielverfilmung.
Exit 8 (hachi-ban deguchi) Japan 2026; 95 Min.; R: Genki Kawamura; D: Kazunari Ninomiya, Yamato Kochi, Naru Asanuma; Kinostart: 13.8.; 4 Punkte
„Noga“
Was anfangs wie die übliche Erfolgsgeschichte einer Künstlerin aussieht, wird im Verlauf des Films mehr und mehr zum Drama der Protagonistin Noga. Nach dem Hamas-Überfall am 7. Oktober 2023 und den israelischen Expansionsmaßnahmen reicht es nicht mehr aus, sich in Songtexten gegen Netanjahu zu positionieren. Bei Konzerten kommt es zu gewalttätigen Protesten gegen die Künstlerin. Wenn Noga am Ende dieser Langzeitbeobachtung, die immer nah an ihr dran bleibt, bei einem Konzert davon spricht, wie Auftritte abgesagt wurden, nur weil sie Israelin ist, dann bringt sie Trauer und Wut noch einmal auf den Punkt. (FA)
Noga USA/D/Israel/Österreich 2026; 95 Min; R: Benji Bergmann, Jono Bergmann; Kinostart: 13.8.; 4 Punkte
„Der Regenmeister“
Der schwedische Rentner Ingmar stellt fest, dass er das örtliche Wetter kontrollieren kann, indem er seinen Wasserhahn auf- und zudreht. Sein Nachbar will daraus Profit schlagen. Der Film von „Ein Mann namens Ove“-Regisseur Hannes Holm pendelt unentschlossen zwischen Magie und Satire.
Der Regenmeister (Regenmannen) Schweden 2025; 109 Min.; R: Hannes Holm; D: Robert Gustafsson, Jonas Karlsson, Emelia Sallhag; Kinostart: 13.8.; 3 Punkte
„Funeral Casino Blues“
Ein dreigeteiltes Mystery-Thriller-Drama im nächtlichen Bangkok: Eine junge Frau, ihr Mitbewohner und ein Barkeeper suchen einen Ausweg aus der Armut. Stimmung und Suspense überwiegen in einem Film, der dem Zuschauer Geduld abverlangt.
Funeral Casino Blues D 2025; 153 Min.; R: Roderick Warich; D: Jutamat Lamoon, Wason Dokkathum, Jutarat Burinok; Kinostart: 13.8.; 3 Punkte
„Sunny Dancer“

Ivy Pritchard, 17 Jahre alt, einziges Kind eines schottischen Paars, zehn Monate ohne Krebszellen im Körper. Das ist der Ausgangspunkt für „Sunny Dancer“, in dem Ivy anfangs widerstrebend in ein Camp geht, in dem sie auf Schicksalsgenoss:innen trifft. Junge Leute, deren Leben im Zeichen der Krankheit steht. Man kann sich in etwa vorstellen, dass der Widerstand von Ivy allmählich gebrochen wird, dass sie Freundschaften schließen wird – aber mit Bella Ramsey in einer starken Hauptrolle entwickelt sich „Sunny Dancer“ doch zu einem sehenswerten, durch die Hauptfigur oft schnoddrigen Drama. In einer Nebenrolle: Jessica Gunning, bekannt geworden unter anderem mit „Baby Reindeer“. (BR)
Sunny Dancer GB 2026; 106 Min.; R: George Jaques; D: Bella Ramsey, James Norton, Neil Patrick Harris; Kinostart: 13.8.; 4 Punkte
„Im Spiegel meiner Mutter“
Archäologin Ursula (Corinna Harfouch) trauert um ihre verstorbene Mutter, zeitgleich scheint eine junge Kollegin unheimlich viel über ihre Familiengeschichte zu wissen. Regisseurin Jutta Brückner beendet ihre Mutter-Tochter-Trilogie mit einem Film, der oft rätselhaft und assoziativ erzählt.
