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In „Good Boy“ liegt ein junger Mann buchstäblich in Ketten

Der polnische Regisseur Jan Komasa erzählt in „Good Boy“ eindringlich von psychischer und körperlicher Gewalt und toxischen familiären Beziehungen.
Text: Frank Arnold
Veröffentlicht am: 02.06.2026
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 © Lukasz Bakj/X Verleih

Tommy kennt keine Grenzen, erst recht nicht, wenn er auf Kokain ist. Auch in dieser Nacht geht der Neunzehnjährige voran, beim Trinken, sich Prügeln, dem Anmachen fremder Frauen in Gegenwart seiner Freundin oder beim Pissen auf der Straße. All das hält er mit seinem Handy fest und generiert damit Klicks. Die ersten Minuten von „Good Boy“ sind eine Tour de Force, die Kamera nah dran an Tommy, vollgepumpt mit destruktiver Energie. Als wir ihn das nächste Mal sehen, ist er angekettet in einem Keller, in einem englischen Landhaus, bewohnt von einer traditionellen Kleinfamilie aus Vater Chris, Mutter Kathryn und dem zehnjährigen Sohn Jonathan.

„Good Boy“ verbindet eindringlich physische und psychische Gewalt

Während Tommys Widerstand nach und nach schwächer wird, er sich seiner Situation als neues Familienmitglied anzupassen scheint, darf der Zuschauer rätseln über diese Konstellation: Was treibt Chris an, mit seinen ausgeklügelten Systemen von Regeln und Sicherheitsvorkehrungen? Wer war Charlie, von dem Jonathan immer wieder spricht – sein großer Bruder oder ein früheres Entführungsopfer?

Wie in seinen früheren Filmen verhandelt der polnische Regisseur Jan Komasa, unterstützt von einem exzellenten Ensemble, Mechanismen von zwanghafter Beeinflussung und Unterwerfung. War es zuletzt in „The Change“ reaktionär-nationalistisches Gedankengut, das eine Familie vergiftete, so ist es diesmal die Verbindung von physischer und psychischer Gewalt, auch deshalb so eindringlich, weil sie die Sympathien des Zuschauers immer wieder zur Disposition stellt, bis zum Ende, das noch einige Überraschungen bereithält.

Good Boy Polen/GB 2025; 110 Min.; R: Jan Komasa; D: Stephen Graham, Andrea Riseborough, Anson Boon; Kinostart: 4.6.


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