ABO
FilmTipPlus Logo

Missbrauch in einer Hilfseinrichtung? Das inklusive Drama „Luisa“

Ein Film über und mit Menschen mit Behinderung: „Luisa“ erzählt nuanciert vom Mikrokosmos eines Wohnheims
Text: Marlene Giesecke
Veröffentlicht am: 26.03.2026
Home » Kultur » Film » Missbrauch in einer Hilfseinrichtung? Das inklusive Drama „Luisa“
Luisa wird still – weshalb, erzählt Julia Roeslers gleichnamiger Film. © Real Fiction Filmverleih

Wer schützt die Schutzbedürftigen vor ihren eigenen Schutzbefohlenen? Im Debütfilm von Julia Roesler geht es um die 22-jährige Luisa (Celina Scharff), die irgendwo an einem regnerischen Ort in Deutschland in einer Wohneinrichtung für Menschen mit Behinderungen lebt. Sie ist fröhlich, lacht viel und hat einen netten Freund namens Anton. Doch auf einmal wird sie stiller, fühlt sich sichtlich unwohl. Luisa ist schwanger. Sexueller Missbrauch steht im Raum. Eine Pflegerin ist besonders bemüht, den Fall zu klären, auch die Polizei wird eingeschaltet.

„Luisa“ hallt vernehmber nach

Unangenehme Fragen kommen auf: Wie kann es sein, dass Institutionen solchen Missbrauch strukturell ermöglichen? Wer bestimmt über ihren Körper, wenn es zu spät ist? Celina Scharff spielt mit leiser und großartiger Intensität. Ihre Nuancen aus Unverständnis, Scham und dem Ausgeliefertsein im Mikrokosmos des Wohnheims treffen genau die Sensibilität der Geschichte. Die Kamera begleitet den professionellen Cast aus Schauspieler:innen mit und ohne Behinderung, der zumindest für Deutschland einzigartig ist, immer auf Augenhöhe. Die zarten Bilder sind nicht dramatisch. Der Missbrauch dröhnt vor allem in den stillen Momenten, in denen Luisa auf einmal nicht mehr lacht.

Trotzdem ist nicht alles schwer. Es gibt viele kleine Momente des Glücks, auch dem Rest des Casts schaut man gerne beim Spielen zu. Einige von ihnen sind Teil des inklusiven Ensembles „Meine Damen und Herren“, das auch an der Stoffentwicklung beteiligt war. Ein leiser Film, der vernehmbar nachhallt.

Luisa D 2025; 94 Min.; R: Julia Roesler; D: Celina Scharff, Katharina Bromka, Michael Schumacher; Kinostart: 23.4.


Mehr zum Thema

Sandra Hüller schickt Ryan Gosling ins All: „Der Astronaut – Project Hail Mary“ ist Sci-Fi-Mittelmaß. Kampf gegen die KI: unsere Kritik zu Gore Verbinskis Sci-Fi-Komödie „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“. Jean-Pierre und Luc Dardenne im Interview: Ihr neuer Film „Junge Mütter“ zeigt eine Utopie. Ode an den Tischtennis-Sport und New York: Erspielt sich Timothée Chalamet in „Marty Supreme“ den Oscar? Wer hat die wichtigsten Preise gewonnen? Hier ist unser Überblick zur Abschlussgala der Berlinale 2026. Zum Auftakt der Filmfestspiele lief Shahrbanoo Sadats romantische Komödie „No Good Men“. Ein kleiner Überblick: Diese 22 Filme liefen im Wettbewerb der Berlinale 2026. Was bleibt vom „brat summer“? Der Charli-xcx-Film „The Moment“ läuft auf der Berlinale. Köstlich: Ulrike Ottingers Vampirfilm „Die Blutgräfin“ besprechen wir hier. Das satirische Drama „Once Upon a Time in Gaza“ sucht nach einem Kino gegen die Hamas. Von Kreuzberg nach Griechenland: Berliner Regisseurin Judith Angerbauer über ihren Film „Sabbatical“. Von Wiener Regie-Duo: „White Snail“ zeigt zwei verlorene Seelen in Belarus. Ein herzzerreißender Film über eine dramatische Rettungsaktion in Gaza: „Die Stimme von Hind Rajab“ in der Kritik. Der Letzte seiner Art in Berlin: Götz Valien malt Kinoplakate. Keine Lust mehr auf die Streaming-Riesen? Berliner Alternativen zu Netflix, Amazon Prime Video, Disney+ und Co. Blick zurück aufs Kinojahr 2025: Die Lieblingsfilme der tipBerlin-Redaktion. Was läuft sonst? Hier ist das aktuelle Kinoprogramm für Berlin. Mehr aus der Filmwelt lest ihr in unserer Kino-Rubrik.

Das könnte dich auch interessieren