„Junge Mütter“: Die Brüder Dardenne sind Meister des Sozialrealismus

Die meisten von ihnen sind noch minderjährig, aber hochschwanger oder gerade Mutter geworden. Damit beginnt für die jungen Frauen eine Zeit, wo sie Verantwortung übernehmen müssen – für ihr eigenes Leben, aber vor allem für das ihrer Neugeborenen. In einer Einrichtung für ledige Mütter im nordbelgischen Liège (Lüttich) treffen sie zusammen, vier von ihnen stehen im Mittelpunkt dieses Films.
Seit über dreißig Jahren drehen die belgischen Brüder Dardenne Filme, die den Blick auf Randbereiche der Gesellschaft richten, dabei stets auf Augenhöhe mit ihren Protagonisten, an denen eine agile Handkamera nah dran ist. Mit „Jeunes meres“ legen sie dabei zum ersten Mal einen Ensemblefilm vor, in dem wiederum die Laiendarstellerinnen starken Eindruck hinterlassen.
Zwischen der Alltagsroutine in der Unterkunft und den ersten Schritten in der Welt draußen, entfaltet der Film vier Geschichten, wobei die Beziehungen zu den eigenen Müttern meist die größte Herausforderung darstellen – deren Fehler wollen die Mädchen in keinem Fall wiederholen. Neben Rückschlägen gibt es glücklicherweise auch positive Erlebnisse, die ihnen dabei Mut machen; eine fünfte, Naïma, die es geschafft hat, wird zum Sinnbild der Hoffnung, ebenso wie die fürsorglichen Mitarbeiterinnen der Einrichtung.
Nachdem ihre letzten beiden Filme, 2019 und 2022 entstanden, in Deutschland ohne Verleih blieben, tut es gut, hier wieder einen Film der Dardennes zu sehen. Ein Interview mit den Dardennes lest ihr hier.