„Kill Bill: The Whole Bloody Affair“ ist Tarantino in Bestform

Quentin Tarantino, nie um eine starke Meinung verlegen, ließ einst verlauten, dass Regisseure im Alter abbauen, er selber sich deswegen nach seinem zehnten Film zur Ruhe setzen würde. Eigentlich kamen bislang zwar schon zehn Filme von Tarantino ins Kino, doch nach der Zählweise des Regisseurs hat er erst neun gedreht, denn die beiden „Kill Bill“-Teile seien eigentlich ein einziger langer Film, der bei der Uraufführung 2003/2004 nur deswegen zweigeteilt wurde, weil man dem Publikum keinen vier Stunden-Film zumuten wollte.
Ausufernde Kampfsequenzen und Zitate aus dem Genrekino
Wie um diese Zählweise seines Œuvres zu untermauern, kommt nun „Kill Bill: The Whole Bloody Affair“ ins Kino, die sehr lange, ungeschnittene und vor allem noch blutigere Version des Racheepos. Streng genommen nichts anderes als die bekannten Teile zu einem langen Film mit Pause zusammengefügt, denn bislang nicht zu sehende Szenen finden sich in dieser Version kaum. Auch die für Tarantino typische verschachtelte Erzählweise wurde beibehalten, man verfolgt also wie gehabt Uma Thurman als Bride, die am Altar von ihrem Chef und Ex-Lover Bill (Keith Carradine) erschossen wird, im Koma überlebt, vier Jahre später aufwacht und blutige Rache übt. Besonders in der ersten Hälfte spritzt das Blut dabei in Fontänen, und diesmal auch durchgehend in schönstem Rot: Denn neben einer etwas längeren Version der Anime-Sequenz, die die Vorgeschichte der Gegenspielerin O-Ren-Ishii (Lucy Liu) erläutert, wird die grandiose, ausufernde Kampfsequenz zwischen der Braut und den Crazy 88 diesmal in leuchtenden Farben gezeigt: Bei der Uraufführung durfte diese Sequenz nur in Schwarzweiß zu sehen sein, um eine Jugendfreigabe zu erlangen, inzwischen scheinen sich die Maßstäbe der Filmbewertungsstellen geändert zu haben.
Diese Sequenz, noch mehr aber der anschließende Schwertkampf in einem schneebedeckten japanischen Garten, zählen zu den stilistisch besten Sequenzen in Tarantinos Werk, voller Zitate aus dem asiatischen Genrekino, von Kameramann Robert Richardson in atemberaubende Bilder gefügt. Selten wirkte Tarantinos Prinzip des Pastiche so überzeugend wie in „Kill Bill“, auch wenn gerade in der zweiten Hälfte schon der Hang zu ausufernd langen Sequenzen zu spüren ist, der sich im weiteren Verlauf von Tarantinos Schaffen immer mehr durchsetzen sollte.
Sieben Jahre liegt Film Nr. 9 inzwischen zurück, wann Tarantino sich an sein (angeblich) finales Werk wagt, steht noch in den Sternen. Aktuell arbeitet er an seinem Debüt für ein anderes Format: 2027 soll ein Theaterstück am Londoner Westend Premiere feiern.