Im Spiegel meiner Mutter D 2025; 86 Min.; R: Jutta Brückner; D: Corinna Harfouch, Hildegard Schmal, Carla Juri; Kinostart: 13.8.; 4 Punkte
„Finding Connection“
Die vier Protagonist:innen von Florian Karners „Finding Connection“ sind ganz normale Leute in Deutschland, England und den USA, die unter der Veränderung der jeweiligen Gesellschaft leiden. Über ihre Einsamkeit trösten sie sich mit KI-Gesprächspartnern hinweg.
Finding Connection D 2026; 86 Min.; R: Florian Karner; Kinostart: 13.8.; 4 Punkte
„Teenage Sex and Death at Camp Miasma“
Um das in die Jahre gekommene Horrorfranchise „Camp Miasma“ neu aufzulegen, holt die Regisseurin des Reboots (Hannah Einbinder) die Heldin des Originalfilms („Akte X“-Star Gillian Anderson) aus dem Ruhestand. Doch die Dreharbeiten sind von Paranoia und Identitätskrisen geplagt, die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen.
Teenage Sex and Death at Camp Miasma USA/GB 2026; 112 Min.; R: Jane Schoenbrun; D: Hannah Einbinder, Gillian Anderson, Jack Haven; Kinostart: 20.8.; 5 Punkte
„Salz und Wasser“
Es sind 51 Wissenschaftler, die für zehn Wochen lang mit einem Forschungsschiff in die Arktis aufbrechen, um die schwerwiegenden Auswirkungen der Gletscherschmelze zu untersuchen. Zwischen der Erklärung der vielfältigen Aufgaben und individuellen Biografien findet der Film eine schöne Balance; die raunende Off-Stimme der Filmemacherin allerdings, die das Unternehmen mit (gespielter) Naivität auch als persönliche Herausforderung zu begreifen sucht, bleibt gewöhnungsbedürftig. (FA)
Salz und Wasser D 2026; 106 Min.; R: Ines Reinisch; Kinostart: 20.8.; 3 Punkte
„Spaziergang nach Syrakus“
Wie kommt man aus Mecklenburg in den Süden Italiens? Vor dieser Frage steht Schiffskellner Paul Gompitz (Charly Hübner) Anfang der 1980er-Jahre, als er aus der DDR nach Sizilien ausreisen möchte. Was folgt, ist trotz Hübners Schauspielleistung ein sentimentaler Film voll harmloser Reiseromantik.
Spaziergang nach Syrakus D 2026; 97 Min.; R: Lars Jessen; D: Charly Hübner, Lina Beckmann, Thorsten Merten; Kinostart: 20.8.; 3 Punkte
„Marsupilami“
Das Marsupilami sei „das seltenste Tier der Welt“, ein gelber, schwarzgepunkteter Dschungelbewohner, dessen hervorstechendstes Merkmal sein meterlanger Schwanz ist. Es erregt die Aufmerksamkeit von skrupellosen Forschern ebenso wie von kriminellen Banden. Die Turbulenz dieser Komödie kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die gelungenen Gags wie schon in früheren Filmen von Regisseur und Hauptdarsteller Philippe Lacheau ziemlich dünn gesät sind. (FA)
Marsupilami F/Belgien 2025; 99 Min.; R: Philippe Lacheau; D: Philippe Lacheau, Jamel Debbouze,Tarek Boudali; Kinostart: 20.8.; 2 Punkte
„Hiddensee“
Regisseurin Annekatrin Hendel wirft in „Hiddensee“ einen zutiefst persönlichen Blick auf Vergangenheit und Gegenwart der Ostseeinsel. Gleichzeitig gelingt es ihr fast beiläufig, 100 Jahre deutsche Geschichte aufzurollen, komprimiert auf 17 Kilometer Heide, Dünen, Steilküste und Sandstrand.
Hiddensee D 2026; 118 Min.; R: Annekatrin Hendel; Kinostart: 20.8.; 4 Punkte
„All my Sisters“
Vor dem Hintergrund der erstarkenden Frauenrechtsbewegung im Iran dokumentiert Massoud Bakshi das Leben seiner Familie. Mutter und Großmutter halten sich bedeckt, die beiden Schwestern des Regisseurs werden von den Protesten zur eigenen Emanzipierung ermutigt.
