Altern mit Doris Dörrie: „Frau Winkler verlässt das Haus“

Kein abwegiger Gedanke: Im Jahr 2030 sind KI und Roboter komplett in die Gesellschaft integriert. „Ohne Ausweis kein Alkohol“, warnt die elektronische Bedienung im Restaurant, als Frau Winkler am helllichten Tag einen Vodka bestellt. Hochprozentiges ist gemäß ihrer Versichertenkarte nicht gestattet. Ausnahmen macht die Maschine niemals. „Arschloch“, findet Frau Winkler. Sie hat immer noch Mühe, den Todestag ihres vor langer Zeit verstorbenen Mannes nüchtern zu überstehen.
„Frau Winkler verlässt das Haus“: Sci-Fi-Dramödie mit großartiger Hauptdarstellerin
Und dann passiert das Schlimmste: Nach einem dummen Sturz wird die ehemalige Schauspielerin zum Pflegefall. Aber Tochter Emi kann sich nicht um ihre (im wörtlichen Sinn) lebensmüde Mutter kümmern. Sie hat seit langem endlich wieder ein Engagement am Theater. Auf Kosten der Krankenkasse kommt stattdessen Hilfe in Form eines Androiden ins Haus. Der freundliche, vorprogrammierte Betreuer liefert eine effiziente Rundumversorgung. Gefühle sind ihm nicht fremd. So hat auch der „alte Schrotthaufen“ bald genug von Frau Winklers ständigem Gemecker und führt kurzum eine tägliche „Bitch Hour“ ein.
Der Ton von Doris Dörries Sci-Fi-Dramödie wird ernster, je lauter der Sterbewunsch ihrer Titelheldin wird. Sobald der Roboter in den „End-of-Life-Modus“ umschaltet, gibt es kein Zurück mehr. Ihren stets mit einer guten Prise Sarkasmus gewürzten Humor verliert die großartige Angela Winkler in der Hauptrolle trotzdem nicht. Aber sie wird weicher, zärtlicher, wie die Bilder, die sich der zunehmend besinnlicheren Stimmung wohlwollend anpassen.