Isabelle Huppert spielt „Die reichste Frau der Welt“

Langsam könnte man Mitleid mit den Reichen bekommen, dienen die oberen Zehntausend doch seit Jahren fast im Wochentakt als beliebte Zielscheibe von Spott und Häme. In Fernsehserien wie „White Lotus“ und „Loot“ oder Kinofilmen wie „Blink Twice“ oder „The Cook“ sezierten Autor:innen und Regisseur:innen die moralischen Abgründe der Superreichen, die ohne Moral und Verantwortung durchs Leben zu gehen scheinen, zumindest auf der kleinen oder großen Leinwand dann aber doch für ihre Sünden büßen müssen.
„Die reichste Frau der Welt“ ist inspiriert von der Bettencourt-Affäre
Allein in diesen Tagen startet mit „Rosebush Pruning“ ein weiterer Vertreter dieses Subgenres, und auch „Die reichste Frau der Welt“ fügt sich fast nahtlos in diesen Trend ein, wird dabei aber vor allem durch Hauptdarstellerin Isabelle Huppert sehenswert. Die spielt in Thierry Klifas lose auf wahren Begebenheiten beruhender Satire Marianne Farrere, Erbin und Chefin eines Kosmetikunternehmens, und als solche eben die reichste Frau der Welt. Um ihr Image aufzupolieren, hat Marianne zugestimmt, sich für eine Titelstory fotografieren zu lassen. Ein Job, den der dandyhafte, schwule Fotograf Pierre-Alain (Laurent Lafitte) übernimmt. Dieser erweist sich als ein Golddigger par excellence, umschmeichelt die von ihrer Ehe mit dem faden Guy (André Marcon) gelangweilte Marianne – und beginnt ihr Unmengen Geld aus der Tasche zu ziehen, was schließlich den Fiskus auf den Plan ruft.
Lose basiert der Film auf der Bettencourt-Affäre um die L’Oréal-Erbin Liliane Bettencourt, deren Stränge bis in die Politik führten, zu Spenden an den damaligen Präsidenten Nicolas Sarkozy etwa, doch in diese Bereiche wagt sich Klifa mit seiner am Ende harmlosen und ein wenig selbstgefälligen Satire nicht heran.