Im Dickicht der Stadt Bangkok: „Funeral Casino Blues“

Das deutsche Kino zieht es derzeit verstärkt in die Provinz, raus aus der Stadt, ab aufs Land. „Funeral Casino Blues“ bietet ein aufregendes Kontrastprogramm: Exotik und Thrill im nächtlichen Bangkok. Eine Noir-Liebesgeschichte, atmosphärisch und geheimnisvoll inszeniert. Der 1983 in Köln geborene Regisseur Roderick Warich hat ein Auge für schöne Bilder, Farbspiele, Licht und Schatten, und ein Gespür für tragische Figuren. Bereits in seinem Spielfilmdebüt „2557“ tauchte er tief ein in die thailändische Millionenmetropole mit all ihren Mythen, Vorurteilen und hässlichen Wahrheiten.
„Funeral Casino Blues“: Stimmung statt Stringenz
Dieses Mal folgt er Jen (Jutamat Lamoon), einer jungen Frau, die mit ihrer Mitbewohnerin Pim (Jutarat Burinok) ein kleines Apartment in Bangkok teilt, um sich und ihrer fern lebenden Familie ein besseres Leben zu erarbeiten. Doch der Preis ist hoch. Sie verkauft sich an wohlhabende Männer aus dem Ausland. Im Kontrast dazu steht ihre Begegnung mit dem Barkeeper Wason (Wason Dokkathum), der selbst in finanziellen Schwierigkeiten steckt. Zwischen ihnen entsteht bald eine innere Verbundenheit. Eine Romanze, vielleicht.
Doch Warich hat mehr vor in seinem dreigeteilten Mystery-Thriller-Drama, das immer stärker zu einer Geistergeschichte wird. Stimmungen und Suspense sind ihm wichtiger, als eine stringente Handlung voranzutreiben. Dafür braucht es Ausdauer, um an den Figuren dranzubleiben. Aber der Film nutzt recht eindrücklich den Blick von Überwachungskameras sowie das Spiel mit Chat-Nachrichten, um eine unheimliche Spannung zu erzeugen.