ABO
FilmTipPlus Logo

Die Doku „Generation Porno“ zeigt, was wir Kindern zumuten

Pornosucht, KI-Nacktbilder und Aufklärungsversuche: Der ZDF-Dreiteiler spricht mit Experten und Betroffenen.
Text: Frank Arnold
Veröffentlicht am: 17.07.2026
Home » Kultur » Film » Die Doku „Generation Porno“ zeigt, was wir Kindern zumuten
Schon früh stoßen Kinder und Jugendliche in sozialen Medien auf Pornos. © ZDF und getty

Als Jüngere haben wir selber vermutlich eher gelächelt über einen Jugendschutz, der uns zuerst vor „Schundromanen“, später vor Kettensägenmassakern und Zombies (die am Glockenseil hingen) schützen wollte, aber was heute über Internet und Social Media für Kinder und Jugendliche alles verfügbar ist, das gibt einem doch zu denken. Fünf bis sechs Stunden täglich am Handy zu sein, ist für viele Jugendliche Alltag. Dabei haben es die Inhalte, die ihnen dabei vorgeführt werden, nicht nur auf ihr Taschengeld abgesehen, indem sie zu Konsum verführen, sondern können sich auch als handfeste Bedrohung erweisen, gerade wenn es um sexuelle Darstellungen der pornografischen Art geht. Der 90-minütige ZDF-Dreiteiler „Generation Porno“, der jetzt in der Mediathek verfügbar ist (linear ausgestrahlt wurde Anfang Juni nur eine 45-minütige Kurzfassung), liefert dafür eindrucksvolle Beispiele.

„Generation Porno“ zeigt erschreckende Zahlen

Er lässt Pädagogen, Eltern und einen auf Cybercrime spezialisierten Polizisten ebenso zu Wort kommen wie die Jugendlichen selber. Etwa den heute 17-jährigen Merlin, der mit acht Jahren sein erstes Handy bekam und während der Corona-Epedemie an langen Tage zuhause eine Pornosucht entwickelte. Und der 19-jährige Jonathan spricht in Gegenwart seiner Mutter darüber, wie er als Zwölfjähriger in die Fänge eines 27-jährigen Mannes geriet (der sich beim Online-Kontakt als Minderjähriger ausgab), der ihn beim ersten Treffen in der Wirklichkeit sexuell bedrängte. Von intimen Fotos, die nur an den Partner verschickt werden, aber von diesem als Racheakt weiterverbreitet werden, bis hin zu KI-generierten Nacktbildern reicht die Palette der Gefahren. Dass 75 Prozent aller Jugendlichen den Sex in Pornos für realistisch halten und entsprechend als Rollenmodell begreifen, ist eine weitere erschreckende Zahl.

Ein Patentrezept hält diese Dokumentation nicht bereit, wohl aber eine Reihe von möglichen Ansätzen. Zu denen zählt auch eine beeindruckende Sequenz, in der Paulina und zwei ihrer Freunde das Thema in eine Klasse mit jüngeren Schülern hineintragen. Diese Dokumentation wird ganze zehn Jahre in der Mediathek des ZDF verfügbar sein. Wie die Situation in dieser Hinsicht dann sein wird, mag ich mir lieber nicht vorstellen.

Generation Porno ZDF Mediathek bis 1.6.2036, 3 Episoden à 30 Min


Mehr zum Thema

Vom Roman zum Film, vom Remake zur Serie: „Cape Fear“ denkt den Stoff des Thrillerklassikers weiter. Die Fortsetzung von „The Handmaid’s Tale“ ist da: Hier lest ihr unsere Kritik zu „The Testaments“. Bald nur noch „Die Feuerzangenbowle“? Das deutsche Filmerbe ist in der Krise. Die Realverfilmung des Anime-Klassikers geht weiter: Staffel 2 von „One Piece“ ist Fanservice pur. Von legendären Kinos bis zu Drehorten: Diese 12 Orte sollte jeder Filmfan in Berlin gesehen haben. Eindrucksvolle Kulissen: Internationale Filmemacher haben diese Drehorte in Berlin aufgesucht, um ihre Visionen auf die Leinwand zu bringen. Er baut die Filmwelten von Wes Anderson: Zu Besuch in der Neuköllner Werkstatt des Miniaturbauers Simon Weisse. Abschied von den Riesen? Diese Berliner Alternativen zu Netflix und Prime solltet ihr euch ansehen.

Das könnte dich auch interessieren