Missbrauch in einer Hilfseinrichtung? Das inklusive Drama „Luisa“

Wer schützt die Schutzbedürftigen vor ihren eigenen Schutzbefohlenen? Im Debütfilm von Julia Roesler geht es um die 22-jährige Luisa (Celina Scharff), die irgendwo an einem regnerischen Ort in Deutschland in einer Wohneinrichtung für Menschen mit Behinderungen lebt. Sie ist fröhlich, lacht viel und hat einen netten Freund namens Anton. Doch auf einmal wird sie stiller, fühlt sich sichtlich unwohl. Luisa ist schwanger. Sexueller Missbrauch steht im Raum. Eine Pflegerin ist besonders bemüht, den Fall zu klären, auch die Polizei wird eingeschaltet.
„Luisa“ hallt vernehmber nach
Unangenehme Fragen kommen auf: Wie kann es sein, dass Institutionen solchen Missbrauch strukturell ermöglichen? Wer bestimmt über ihren Körper, wenn es zu spät ist? Celina Scharff spielt mit leiser und großartiger Intensität. Ihre Nuancen aus Unverständnis, Scham und dem Ausgeliefertsein im Mikrokosmos des Wohnheims treffen genau die Sensibilität der Geschichte. Die Kamera begleitet den professionellen Cast aus Schauspieler:innen mit und ohne Behinderung, der zumindest für Deutschland einzigartig ist, immer auf Augenhöhe. Die zarten Bilder sind nicht dramatisch. Der Missbrauch dröhnt vor allem in den stillen Momenten, in denen Luisa auf einmal nicht mehr lacht.
Trotzdem ist nicht alles schwer. Es gibt viele kleine Momente des Glücks, auch dem Rest des Casts schaut man gerne beim Spielen zu. Einige von ihnen sind Teil des inklusiven Ensembles „Meine Damen und Herren“, das auch an der Stoffentwicklung beteiligt war. Ein leiser Film, der vernehmbar nachhallt.