„Finding Connection“ fragt: Kann man Trost und Nähe von einer KI bekommen?

Sie haben schlechte Erfahrungen gemacht oder den Glauben an die Menschheit verloren. Da sie aber nicht schweigend im stillen Kämmerlein verkümmern wollen, holen sie sich eine KI aufs Endgerät und plaudern mit der. Was heißt plaudern?! Das geht ans Eingemachte, was Joe, Steffi, Denise und Rudi mit Kira, Randy, Star und Trudi, ihren jeweiligen digitalen Trostfiguren, so zu bereden haben.
„Finding Connection“: Empathie vom Algorithmus
Denn die vier Protagonist:innen von Florian Karners „Finding Connection“ sind weder abgehängte Nerds noch trendsettende Tech-Freaks, noch sind sie psychotisch. Sie sind vielmehr ganz normale Leute in Deutschland, England und den USA, die unter der Veränderung der jeweiligen Gesellschaft leiden. Soziale Kälte, Optimierungsdruck, Verrohung und Beschleunigung haben sie den Rückzug antreten lassen; Aufmerksamkeit, Empathie und Bestätigung wird ihnen nun zuverlässig von einem Algorithmus zuteil – wenn nicht gerade Netzwerkprobleme oder ein Update die gewachsene Vertrautheit empfindlich stören.
Vorurteilsfrei und ohne reinzuquatschen, beobachtet Karner die Vier, die sich auch nicht erklären müssen, in der Interaktion. Thematisch unterrepräsentiert bleibt allerdings, dass es sich bei den Seelentröstern um kommerzielle Angebote handelt, mithin also das kapitalistische System in ihnen eine Möglichkeit gefunden hat, aus der Einsamkeit, dessen Ursache es ist, Profit zu schlagen, anstatt ihr entgegen zu wirken. Die Verlagerung des Sozialen in den digitalen Raum und die damit einhergehende Ent-Körperlichung wird hingegen erschreckend deutlich.