All my Sisters Ö/D/F/Iran 2025; 78 Min.; R: Massoud Bakhshi; Kinostart: 20.8.; 4 Punkte
„The Lights, They Fall“
Während draußen die Spätsommersonne scheint, muss der 16-jährige Ilay seiner Mutter beim Sterben zuschauen. Ein sanft dahindriftender Film mit Laiendarstellern, der dank seiner Besetzung mal ungelenk, mal schnoddrig-authentisch wirkt.
The Lights, They Fall D 2026; 86 Min.; R: Saša Vajda; D: Mohammed Yassin Ben Majdouba, Flor Prieto Catemaxca, Mahira Hakberdieva; Kinostart: 20.8.; 4 Punkte
„Becoming Kim“
Mindestens 20 Prozent der Paare in Deutschland befinden sich in interkulturellen Beziehungen, was bisweilen spezielle Probleme nach sich zieht. Davon erzählt Filmemacherin Susanne Kim in ihrem essayistischen Dokumentarfilm, in dem ihre Ehe mit dem Koreaner Jeong Rae Kim auf mal verspielte, mal ernsthafte Weise hinterfragt wird. Zwischen Deutschland und Korea bewegen sich das Paar und die gemeinsame Tochter, streiten und versöhnen sich und finden am Ende trotz aller kulturellen Unterschiede eine gemeinsame Ebene. (MM)
Becoming Kim D/Südkorea 2026; 90 Min.; R: Susanne Kim; Kinostart: 27.8.; 3 Punkte
„Für immer 16“
Der Film von Brezel Göring entstand als persönliches Vermächtnis und zugleich als Hommage an seine 2021 verstorbene französische Lebens- und Musikband-Partnerin Francoise Cactus. Sein Langfilmdebüt basiert auf einem unvollendeten Roman von Cactus und
besteht aus einer lockeren Folge von Momentaufnahmen, eine amüsante Mixtur aus Nonsens und Nostalgie.
Für immer 16 D 2026; 74 Min.; R: Brezel Göring; D: Lilith Stangenberg, Chang Wang, Mücke; Kinostart: 27.8.; 3 Punkte
„Staatsschutz“
Angeblich ist das deutsche Justizsystem das objektivste der Welt. Der Thriller von Faraz Shariat stellt diese These auf die Probe: Seyo Kim arbeitet für die Staatsanwaltschaft, entgeht knapp einem Anschlag – und kommt einer Unterwanderung der Justiz vom rechten Rand auf die Spur.
Staatsschutz D 2026; 113 Min.; R: Faraz Shariat; D: Chen Emilie Yan, Julia Jentsch, Arnd Klawitter; Kinostart: 27.8.; 4 Punkte
„Schwarzers Kosmos“
In den letzten Jahren gab es Dokumentarfilme über eine ganze Reihe der großen, alten, weißen Männer des deutschen Kunstbetriebs: Gerhard Richter, Thomas Schütte, Anselm Kiefer, Joseph Beuys. Nun lässt Klaus Martens einen folgen über einen, der vielleicht auf derselben Ebene wie diese großen Figuren agieren könnte, der aber andererseits nicht dazu passt: Bernd Schwarzer, ein großes Ego, Liebhaber starker Farben, Verfechter Europas, das er mit Gelb und Blau verbindet, meistens trägt er auch gelbe Hemden. Martens folgt Schwarzer durch die Labyrinthe seiner Ateliers (die von einem rekordverdächtigen Hang zum Horten zeugen), zeigt ihn mit Modell oder mit Sammlern, und lässt implizit viel über den heutigen Kunstbetrieb deutlich werden. (BR)
Schwarzers Kosmos D 2026; 90 Min; R: Klaus Martens; Kinostart: 27.8.; 4 Punkte
„Der Heimatlose“
Ein junger Mann kommt in eine kleine Inselgemeinde. Er behauptet, es sei sein Heimatort, den er 14 Jahre zuvor verlassen hatte. Doch die Dorfbewohner erkennen ihn nicht wieder. Das Low-Budget-Drama bedient sich thematisch bei Kafka, inszenatorisch bei Brecht.